Startänzer gesteht Säureattacke auf russischen Ballettchef

Der Krimi um den Anschlag auf Ballettchef Sergej Filin vom Moskauer Bolschoi Theater ist aufgeklärt. Der prominente Tänzer Pawel Dmitritschenko hat gestanden, Drahtzieher der Säureattacke gewesen zu sein. Beim Motiv spielt Dmitritschenkos Freundin angeblich die Hauptrolle.

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Spektakulärer Säureangriff aufgeklärt

0:43 min, aus Tagesschau am Mittag vom 6.3.2013

Der Ballettchef des renommierten russischen Bolschoi Theaters, Sergej Filin, wurde am 17. Januar Opfer einer Säureattacke. Die Täter sind gefunden. Einer von ihnen stammt aus dem direkten künstlerischen Umfeld Filins: Es ist der Startänzer Pawel Dmitritschenko.

Pawel Dmitritschenko im Profil- und Porträtbild

Bildlegende: Pawel Dmitritschenkos Freundin hatte von Filin eine Rollenabsage bekommen. Das soll das Anschlagsmotiv gewesen sein. Keystone

«Ja, ich habe den Auftrag für den Angriff gegeben, aber nicht in der Art, wie es geschah», sagte der 29jährige in einer Vernehmung, die das russische Staatsfernsehen am Mittwoch ausstrahlte. Auch der mutmassliche Täter sowie ein Helfer hätten Geständnisse unterzeichnet, teilte die Polizei mit.
 
Dmitritschenko, der zuletzt die Titelrolle in «Iwan der Schreckliche» tanzte, habe aus «persönlicher Feindschaft» zu Filin gehandelt, hiess es.

Russische Medien berichteten, der mächtige Ballettchef habe dessen Lebensgefährtin Angelina Woronzowa die Traumrolle der Odette in «Schwanensee» verwehrt.
 
Filin wird derzeit wegen schwerer Verätzungen behandelt. Nach mehreren Operationen in der Aachener Augenklinik könne er wieder einigermassen gut sehen, berichtete die Regierungszeitung «Rossijskaja Gaseta». Das Bolschoi hofft, dass er im Sommer wieder in Moskau arbeiten kann.

Angriff mit Schwefelsäure

 
Der 42jährige sei über die Festnahmen und die Geständnisse informiert, sagte Bolschoi-Sprecherin Katerina Nowikowa der Agentur Interfax: «Seine Reaktion ist mir nicht bekannt.»

Tänzer Pavel Dmitrischenko als «Ivan der Schreckliche» in einem schwarzen Gewand mit Kreuz um den Hals

Bildlegende: Pavel Dmitritschenko als «Iwan der Schreckliche» – der Tänzer hat den Anschlag auf Ballett-Chef Filin gestanden. Keystone/Archiv

Filin hatte gleich nach dem Anschlag am 17. Januar, bei dem ihm der Angreifer mit Schwefelsäure Augen und Kopf verätzt hatte, den Täter in seinem beruflichen Umfeld vermutet.

Das Bolschoi will nun rasch entscheiden, wer statt Dmitritschenko am 16. März in «Dornröschen» den Blauen Vogel tanzt. Auftraggeber und Täter drohten je zwölf Jahre Haft wegen schwerer Körperverletzung, meldete die Agentur Interfax.
 

Extrem harter Konkurrenzkampf

Sie waren wie auch der mutmassliche Helfer am Dienstag festgenommen worden. Der dritte Mann gab zu, den Angreifer zu Filins Haus in Moskau gefahren zu haben. Den Grund habe er aber nicht gekannt, behauptete er. Ein Gericht soll am Donnerstag über das weitere Vorgehen der Justiz gegenüber den drei Männern entscheiden.
 

Ballettchef Sergej Filin mit vernarbtem Gesicht, Sonnenbrille und Mütze

Bildlegende: Ballettchef Sergej Filin lässt sich in Deutschland behandeln. Keystone/Archiv

Die Bolschoi-Balletttruppe ist mit etwa 220 Tänzern die grösste der Welt. Sie gilt als Wiege klassischer russischer Ballettkunst mit makellosem Spitzentanz, streng synchronen Bewegungen und einzigartiger Körperbeherrschung. Der hausinterne Konkurrenzkampf am Bolschoi ist extrem hart.