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Legende: Audio «Jeder Euthanasiefall wird genau unter die Lupe genommen» abspielen. Laufzeit 03:25 Minuten.
Aus Info 3 vom 11.09.2019.
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Sterbehilfe in Niederlanden Patientin wehrte sich gegen Spritze: Ärztin freigesprochen

  • In Den Haag ist das Urteil gegen eine Pflegeärztin verkündet worden, die einer 74-jährigen dementen Patientin geholfen hatte zu sterben.
  • Die Ärztin habe sorgfältig nach den gesetzlichen Regeln gehandelt, urteilte das Gericht und sprach sie vom Vorwurf der illegalen Sterbehilfe frei.
  • Es war der erste Strafprozess zur aktiven Sterbehilfe seit der Legalisierung in den Niederlanden 2002.

Im April 2016 hatte die Ärztin einer Patientin mit schwerer Demenz ohne deren Wissen zunächst ein Schlafmittel in den Kaffee gegeben. Als die Ärztin dann die tödliche Injektion vornehmen wollte, wurde die demente Frau plötzlich wach und wehrte sich gegen die Spritze. Die Ärztin hatte die Abwehrhaltung jedoch ignoriert – kurze Zeit später war die Alzheimerpatientin tot.

Vorwurf der vorsätzlichen Tötung

Nachdem die Frau die Diagnose Alzheimer erhalten hatte, hat sie schriftlich verfügt, dass sie Sterbehilfe wünsche, sobald sie in ein Pflegeheim müsse. Die Familie hatte den Todeswunsch der Frau unterstützt. Die angeklagte Ärztin hatte denn auch nach Absprache mit der Familie entschieden, die Sterbehilfe durchzuführen, als die Frau sieben Wochen im Pflegeheim war. Wie gesetzlich vorgeschrieben, war ein weiterer Mediziner beteiligt. Auch dieser hatte die Bedingungen für die legale Sterbehilfe erfüllt.

Die Staatsanwaltschaft hatte einen Schuldspruch gefordert, allerdings ohne weitere Strafe. Die Ärztin hätte zunächst ein Gespräch mit der Patientin führen müssen, argumentierte die Staatsanwaltschaft. Das aber liess das Gericht nicht gelten. Das Urteil wird als wichtiges Signal gewertet für die Fälle, dass Patienten ihren Sterbewunsch nicht mehr äussern können.

Niederlande Pionier bei der Sterbehilfe

Die Niederlande hatte 2002 als erstes Land der Welt die aktive Sterbehilfe unter strengen Bedingungen ermöglicht. Seither haben rund 60'000 Personen Sterbehilfe beansprucht. Mittlerweile wird bei knapp fünf Prozent der Sterbefälle in den Niederlanden Sterbehilfe angewandt.

Voraussetzung ist, dass ein Patient unerträglich und aussichtslos leidet. Er muss selbst ausdrücklich um Sterbehilfe gebeten haben und ein zweiter Arzt muss konsultiert werden.

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24 Kommentare

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  • Kommentar von M. Keller  (mkel)
    Ich denke, viele Kommentatoren hier sehen das ganze zu dramatisch. Es ist die Rede von einer Abwehrhaltung. Das kann auch ein Wegziehen des Armes oder eine verbale Äusserung (nicht zwingend verständlich) sein. Vergessen sie nicht, die Frau war schwer dement und stand unter Einfluss von Schlafmitteln. Es hat aber mit Sicherheit kein dramatisches Gerangel stattgefunden, ansonsten hätte das Gericht niemals so entscheiden können.
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  • Kommentar von Samira Amgarten  (S Amgarten)
    Wenn meine Demente Mutter Entscheidungen jederzeit revidieren könnte, dann würde sie jede 2. Woche die Spitex Pflege und den Mahlzeitendienst kündigen und würde ihre Notdurft mitten in der Wohnung verrichten und nie mehr Duschen. Ausserdem hätte sie ein neues Elektropiano für 10000 Franken und die Steuern für letztes Jahr in Bar auf die Gemeindeverwaltung gebracht. Nein, nein, da sollte man schon etwas besser auf ihre aktuellen Wünsche eingehen...
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  • Kommentar von Verena Eberhard  (Verena Eberhard)
    Da ich sowieso gegen Sterbehilfe bin, finde ich das Vorgehen dieser Ärztin sehr fragwürdig. Zudem wird sie noch frei gesprochen. Entsetzlich wie tief die Menschheit gesunken ist. Das macht mir Angst zu altern.
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