Zum Inhalt springen
Inhalt

Streit bei den Genossen Das grösste Problem der SPD ist die SPD

Nach dem miserablen Wahlergebnis gehen in der SPD die Streitereien los. Eine Analyse.

Peter Voegeli
Legende: Peter Voegeli ist Deutschland-Korrespondent von Radio SRF. SRF

Positiv gesagt: Deutschland ist ein sehr diskussionsfreudiges Land. Negativ gesagt: In diesen Tagen gibt es so viele Analysen und Ratschläge wie gedruckte Buchstaben und gesprochene Silben in den Medien. Vor allem an die Adresse der Wahlverliererin SPD.

Nun hat sich aber auch der frühere SPD-Chef Franz Müntefering geäussert, ein Mann, dessen Wort Gewicht hat. Legendär sein Satz «Opposition ist Mist» und nur Papst sein sei schöner als SPD-Parteivorsitzender. Müntefering äusserte Skepsis darüber, dass die frühere Arbeitsministerin Andrea Nahles die Fraktion führen soll und Martin Schulz Parteivorsitzender bleiben will. «Zwei Oppositionszentralen funktionieren nur bedingt», sagt er.

Kanzlerin oder Hausfrau

Müntefering spricht aus Erfahrung. 2004 gab Bundeskanzler Gerhard Schröder den Parteivorsitz an Franz Müntefering ab, ein Jahr später war die SPD nicht mehr im Kanzleramt. Müntefering sah es im Nachhinein als Fehler an, dass sich Schröder ganz aufs Regieren und die hoch umstrittene Agenda 2010 konzentriert hatte und den Kontakt und das Gespräch mit der Partei nicht mehr führte.

Schulz hat im Wahlkampf gezeigt, dass er nicht das Gebiss eines Schröders hat.
Autor: Peter VoegeliDeutschland-Korrespondent Radio SRF

Nun kann man aus der Geschichte lernen, aber die Geschichte wiederholt sich nicht. Schulz könnte der Mann sein, der der SPD ein gewisses Heimatgefühl gibt. Gegenseitiger Respekt war ein Lieblingswort von Schulz im Wahlkampf. Aber Schulz hat im Wahlkampf auch gezeigt, dass er nicht das Gebiss eines Schröders hat, der sich in seinem Willen nach Macht wie ein Kampfhund in seine politischen Gegner verbissen hat.

Die SPD braucht zwei Dinge: Willen zur Macht und Konstanz.
Autor: Peter VoegeliSRF-Deutschland-Korrespondent

Die neue Fraktionsvorsitzende und bisherige Arbeitsministerin Nahles hingegen hat diesen Willen. Sie wolle Kanzlerin oder Hausfrau werden, hatte sie mit 19 in einer Schülerzeitung zu Protokoll gegeben.

Wie lange bleibt Schulz?

Das Duo Schulz-Nahles kann funktionieren. Auch das Duo Schröder-Lafontaine hat für die Dauer des siegreichen Wahlkampfs 1998 funktioniert, obwohl die zwei unterschiedlicher nicht sein konnten. Die SPD braucht zwei Dinge: Willen zur Macht und Konstanz. Der Lieblingskanzler der Sozialdemokraten, Willy Brandt, brauchte drei Anläufe ins Kanzleramt.

Nun sind die Zeiten heute zwar viel schnelllebiger, aber die SPD muss ihre Vorsitzenden nicht schneller wechseln als andere Leute ihr Auto. Doch es könnte gut sein, dass Schulz bei einer Wahlniederlage der SPD in Niedersachsen in zwei Wochen entmachtet wird. Das grösste Problem der SPD ist die SPD selbst. Der Spruch, «wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde» trifft besonders auf die Genossen zu.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

17 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Christian Szabo (C. Szabo)
    Mit Schulz und seinen Unterstützern wird sich die SPD kaum erneuern können. Es gäbe manche Themen, die die SPD auffrischen oder neu besetzen könnte. Nur der Wille fehlte bisher. Vielleicht wieder etwas kleinere Brötchen backen, die auch den Bürgern/Wählern nützen. Die Sorgen der Menschen aufnehmen und praxisnahe Lösungen anbieten, auch für die Zukunft, die sich rasch wandelt. Politik sollte Menschen unterstützen, genau wie gute Technik und nicht behindern.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von E. Waeden (E. W.)
      Aber u. a. auch Mindestlöhne hat die SPD durchgebracht. Nur leider hat sämtliche positiven Errungenschaften dann Merkel für sich & die CDU reklamiert. Und die SPD hatte als Mitregierungspartei auch nur so viel Macht, wie ihr die Kanzlerin zugstanden hatte.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von pedro neumann (al pedro)
    Ich habe mich hier vor den Wahlen mehrmals negativ über Herrn Schulz geäussert. Er hat auch in den Wahlen als Person nicht überzeugt und war Teil des Problems und nicht der Lösung. Mir ist schleierhaft, weshalb die SPD nicht gemerkt hat, dass dieser Mann kein Matchwinner sein wird....
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Daniele Röthenmund (Daniele Röthenmund)
    Nun könnten sie mit einer aktiven Unterstützung der Arbeitnehmer in die Digitale Welt positives bewirken. Statt die Globalisierung nur schlecht zu Reden, könnte man die neuen Chancen aufzeichnen. Nicht über den Bürger sprechen sondern mit Ihm und Ihn nicht als nur als Wahlstimme sehen. Den Entscheid in die Opposition zu gehen ist Verrat am Wähler. Es geht nur um Parteibefindlichkeiten. Wenn sie Behaupten den Wähler verstanden zu haben, dann ist es Ihre Pflicht das in die Regierung einzubringen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von E. Waeden (E. W.)
      Finde es positiv, wenn in die Opposition gehen, denn als Teil der Regierung waren sie ja ziemlich machtlos & dem Goodwill der Kanzlerin ausgeliefert. Und sie ja nicht eine Kanzlerin fürs Volk ist, hatte die SPD natürlich einen schweren Stand.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Paul Soltermann (ps)
      alternativ könnte die SPD es auch machen wie eine grosse CH Partei: Frontal Opposition (SVP gegen den Rest) und gleichzeitig Regierungsbeteiligung ...
      Ablehnen den Kommentar ablehnen