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Spontanbesuch bei den Saudis Macron reist nicht ohne Hintergedanken nach Riad

Macrons Besuch in Saudi-Arabien wirkt spontan. Bei genauerem Hinsehen wird aber klar: Er ist es nicht. Die Analyse.

Zwei Tage Zeit nahm sich der französische Präsident, im Emirat Abu Dhabi einen prunkvollen Ableger des renommierten «Musée du Louvre» und seine französischen Soldaten auf den dortigen französischen Militärbasen zu besuchen. Da ist jene Realpolitik, die Emmanuel Macrons diplomatisches Wirken charakterisiert.

Der französische Präsident sucht den direkten, persönlichen Kontakt zu allen Machthabern in der Region, unabhängig ihrer teilweise doch auch sehr widersprüchlichen Interessen. Darum schaltet er auf seiner Rückreise aber auch einen Zwischenhalt in Saudi-Arabien ein. Realpolitiker Macron weiss, dass Saudi-Arabien weiterhin eine Schlüsselrolle im Mittleren und Nahen Osten zukommt.

Gegen den Willen der USA

Sein Vorgänger François Hollande umgarnte die Machthaber am Golf – nicht zuletzt um dort der französischen Waffenindustrie lukrative Märkte zu erschliessen. Das war für die Aushandlung des Nuklear-Abkommens mit dem Iran hilfreich. An diesem will Frankreich um jeden Preis festhalten.

Macron glaubt weiterhin an die gute Wirkung dieses Abkommens, versteht sich gegenüber der iranischen Regierung sogar als Garant für dieses. Frankreich positioniert sich dabei in Opposition zu den USA, zu Donald Trump, welche sich über die scharfen verbalen Angriffe der Saudis auf Iran freuen.

Nicht ohne Hintergedanken

Das ist Macrons Verständnis von Realpolitik. Er sucht überall ein Gleichgewicht der Kräfte, ohne dass man sich in der Sache einig sein muss. Diese Linie verfolgt Macron gegenüber seinen Partnern in der Europäischen Union. Dieser Linie folgt er gegenüber den USA, Russland oder China. Und dieser Linie folgt er auch in der Golf-Region und natürlich auch im Nahen Osten.

Auch darum der Zwischenhalt in Saudi-Arabien. Diesmal mit Blick auf den Libanon. Dort pflegt Frankreich historisch, kulturell, wirtschaftlich und politisch seit vielen Jahrzehnten einen intensiven Austausch mit den libanesischen Machthabern. Logisch, dass der französische Präsident Emmanuel Macron sich nun dafür einsetzt, diesen Partner im Nahen Osten zu stabilisieren und dass er dort vermitteln will zwischen allen Beteiligten.

Der nur auf den ersten Blick überraschende Zwischenhalt in Saudi-Arabien war also wohlbedacht und nicht ohne Hintergedanken.

Charles Liebherr

Charles Liebherr

Seit 2014 ist Charles Liebherr Frankreich-Korrespondent von Radio SRF. Er studierte in Basel und Lausanne Geschichte, Deutsche Literatur- und Sprachwissenschaft sowie Politologie. Davor war er beim Schweizer Radio unter anderem als Wirtschaftsredaktor tätig.

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5 Kommentare

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  • Kommentar von c jaschko ("politically correct-player")
    Macaroni ist ein neues Gesicht im Alten Puppen Theater :-) die Puppen tanzen so wie die Puppen Spieler sie lenken :-) die Volksvertreter sind in meisten Ländern die von den Mega-reichen politischen Darsteller :-) Banken, Waffenhändler und Kumpanen werden vertreten so gut wie es nur geht ohne das Volk aufzuhetzen zum Aufstand :-)
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  • Kommentar von Christian Szabo (C. Szabo)
    Frankreich hatte in früheren Jahrzehnten wesentlich mehr Einfluss in Nahost. An diese Tradition möchte Macron anknüpfen, da alle Seiten davon profitiert haben. Den USA die Sache/Politik überlassen kann dramatisch werden, da sie weit weg ist, wenn es knallt. Sie profitieren gleich mehrfach von Kriegen. Religiöse Gründe sind nur vorgeschoben wie sie vor JH'en in Europa vorgeschoben waren. Es geht um Machterweiterung und Missgunst. Für die betroffenen Bürger wirkt sich das meist verheerend aus.
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  • Kommentar von Martin Meier (M.Meier)
    Warum erwähnt der Artikel nicht, dass F (unter HOllande) Waffen an die Saudis im Wert von rund 500 Mil. Euro verkauft hat? Macron geht es wohl eher darum und nichts anderes.
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