Strengeres Gesetz gegen Vergewaltiger in Indien

Das indische Parlament hat die Verschärfung der Strafen bei Vergewaltigung angenommen. Ob dies allerdings eine Wirkung hat, ist fraglich, wie SRF-Korrespondentin Karin Wenger sagt. Denn für Frauen bleibt es schwierig, eine Vergewaltigung überhaupt anzuzeigen.

Nach dem zwei Fälle von Gruppenvergewaltigungen in Indien weltweit Schlagzeilen gemacht haben, hat das indische Unterhaus ein strengeres Gesetz gegen Vergewaltiger beschlossen.


Strengere Strafen für Vergewaltiger in Indien

4:13 min, aus SRF 4 News aktuell vom 20.03.2013

«Politiker äussern sich im Fernsehen oder im Radio sehr kritisch», sagt Karin Wenger, SRF-Korrespondentin in Indien. An der Debatte über das neue Gesetz haben sie allerdings kaum teilgenommen. Sieben Stunden lang wurde debattiert,  «aber das Unterhaus war fast leer». Die Präsidentin der führenden Kongresspartei, Sonia Gandhi und ihr Sohn, Rahul Gandhi, der Vizepräsident der Partei, und andere wichtige Minister waren nicht anwesend.

Es mangelt in Indien nicht an Gesetzen, sagt Wenger. Sie werden aber nicht umgesetzt oder die Gerichte sind überfordert. Im Falle von Vergewaltigungen wird nur in jedem vierten Fall jemand verurteilt. Die meisten Fälle werden verschleppt.

Strengere Strafen für Polizisten als Vergewaltiger

Auch der Umgang der Polizei mit Frauen spielt eine wichtige Rolle. «Viele Frauen fürchten sich, zur Polizei zu gehen. Oft erleben sie dort nochmals Gewalt», sagt Karin Wenger.

Das neue Gesetz berücksichtigt dies: Wenn es sich bei den Vergewaltigern um Polizisten oder um andere Beamten handelt, werden diese neu mit zwanzig Jahren Haft bestraft. Sie werden härter bestraft als andere Männer. «Doch das Problem für die Frauen wird auch hier sein, einen Polizisten überhaupt vor Gericht zu ziehen», sagt die Korrespondentin.

Nun muss noch das indische Oberhaus über das neue Gesetz entscheiden. Und: Ein strengeres Gesetz allein reiche nicht, sagt Karin Wenger. «Es muss auch ein Umdenken bei der Polizei stattfinden und die Gerichte müssen schlicht effizienter werden.»