Sportverbände müssen um Glaubwürdigkeit kämpfen

Die internationalen Sportverbände müssten transparenter, demokratischer und professioneller werden, fordert die Nichtregierungsorganisation Transparency International in ihrem «Global Corruption-Report: Sport». So könne Korruption aktiv bekämpft und das Vertrauen in den Sport zurückgebracht werden.

Fifa-Fahne

Bildlegende: Korruptionsvorwürfe haben internationale Sportverbände wie die Fifa in Verruf gebracht. Keystone/Archiv

Der 400-seitige Bericht von Transparency International zeigt, wie korruptionsanfällig der Sport auf allen Ebenen geworden ist; und wie anfällig dafür, von verbrecherischen Personen und Organisationen ausgenutzt zu werden. Erwähnt werden viele Fälle aus dem Fussball, weil er die weltgrösste und lukrativste Sportart ist. Aber auch in der Leichtathletik, den amerikanischen College-Sportarten und vielen anderen hat Transparency Beispiele gefunden.

Die im Bericht beschriebenen Vorfälle sind grösstenteils bekannt. Hier werden sie aber in rund 60 Beiträgen von UNO-Mitarbeitern, Professorinnen, Anwälten, Mitarbeiterinnen von Nichtregierungsorganisationen, Journalisten oder Sportlern noch einmal gezielt analysiert.

Es wird beispielsweise detailliert beschrieben, wie Fifa-Funktionäre im Vorfeld von Exekutivwahlen mutmasslich illegale Zahlungen erhalten haben. Transparency erinnert an die undurchsichtigen Vergaben von Weltmeisterschaften, oder an die Profiteure in der dubiosen Vermarktung von Fernsehrechten. Autoren erklären, wie Cricket- oder Fussballspiele manipuliert wurden. Es wird aufgezeigt, dass nicht nur afrikanische Fussballtalente auf unmenschliche Weise nach Europa geschleust und oft dort ausgesetzt wurden, wenn sie keinen lukrativen Vertrag an Land ziehen konnten.

Beschrieben werden ähnliche Fälle von Menschenhandel im Umfeld der amerikanischen Basketball-Profiliga NBA. Ebenfalls wird noch einmal aufgezeigt, wie über Drittrechte an Fussballspielern Gelder auf dubiose Weise versteckt und verschoben wurden, bevor diese Praxis unterbunden wurde.

Exemplarisches Beispiel Ungarn

Auch die Verstrickung von Regierungen wird exemplarisch am Fall von Ungarn gezeigt. Dort liess die Regierung mit Steuergeldern in der Provinz luxuriöse Stadien bauen, obwohl die Spiele in der Vergangenheit kaum besucht worden waren. Die Aufträge dafür sollen nach dubiosen Kriterien vergeben worden sein.

Selbst wenn in einzelnen Bereichen Fortschritte erzielt worden sind oder im Moment das öffentliche Interesse vor allem bei der Fifa und dem Leichtathletikverband IAAF gross ist, die NGO mahnt, dass gewisse potenziell gefährliche Tendenzen sich derzeit erst entwickeln. Ein Autor sorgt sich darum, dass bereits 34 britische Fussball-Clubs intransparenten Offshore-Firmen gehören, die ihren Sitz auf den Cayman Islands haben.

Mit der umfangreichen Aufstellung will Transparency untermauern, dass die Sportverbände dringend mehr tun müssen, um das Vertrauen der Öffentlichkeit zurückzugewinnen. Die Organisation hat dazu rund 40 Forderungen aufgestellt.

Zum Beispiel sollten gemäss Transparency die Rechnungsbücher der Verbände offengelegt werden, selbst wenn sie als Verein nicht dazu verpflichtet seien. Ebenfalls sollten sie Löhne und Entschädigungen von Funktionären veröffentlichen. Es sei nicht einsichtig, dass der Lohn des US-Präsidenten oder des Nestlé-Chefs bekannt sei, jener des Fifa-Präsidenten aber nicht.

Exekutivämter: Keine geheimen Wahlen mehr

Transparency fordert weiter, dass es keine geheimen Wahlen für Exekutivämter mehr geben dürfe. Ausserdem müssten die Komitees für sportunabhängige sowie managementerfahrene Kandidaten geöffnet werden. Eine Reihe Forderungen richten sich auch an Regierungen. In vielen Ländern, wo das heute nicht der Fall sei, müssten die Sportverbände unabhängiger von der Politik werden. Dafür sollte die Politik die Vorgänge in den Verbänden kontrollieren. Ausserdem müssten viele Länder noch mehr tun gegen Korruption und Geldwäscherei – nicht nur im Sport.

Zuletzt wendet sich die NGO auch an Sponsoren. Diese müssten genauer überprüfen, wen sie finanziell unterstützten. Investitionen in andere Firmen würden diese sonst auch erst nach einer «due diligence», also einer tiefgehenden Abklärung, tätigen. Das sei auch bei Sportanlässen unerlässlich. Ausserdem sollten sie ein allfälliges Sponsoring an strenge ethische Auflagen knüpfen.