Zum Inhalt springen

Header

Audio
Der Streit um Kaliningrad tobt
Aus SRF 4 News aktuell vom 23.06.2022.
abspielen. Laufzeit 6 Minuten 2 Sekunden.
Inhalt

Streit mit Russland «Für Moskau ist Kaliningrad eine Art unsinkbarer Flugzeugträger»

Russland und das EU-Land Litauen streiten sich wegen Kaliningrad, der russischen Exklave in Europa. Das Gebiet hat das Potenzial, die Gräben zwischen Russland und der EU weiter zu vertiefen. Und ein Ende des Streits sei überhaupt nicht absehbar, sagt Kai-Olaf Lang. Er ist Osteuropa-Experte bei der Berliner Stiftung für Wissenschaft und Politik.

Kai-Olaf Lang

Kai-Olaf Lang

Personen-Box aufklappen Personen-Box zuklappen

Kai-Olaf Lang ist Osteuropa-Experte und arbeitet bei der Stiftung für Wissenschaft und Politik (SWP) in Berlin.

SRF News: Was hat es mit diesem Kaliningrad auf sich?

Kai-Olaf Lang: Seit der Erweiterung von EU und Nato ist das zur Russischen Föderation gehörende Kaliningrad von den westlichen Strukturen umgeben. Früher dachte man, Kaliningrad könnte ein Pilotprojekt der Zusammenarbeit zwischen Russland und der EU werden – das hat sich inzwischen zerschlagen.

Kaliningrad ist eine hochgerüstete Region, die für Russland strategisch sehr wichtig ist.

Gleichzeitig ist Kaliningrad aber auch eine Art unsinkbarer Flugzeugträger Russlands – eine hochgerüstete Region, die eine grosse strategische Wichtigkeit für Russland hat. Im Ernstfall könnte Kaliningrad eine rasche Hilfe über den Landweg für die Nato-Verbündeten Litauen, Lettland und Estland verkomplizieren.

Wieso erhitzt die Anwendung der westlichen Sanktionen jetzt auch auf Kaliningrad die Gemüter derart stark?

Russland geht offensichtlich davon aus, dass Verbindungslinien zwischen Teilen Russlands gekappt werden sollen. Aus Sicht Litauens und der EU geht es darum, das Sanktionsregime gegen Russland durchzusetzen. So argumentiert Litauen denn auch, es handle sich keineswegs um eine Blockade. Die nicht den Sanktionen unterliegenden Güter können weiterhin transportiert werden, ebenso sind Personenreisen nicht eingeschränkt.

Russland empfindet die Anwendungen der Sanktionen auf Kaliningrad als neue Provokation des Westens.

Russland sieht sich im Dauerkonflikt mit dem Westen und empfindet den Fall Kaliningrad als neue Provokation des Westens. Deshalb auch die scharfe Rhetorik aus Moskau. Russland warnt bekanntlich vor «schwerwiegenden Folgen».

Video
Archiv: Streit um Transitbeschränkung für Kaliningrad
Aus Tagesschau vom 21.06.2022.
abspielen. Laufzeit 2 Minuten 10 Sekunden.

Wie geht es jetzt weiter?

Das weiss man natürlich nicht so genau. Ich denke aber nicht, dass Russland versuchen wird, mit dem ganz grossen Knüppel dazwischenzugehen und etwa via Belarus die Suwalki-Lücke militärisch zu erobern.

Heutzutage kann man nichts mehr ausschliessen.

Denn dann würde Moskau in einen bewaffneten Konflikt mit der Nato hineinlaufen – diese hat wiederholt unmissverständlich klargemacht, bei jedwelcher Verletzung von Nato-Territorium entsprechend militärisch zu reagieren. Allerdings kann man heutzutage nichts mehr ausschliessen.

Was ist das wahrscheinlichste Szenario?

Russland wird wohl mit einer Kombination aus scharfer Rhetorik, Heavy-Metal-Diplomatie, etwas Säbelrasseln und Gesten der Stärke reagieren. Weitergehende Schritte wären riskant.

Weitere Sanktionen und Gütergruppen werden dazukommen. Das wird Russland nicht einfach hinnehmen wollen.

Allerdings wird dieser Streit um Kaliningrad nicht kleiner werden. In den nächsten Monaten werden weitere Sanktionen und Gütergruppen dazukommen. Das wird Russland nicht einfach hinnehmen wollen.

Das Gespräch führte Corina Heinzmann.

SRF 4 News, 23.06.2022, 09:50 Uhr;

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen