Zum Inhalt springen

International Staatsbegräbnis für Chávez wird zur Mythenbildung genutzt

In Venezuela haben zahlreiche Staats- und Regierungschefs an der Trauerfeier für Hugo Chávez teilgenommen. Der Tote wird einbalsamiert. Das Land arbeitet an der Legendenbildung.

Staatsgäste am Sarg.
Legende: Ahmadinedschad, Castro und weitere: Staatsgäste erweisen dem Toten die letzte Ehre. Keystone

Auch die Staatschefs von Kolumbien, Ecuador, Uruguay, Honduras, Peru und Mexiko waren in die Hauptstadt Caracas gereist.

EU schickt Botschafter

In der Mitte des Raumes stand der mit einer venezolanischen Fahne bedeckte Holzsarg von Chávez, auf den unter tosendem Applaus der Trauergäste ein Schwert gelegt wurde, «das Schwert Simón Bolivars», des lateinamerikanischen Freiheitshelden, verkündete der Sprecher im Fernsehen. «Chávez ist ein Mythos, und Mythen sterben nicht.»

Die EU-Länder waren überwiegend durch ihre Botschafter vertreten, die USA schickten einen Abgeordneten und einen Ex-Parlamentarier. Insgesamt wurden nach Angaben der venezolanischen Behörden 50 Delegationen von Staats- oder Regierungschefs angeführt.

Gläserner Sarg

Der an Krebs gestorbene Staatschef wird einbalsamiert und in einem gläsernen Sarg aufgebahrt. «Das Volk soll ihn wie Ho Tschi Minh, Lenin und Mao Tsetung ewig präsent haben können», sagte Vize-Präsident Nicolás Maduro. Nach der Trauerfeier sollte Maduro offiziell als Interims-Präsident vereidigt werden. Chávez hatte den früheren Busfahrer und Gewerkschafter als seinen Nachfolger auserkoren.

Chávez war am Dienstag an den Folgen eines Krebsleidens gestorben. Nach Angaben der Regierung machten sich zwei Millionen Venezolaner auf den Weg, um ihm die letzte Ehre zu erweisen. Durch eine Glasscheibe im Sarg können seine Anhänger einen letzten Blick auf den «Comandante» werfen. Der glästerne Sarg mit dem Verstorbenen soll im Militärmuseum aufgestellt werden.

12 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von H. Girschweiler, 9500 Wil SG
    @Juha Stump: Ihren 3 ergänz. Kommentaren stimme ich zu. Lesenswert ist von Madriaga (span. Historiker - Manesse Verlag) geschriebene Biographie über S. Bolivar. Er ist wohl in Lateinamerika als wichtiger Befr. anerkannt, Viele Staaten verehren Ihre lokalen Helden (San Martin in Arg., Artigas in Uruguay, O'Higgins in Chile u. Sucre in Ecuador) aber deren Taten nicht gewürdigt. (z.B.San Martin starb in Frankreich im Exil) Alles ist relativ u. auch H. Chavez "Grösse" verblasst mit der Zeit.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Juha Stump, Zürich
      Diese Information über die "Maçoneiros" bekam ich zuerst von einem Lehrer, der mit Religion nichts zu tun hatte. Zudem ging es nicht nur um die Bostoner Teebeutel, wie das immer gelehrt wird, sondern auch um den Sklavenhandel, über dessen Abschaffung in GB bereits heiss diskutiert und der im Jahr 1807 dort und in den Kolonien abgeschafft wurde. G. Washington, T. Jefferson und andere "Befreier" waren Sklavenhalter, das war ein Motiv. Schade, dass Chávez nicht auch davon geredet hat.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Harald Girschweiler, 9500 Wil SG
      @Juha Stump: Chavez konnte davon gar nicht reden, da er bekanntlich sein Studium der Politikwissenschaften abgebrochen hat - Ironie aus....
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Juha Stump, Zürich
    Dritter Teil: Gerade weil Chávez versucht hat, diese seit mehr als 200 Jahren auch in Venezuela bestehende Struktur aufzubrechen, war sein eigener Vergleich mit Bolivar daneben, weil es jenem gerade nicht um die wirkliche Befreiung der Bevölkerung gegangen war. Hätte Chávez nicht allzu stark mit Rundumschlägen nicht nur gegen die USA "gezeuselt" und sich nicht mit Leuten wie F. Castro und Ahmadinedschad befreundet, könnte er zu den ganz Grossen zählen. Die Geschichte wird es zeigen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Juha Stump, Zürich
    Zweiter Teil: Die "Befreiung" des grössten Teils von Amerika - kein Zufall, dass alles fast gleichzeitig geschah - war also nicht nur eine ökonomische und politische, sondern auch eine religiös beeinflusste. Dadurch wurde es G. Washington, T. Jefferson und S. Bolivar und anderen ermöglicht, ganz in die Oberschicht aufzusteigen. In Wirklichkeit war die "Befreiung" nur eine solche von der spanischen und britischen Krone zugunsten der weissen Oberschicht, ansonsten blieb alles gleich.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen