Streit mit Putin - Haftbefehl gegen Michail Chodorkowski

Ein russisches Gericht hat einen Haftbefehl gegen den früheren Oligarchen Michail Chodorkowski erlassen. Nach ihm wird nun international gefahndet. Bis vor kurzem lebte er in der Schweiz, nun in London.

Video «Haftbefehl gegen Chodorkowski» abspielen

Haftbefehl gegen Chodorkowski

0:51 min, aus Tagesschau am Mittag vom 23.12.2015

Russland fahndet nach Michail Chodorkowski. Wie die Nachrichtenagentur Ria Nowosti unter Berufung auf den Sprecher der Ermittlungsbehörde meldet. Es gebe einen internationalen Haftbefehl gegen ihn, womit er zur Fahndung ausgeschrieben ist.

Seit Frühling 2014 wohnte der frühere Oligarch in einer Villa in Rapperswil-Jona. Kürzlich hat er laut der Zeitung «Südostschweiz» seinen Wohnsitz nach London verlegt. Chodorkowskis Frau habe «persönliche Gründe» dafür angegeben.

Michail Chodorkowski

Bildlegende: Wird international gesucht: Michail Chodorkowski Keystone

Büros von Chodorkowskis Stiftung durchsucht

Am Dienstag war bekannt geworden, dass Büros der von Chodorkowski gegründeten Stiftung «Open Russia» in Russland sowie mehrere Wohnungen von Mitarbeitern durchsucht wurden. Die Staatsanwaltschaft begründete die Durchsuchungen nicht mit der politischen Aktivität von «Offenes Russland». Anlass sei vielmehr die Milliardenklage früherer Besitzer des zerschlagenen Ölkonzerns Yukos auf Schadenersatz. Die von Chodorkowski gegründete Stiftung veröffentlicht Berichte über die Lage in Russland und setzt sich für freie Wahlen ein.

Laut SRF-Korrespondent Christof Franzen handelt es sich beim Haftbefehl klar um eine Retourkutsche für die zunehmend politischen Aktivitäten von Chodorkowski. Franzen weist auch darauf hin, dass die russische Justiz völlig unter der Kontrolle des Kremls steht und alles andere als unabhängig ist.

Unregelmässigkeiten bei Privatisierung?

Laut der Nachrichtenagentur Interfax stehen die Durchsuchungen im Zusammenhang mit einen Fall aus dem Jahr 2003, in den Chodorkowski und dessen Partner verwickelt gewesen seien. Dabei gehe es um die Privatisierung des Bergwerks- und Düngemittelunternehmens Apatit, die vom Staat als illegal eingestuft wurde.

Im Chaos schwerreich geworden

Chodorkowski gehörte zu den russischen Oligarchen, die im wirtschaftlichen Chaos nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion riesige Reichtümer angehäuft hatten. Er selbst kontrollierte den Ölkonzern Yukos.

Später überwarf er sich mit Präsident Wladimir Putin und wurde 2003 wegen Steuerhinterziehung verhaftet. Yukos wurde zerschlagen, Chodorkowski kam ins Arbeitslager aus dem er 2013 entlassen wurde. Er bewertete den Prozess als politisch motiviert.