Zum Inhalt springen
Inhalt

Nach Giftgas-Angriff in Syrien Stadt Chan Scheichun erneut aus Luft angegriffen

Der Angriff folgt nur einen Tag nach dem US-Angriff auf einen syrischen Luftwaffenstützpunkt. Die aktuellen Ereignisse im Überblick.

Legende: Video Wie weiter in Syrien nach den US-Luftschlägen? abspielen. Laufzeit 03:49 Minuten.
Aus Tagesschau vom 08.04.2017.
Legende: Video Trumps Möglichkeiten und Risiken in Syrien abspielen. Laufzeit 04:20 Minuten.
Aus Tagesschau vom 07.04.2017.

Die Ereignisse: Offenbar gab es einen erneuten Luftangriff auf das nordsyrische Chan Scheichun. Laut Aktivisten wurde dabei eine Frau getötet und eine weitere Person verletzt. Dies berichtete die der Opposition nahestehende Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte.

Von wem die Kampfflugzeuge stammen, ist demnach unklar. Am Dienstag waren nach einem syrischen Luftangriff auf Chan Scheichun mehr als 80 Menschen offensichtlich durch toxische Kampfstoffe getötet worden. Die syrische Regierung bestreitet, diese eingesetzt zu haben.

Als Reaktion hatten die USA am Freitagmorgen 59 Marschflugkörper auf den Flugplatz abgefeuert, von dem der Angriff ausgegangen sein soll. Es war der erste direkte US-Angriff auf die syrische Armee. Beim Angriff kamen laut offiziellen Angaben sieben Menschen ums Leben. Der Flughafen wurde zwar zerstört, die Startbahn blieb jedoch intakt. Kurz nach der Bombardierung des syrischen Luftwaffenstützpunktes, starteten laut Aktivisten aber erneut syrische Kampfjets von dieser Basis zu Einsätzen. Zwei syrische Kampfflugzeuge hätten Ziele nahe Palmyra angeflogen.

Reaktion der Weltgemeinschaft: Auch die dritte Sondersitzung des UNO-Sicherheitsrats zum Syrien-Konflikt in Folge ist am Freitag ohne Ergebnis zu Ende gegangen. Die Mitglieder des Rates attackierten sich bei dem Treffen in New York teils scharf. Zu einer Abstimmung über einen von den USA, von Frankreich und Grossbritannien eingebrachten Resolutionsentwurf kam es aber erneut nicht. Auch zwei russische Gegenentwürfe wurden nicht berücksichtigt.

Legende: Video Trumps Kehrtwende in Syrien abspielen. Laufzeit 04:43 Minuten.
Aus Tagesschau vom 07.04.2017.

Die Haltung der USA: Die USA haben mit weiteren Angriffen gegen die Streitkräfte des syrischen Machthabers Baschar al-Assad gedroht. «Wir sind darauf vorbereitet, noch mehr zu tun, hoffen aber, dass es nicht notwendig sein wird», sagte die US-Botschafterin bei der UNO, Nikki Haley. Der Luftangriff sei ein «massvoller Schritt» und «komplett gerechtfertigt» gewesen. «Es war Zeit ‹genug› zu sagen und das nicht nur zu sagen, sondern auch zu handeln.» Syriens Präsident dürfe nie wieder chemische Waffen einsetzen.

Trumps Erklärung: Der US-Präsident beschuldigt die Regierung des syrischen Machthabers Baschar al-Assad, hinter dem mutmasslichen Nervengas-Einsatz gegen die eigene Bevölkerung zu stehen. Damit habe Syrien seine internationalen Verpflichtungen sowie UNO-Resolutionen verletzt. Der US-Luftschlag sei deshalb ein Akt der Verteidigung nationaler Sicherheitsinteressen. Das Blutvergiessen in Syrien müsse beendet werden.

Moskaus Reaktion: Präsident Wladimir Putin «hält die amerikanischen Angriffe für eine Aggression gegen einen souveränen Staat, gegen das Völkerrecht, dazu noch mit einem erdachten Vorwand», sagte ein Kreml-Sprecher. Die syrische Armee habe keine Chemiewaffen mehr, das habe nach der Entwaffnung auch die zuständige UNO-Organisation bestätigt. Das Vorgehen der USA füge dem Verhältnis zwischen den beiden Grossmächten schweren Schaden zu und spiele den islamistischen Kräften in Syrien in die Hände. Inzwischen hat Moskau die Vereinbarung mit dem US-Militär zur Vermeidung von Zwischenfällen in Syrien ausgesetzt.

Die Haltung der Nato: Ob die Nato auf die jüngsten Entwicklungen in irgendeiner Form reagieren wird, ist ungewiss. Ein Sondertreffen ist derzeit nicht geplant. Luxemburgs Aussenminister Jean Asselborn warnte jedoch bereits: «Die Nato darf nach dem US-Luftangriff auf keinen Fall in den Syrien-Konflikt hineingezogen werden. Das wäre verheerend.» Eine solche Entwicklung sei jedoch derzeit nicht zu erwarten. Voraussetzung für eine Beteiligung der Nato wäre ohnehin die Zustimmung von allen 28 Mitglieds-Staaten – und diese konnten sich bislang nicht einmal auf eine direkte Beteiligung am Kampf gegen den IS verständigen. Wie das Nato-Bündnis zum Alleingang der USA steht, ist unklar. Offene Kritik an Bündnispartnern ist innerhalb der Nato ein Tabu.

Karte von Syrien.
Legende: Trotz des US-Angriffs starteten wenige Stunden später syrische Jets vom bombardierten Stützpunkt. SRF

Angriff auf Heneyda bei Raka

Bei einem Luftangriff auf Heneyda wurden mindestens 15 Zivilisten getötet, darunter vier Kinder. Das teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Rund 17 Menschen wurden verletzt. Laut Aktivisten war die US-geführte Koalition für den Angriff verantwortlich. Der Ort Heneyda wird vom IS kontrolliert und liegt in der Nähe von Raka.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

9 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Philipp Etter (Philipp Etter)
    Hier steht, dass der Beschuss des Flughafens der erste US-Angriff auf die syrische Armee war. Das ist schlicht nicht wahr, vor ein paar Monaten wurden etwa 80 syrische Armeeangehörige getötet durch einen Luftangriff, welcher sicherlich kein "Versehen" war, wie damals behauptet. Im Weiteren ist es sinnvoll, wenn das syrische Militär all die Terroristen weiter bekämpft von wo auch immer es möglich und günstig ist. Wer kann, flieht in die von der Regierung kontrollierten Gebiete, nicht umgekehrt.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Cherubina Müller (Fabrikarbeiterin)
    In der Nähe von Palmyra wird der Al-Qaida Zweig IS und in der Stadt Khan Shaykhun der Al-Qaida Zweig Tahrir al-Sham angegriffen welcher von der USA ebenfalls mit einem Luftangriff gegen eine Moschee, mit über 40 toten Zivilisten als Folge, bekämpft wurde. Bei einem US-Luftangriff in Hanedah (Provinz Raqqa) wurden 20 Zivilisten getötet, darunter mehrere Kinder.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Klaus Waldeck (kdwbz)
    Ich denke die syrische Regierung wird wohl alles versuchen um die von den Rebellen und dem IS besetzten Gebiete auf ihrem Staatsgebiet wieder unter ihre Kontrolle zu bringen ... dazu sind wahrscheinlich auch Luftangriffe erforderlich. In diesem Sinne wird Damaskus, mit Hilfe der Russen, auch alle externen Angriffe auf syrisches Territorium, sei es von den USA , der Türkei und auch von Israel (wie heute gemeldet) abwehren. Wenn auch traurig, aber einen Krieg ohne Opfer gibt es nicht.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen