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Staatskrise im Ölstaat Venezuela greift nach dem russischen Strohhalm

Schnelle Hilfe: Das hochverschuldete Venezuela meldet die rasche Einigung mit seinem Gläubiger Russland. Doch dem südamerikanischen Land hilft der Handel nur kurzfristig – Moskau hingegen verspricht sich Vorteile auf lange Sicht.

Legende: Audio Deal mit Russland verschafft Atempause abspielen. Laufzeit 02:59 Minuten.
02:59 min, aus Echo der Zeit vom 16.11.2017.

Die nächsten sechs Jahre braucht Venezuela den Russen praktisch nichts zurückzubezahlen. Die Linksregierung in Caracas präsentiert die Umschuldung mit Moskau daher als Modell für die Verbindlichkeiten mit allen andern Gläubigern. Nur, dort bewegt sich rein gar nichts. Die Staatspleite Venezuelas ist damit längst nicht abgewendet. Denn die drei Milliarden Dollar, für die die Zahlfrist gestreckt worden ist, verkörpern nur zwei Prozent der globalen Schulden Venezuelas.

Die Einvernehmlichkeit zwischen Russland und Venezuela gehorcht geschäftlichen und geopolitischen Prinzipien. Für die klammen Venezolaner sind die Russen immer mal wieder der rettende Strohhalm. Im April und August schoss Russland sieben Milliarden Dollar vor, gegen Verrechnung mit künftigen Öllieferungen. Insgesamt haben Russland und sein Ölmulti Rosneft in Venezuela rund zehn Milliarden Dollar ausstehend.

Bei der Exploration von neuen Ölquellen und ihrer Erschliessung im Orinoco-Gürtel Venezuelas gibt es umfangreiche Joint Ventures. Es ist von 20 solcher Kooperationsabkommen die Rede – offenbar zu sehr lukrativen Bedingungen für die russischen Partner. Auf die Partnerschaft ist die venezolanische Führung umso dringender angewiesen, da sie die eigenen Ölförderanlagen regelrecht hat verlottern lassen.

Heute produziert Venezuela weniger als zwei Millionen Fass pro Tag. Präsident Nicolas Maduros Amtsvorgänger Hugo Chavez hatte vor einem Jahrzehnt noch grossspurig verkündet, sein Land werde bis 2020 eine Tagesproduktion von vier Millionen Fass erreichen.

Russlands geostrategisches Interesse

Russland ist auch jener Staat, der die venezolanische Armee hochgerüstet hat, mit Panzern, Flugzeugen und Luftabwehr-Systemen. Fachleute erkennen im russischen Engagement in Venezuela durchaus strategische Züge. Einerseits erhalten die Russen verstärkten Zugang zu den grössten Ölreserven der Welt – dreihundert Milliarden Fass schlummern in Venezuela – andererseits gewinnt Russland in Lateinamerika an Einfluss.

Die Russen setzen sich in Venezuela in einem Land fest, dass nach Definition der Vereinigten Staaten zum ihrem eigenen Einflussgebiet gehört. Damit erinnert die russisch-venezolanische Partnerschaft ein wenig an die Zeiten vor dem Zerfall der Sowjetunion. Damals stützte Moskau in Kuba das Castro-Regime wirtschaftlich. Und provozierte die USA, indem es sich in deren Hinterhof festkrallte.

Ulrich Achermann

Porträt von Ulrich Achermann
Legende: srf

Ulrich Achermann ist seit 2003 SRF-Korrespondent und berichtet über alle Länder Südamerikas. Er lebt in Santiago de Chile.

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6 Kommentare

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  • Kommentar von Luzius Brotbeck (LuziBrot)
    Selbst wenn Russland hilft wird es noch dafür kritisiert, für vermeintlich wirtschaftliche und geopolitische eigene Interessen, als ob es dem vermeintlich uneigennützigen Westen, namentlich den USA, nie um wirtschaftliche oder geopolitische Eigeninteressen ginge. Aber man sieht halt den Balkan im eigenen Auge so schlecht. Russland kann machen was es will, es macht aus Perspektive der westlichen Massenmedien wohl nie das richtige.
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  • Kommentar von Philipp Etter (Philipp Etter)
    Mich nähme mal wunder, welche Länder aus Sicht der USA explizit nicht zu ihrem "Hinterhof" gezählt werden und auch keine "Anstrengugngen" unternommen werden, sie freiwillig oder zwangsweise der Hinterhofgemeinde einzugliedern!!!
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  • Kommentar von Stanic Drago (Putinversteher)
    Ich befürchte, dass Russland sein Geld nicht sehen wird. Es ist Edelhaft gewesen Rückzahlung zu verschieben, aber wenn Pro US Oposition an Macht kommt werden Schulden einfach nicht anerkannt wie in Fall von Ukraine und jetzt Kroatien (Agrokor). Das westliche Gerichte wie Politiker in ihre Kurzsichtigkeit Venezuela dann recht geben, wird sich paar Jahre später ein Bumerang auf Ihre Kopf fallen genau wie Kosowa Effekt. Und dann wird Welt ein wenig schlimmer werden.
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