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Streit um Atomabkommen Iran hofft auf «Europas Widerstand» gegen Trump

Mann liest Zeitung, auf Frontseite Bild von Trump
Legende: Die iranischen Medien berichten kritisch über Trumps Rede. Das Land hofft auf Europa. Keystone

«Der Widerstand der Europäer wird zeigen, ob das Atomabkommen weitergeführt werden kann oder nicht», sagte Aussenminister Mohamed Dschawad Sarif laut iranischen Medienberichten. Der Iran wolle daran festhalten, solange auch die europäischen Verhandlungspartner dies tun, so Sarif weiter.

Sarif bezeichnete die Rede Trumps zudem als Verstoss gegen das Atomabkommen.Teheran werde niemandem erlauben, sich in seine Verteidigungspolitik einzumischen.

Trump hatte am Freitag angekündigt, einen härteren Kurs gegenüber dem Iran zu fahren. Er erkannte ausdrücklich nicht an, dass Teheran das Atomabkommen einhält. Nun muss der US-Kongress innerhalb von 60 Tagen entscheiden, ob die ausgesetzten Sanktionen gegen Teheran wieder in Kraft gesetzt werden sollen.

Ein Test für die Europäer

Die Europäer hätten die Kritik Trumps am Wiener Atomabkommen von 2015 bisher zurückgewiesen, so der iranische Chefdiplomat. Dies sei auch logisch, da sie sowohl geopolitisch als auch wirtschaftlich mehr Interessen im Iran haben als die Amerikaner.

«Das Atomabkommen ist aber auch ein Test für die Europäer, ob sie unabhängig von den USA eine eigenständige Rolle in der politischen Weltszene spielen können oder nicht», sagte Sarif.

Auch Präsident Hassan Ruhani hatte betont, der Iran werde am Deal festhalten, solange dies die anderen Verhandlungspartner auch tun.

Lob für Trump aus Israel

Im Gegenzug hat Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu die härtere US-Gangart gegen den Iran am Sonntag als «wichtige Entscheidung» gelobt.

Trumps Entscheidung schaffe die Gelegenheit, «das Atomabkommen zu verbessern und die wachsende iranische Aggression in unserer Region zu stoppen». Netanjahu lobte auch Trumps Ankündigung von Sanktionen gegen die iranischen Revolutionsgarden, die der israelische Regierungschef als «zentraler Arm des Irans zur Verbreitung von Terror in der Welt» beschrieb.

Das Atomabkommen

Das Atomabkommen wurde vom Iran, den UNO-Vetomächten USA, Russland, China, Frankreich und Grossbritannien sowie Deutschland abgeschlossen. Danach verzichtet der Iran auf die Entwicklung von Nuklearwaffen. Im Gegenzug wurden Sanktionen aufgehoben.

17 Kommentare

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  • Kommentar von Urs Sahli (sahliu)
    Verwandte von uns sind vor kurzem von einer mehrwöchigen Ferienreise aus dem Iran zurückgekommen. Von all dem Schlechten, Bösen etc. haben sie nichts bemerkt. Im Gegenteil; die Leute sind frei und können sich äussern wie ihnen beliebt. Trump hat nun mal von Aussenpolitik null Ahnung. Kommen die Hardliner wieder ans Ruder geht viel verloren und dann beginnen die Probleme mit dem Iran erst recht.
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  • Kommentar von Christian Szabo (C. Szabo)
    Sich auf Europäer zu verlassen, wenn die USA andere Ziele verfolgt, ist unsicher. Da ist das unabhängige China ein weit besserer Garant, da der Iran Teil ihrer Strategien ist. Doch Widerstand Europas darf man erwarten. Schliesslich haben alle sehr viel Energie in das Abkommen investiert und der Iran hat grosse Zugeständnisse gemacht, obwohl er lange Zeit von westlichen Imperialisten sanktioniert und in einen verheerenden Krieg mit dem Irak unter dem "guten" Partner Saddam gedrängt wurde.
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  • Kommentar von Marcel Benjamin (Benny)
    Ja Herr Kirchhoff, seit der islamischen Revolution im Jahre 1979 werden im Iran Menschenrechte missachtet, Minderheiten unterdrückt und Presse- und Redefreiheit gibt es auch nicht mehr. Und sie unterstützen Terrorgruppen wie Hezbollah, Hamas, und noch weitere im Jemen und in Afrika. Zur Al-Qaida hatten sie auch schon Beziehungen. In einem offiziellen Bericht wird der Iran als eines der schlechtesten Wohnorte der Welt bewertet, das ist wohl derer Regierung zu verdanken.
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    1. Antwort von Christian Szabo (C. Szabo)
      Sehr einseitig und tendenziös. Viele Bürger des Irans geniessen Freiheiten, von der die Menschen in Saudi-Arabien nur träumen können. Ausserdem hat der Iran mehr Kultur als manche Länder des Westens. Dass der Übergang zu mehr Offenheit nach der Geschichte des Irans und der Operation AJAX schwierig ist, liegt in der Natur von Revolutionen. Als Beispiel sei nur die Französische Revolution erwähnt, wo manche ihre Köpfe verloren und man oft über das Ziel hinaus schoss.
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