Streik ohne Ende bei Radio France

Seit 26 Tagen sind die Redaktoren und die Techniker des Staatssenders Radio France im permanenten Teilstreik. Ob eine Mediation am Wochenende etwas gebracht hat, ist noch offen. Je länger der Konflikt dauert, desto unklarer wird, um was es eigentlich geht.

Menschen Sitzen in einer Art Aula, im Vordergrund ein Plakat mit der Aufschrift «Radio France en colère».

Bildlegende: Die Angestellten von Radio France versammeln sich zu einer Info-Veranstaltung. Reuters

Schon wochenlang hört das Publikum von France Info, dem 24-Stunden-Nachrichtenprogramm von Radio France, ungewohnte Melodien: Seit dem 19 März improvisieren die Journalisten jeden Tag. Einziger sicherer Programmpunkt sind die halbstündlichen Nachrichten. Dazwischen geht auf Sendung, wer kann. Wenn nichts geht, wird Musik gespielt.

Rücktritt des Direktors gefordert

Welche Sendung jeweils ausgestrahlt wird, ist auf allen sieben Sendern von Radio France bis kurz vor Sendebeginn unklar. Die Streikenden folgen einem Rotationsprinzip, Techniker und Redaktionsmitglieder wechseln sich ab.

Ein grosses, weisses, halbrundes Gebäude mit vielen Fenstern.

Bildlegende: Das sanierungsbedürftige Gebäude von Radio France in Paris. Keystone

Die einzige Gemeinsamkeit in diesem Durcheinander ist die Forderung, die Direktion des Hauses müsse abtreten. Sie steht seit Monaten am Pranger, weil sie sparen muss. Denn Radio France schreibt rote Zahlen. Daran Schuld ist zum einen der Umbau des Maison de la Radio im Zentrum von Paris. Zusatzkosten von mehreren Hundert Millionen Euro fallen an, am Schluss wird es wohl dreimal so teuer wie eigentlich budgetiert.

Es gibt viele Baustellen

Es gibt aber noch andere Baustellen im Haus. Bis 2017 muss das Budget von Radio France wieder ausgeglichen sein, so die Auflage der Regierung. Alle Vorschläge des neuen und jungen Direktors Mathieu Gallet, wie das gelingen soll, wurden bisher von der Belegschaft aber zurückgewiesen. Deren Motivation ist unterschiedlich.

Die Musiker der beiden Orchester wehren sich dagegen, dass ihre Ensembles zusammengelegt werden. Die Journalisten von France Bleu wollen nichts davon wissen, dass die Sendezeit ihrer Regionalprogramme am Nachmittag gekürzt wird. Die Anhänger der Lang- und Kurzwellen-Sender wehren sich gegen die Abschaltung dieser teuren und technisch eigentlich überholten Übertragungs-Technologien.

Eine Lösung ist nicht in Sicht

Die Situation ist so verfahren, dass die Regierung einen Mediator einsetzte. Er versuchte seit Freitag einen Kompromiss zu finden. Kaum verliess er das Haus, bezeichneten die Gewerkschaften den Vorschlag als Makulatur, weil er keine Job-Garantien enthält. Wie das öffentlich-rechtliche Radio wieder zu einem normalen Sendebetrieb zurückfindet, ist weiterhin völlig offen.

Das Publikum gewöhnt sich einstweilen an die einzige Konstante aus dem Maison de la Radio. Es ist die Meldung: «Wir können unser gewohntes Programm bis auf weiteres nicht ausstrahlen. Wir bitten um Entschuldigung.» Dazwischen folgt das nächste Stück Musik. Inzwischen ist die Liste mit den gespielten Titeln die meistgeklickte Rubrik auf der Internet-Seite von Radio France.