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International Stille auf dem Place de la République – in der Politik rumort es

Nach dem Massaker auf «Charlie Hebdo» versammelten sich Zehntausende auf dem symbolträchtigen Platz. Sie standen zusammen für die Werte der Republik ein. Und dafür, dass Islam mit Terror nichts zu tun hat. Nun dringt ein aggressiverer Ton in die Debatte.

Eine Frau legt Blumen nieder.
Legende: Solidarisierung ja, doch die Trauer ist untermischt mit Angst und Konsternation. In der Politik gärt es derweil. SRF/Ruedi Mäder

Es herrscht ehrfürchtige Stille auf dem Platz, die Versammelten sind erschüttert, viele sprachlos, einige kämpfen gegen die Tränen. Eine junge Frau kniet am Boden, hält ihre Hand schützend über die kleinen Kerzen, die der auffrischende Wind auszublasen droht. Überall sind Blumen, Fotografien von Opfern. Familien und Freunde von Verstorbenen haben Worte des Trosts auf improvisierte Plakate geschrieben.

Eine Gruppe junger Muslime mit tunesischen Wurzeln steht etwas abseits. Einer von ihnen erzählt mit betroffenem Blick, er wohne gleich um die Ecke, nicht weit von dort, wo am Freitagabend die Schüsse fielen.

Es geht doch nicht um Religion, in Tat und Wahrheit sind das doch Faschisten.
Autor: Junge Muslime in Paris

Es hätte mich treffen können, es hätte Sie treffen können, es hätte den Monsieur treffen können, der gerade zu uns gestossen ist. Das mache ihn so wütend. Er habe Blut und Leichenteile gesehen. Die Terroristen seien Kriminelle. Ihre Tat habe nichts mit Islam zu tun.

Sein Kollege pflichtet bei: «Was die Leute nicht verstehen, ist dass wir Muslime erst recht Opfer der Terroristen sind, noch mehr als alle andern. Wir leiden, und am Schluss werden wir auch noch an den Pranger gestellt.» Die Sache ist für die jungen Franzosen klar: «Es geht doch nicht um Religion, in Tat und Wahrheit sind das doch Faschisten.»

Kippt die Stimmung in der Politik?

Die Stimmung hat sich seit Januar verändert. Zwar distanzierten sich die Muslimorganisationen umgehend von den Anschlägen, 15 Imame bekundeten heute vor der Konzerthalle Bataclan ihre Solidarität mit den Opfern. Doch kaum jemand nimmt öffentlich die grosse Mehrheit der Muslime in Schutz.

Nach den Anschlägen von «Charlie Hebdo» hatte Präsident Hollande sehr schnell Dalil Boubakeur empfangen, den Rektor der Grossen Moschee von Paris, um ein Zeichen zu setzen. Diesmal trifft Hollande nur Politiker, Politiker wie Oppositionsführer Nicolas Sarkozy.

Dieser, Sarkozy, forderte heute nach einem Treffen mit dem Präsidenten eine neue europäische Migrationspolitik. Und der rechtsextreme Front National verlangt, Hassprediger und illegale Einwanderer müssten des Landes verwiesen werden. Marine Le Pen nennt dabei Fanatiker und Extremisten in einem Atemzug mit Schutzsuchenden, die vor Krieg und Elend fliehen.

Und der rechtsextreme Front National verlangt, Hassprediger und illegale Einwanderer müssten des Landes verwiesen werden. Marine Le Pen nennt dabei Fanatiker und Extremisten in einem Atemzug mit Schutzsuchenden, die vor Krieg und Elend fliehen.

Doch populistische Vereinfachungen fallen im gegenwärtigen Klima der Verunsicherung auf einen fruchtbaren Boden. Die Tunesier auf der Place de la République sind überzeugt, dass die Anschläge den Front National stärken werden.

16 Kommentare

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  • Kommentar von Jürg Sand (Jürg Sand)
    Der Islam passt zu Europa wie der Papst nach Mekka. Die Begründungen sind dermassen vielfältig, dass es nicht nur den 500-Buchstabenrahmen sprengt, sie füllten Bibliotheken. Es braucht aber kein Geschicht-, Philosophie- und Religionsstudium um zu erkennen, dass Millionen mittelloser, tief in einer archaistischen Religion (Denkweise) verwurzelter Migranten nicht in ein hochtechnologisiertes Europa mit seiner laizistischen Staatsauffassung und libertärer Lebensweise passen.
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    1. Antwort von Albert Planta (Plal)
      Umso mehr Mohamedaner in Europa - umso mehr gehört diese Religion auch zu Europa. Oder wollen sie die Religionsfreiheit in Frage stellen?
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    2. Antwort von Jürg Sand (Jürg Sand)
      Sie sagen es, das ist es was wir nicht wollen! Wir wollen nicht die Religionsfreiheit abschaffen aber die Zuwanderung nach unseren Bedürfnissen und zu unserem Nutzen und künftigen Wohl steuern. Wir wollen kein islamisches Europa, wir wollen keine Islamische Massenmigration, wir wollen ein Europa mit seinen angestammten Kulturen und diesen Reichtum pflegen. Wir wollen Wohlstand und Frieden, nicht Probleme und Rückschritt!
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    3. Antwort von m. mitulla (m.mitulla)
      @A.Planta. Die Auseinandersetzungen zwischen Islam und Christentum sind nicht in erster Linie religiöser, sondern politischer Natur. Im Islam sind Politik (Gesetzestexte: Familienrecht, Strafrecht, Erbrecht, Sachenrecht, Paralleljustizforderung) und Religion nicht getrennt. Das wird immer wieder zu hässlichen Streitigkeiten führen - und hat nur vordergründig mit Religion zu tun. "Islamophobie" wird oft verwechselt mit politischer - und Religionsfreiheit ALLER MENSCHEN, auch der Muslime.
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  • Kommentar von Werner Christmann (chrischi1)
    Wer immer noch das Hohelied von Toleranz + Frieden predigt stiehlt sich aus der Verantwortung, denn Europa wird angegriffen. Die Grenzen sind jetzt zu sichern. Menschen, die in unserer Mitte leben wollen, müssen sich zu unseren Regeln + Werten bekennen, ohne Wenn und Aber.
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  • Kommentar von Franz NANNI (Aetti)
    Es besteht jetzt natuerlich die Gefahr, dass alle ueber einen Leist geschlagen werden... und DAS waere total falsch. nur.. die Spreu vom Weizen zu trennen ist in diesem Fall besonders schwierig...
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    1. Antwort von Jürg Sand (Jürg Sand)
      Ich sehe viel eher die Gefahr, dass dieses tägliche Zehntausend an muslimischen, mittellosen Migranten unsere Sozialwerke zerstört, unsere Kultur bedroht, die Gewalt mit sich führt, uns in Problem verwickelt die unsere globale Wettbewerbsfähigkeit in Frage stellt und ein unruhiges Unterproletariat bilden wird mit dem wir nicht mehr zu Rande kommen. Wir schafften es ja nicht einmal mit den seit Jahrzehnten ansässige Muslimen (Parallelgesellschaften, Banlieue etc., etc.)
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