Sturm auf Tikrit: Kämpfe beim IS-Hauptquartier

Die Kämpfer des Islamischen Staats (IS) verlieren in der nordirakischen Stadt an Boden. Im Zuge einer mehrtägigen Offensive konnten die irakische Armee und schiitische Kräfte ein Stadtviertel teilweise zurückerobern.

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Tikrit vor dem Fall

1:11 min, aus Tagesschau vom 11.3.2015

Im Kampf gegen die radikal-islamische IS-Miliz im Irak sind irakische Sicherheitskräfte erstmals seit neun Monaten in die Stadt Tikrit eingerückt. Gemeinsam mit verbündeten schiitischen Milizionären hätten sie das grösste Stadtviertel Kadissija erobert, teilte ein ranghoher Armeevertreter mit.

Nach Militärangaben wurde nahe der Präsidentenpaläste heftig gekämpft, die der sunnitischen IS-Miliz als Hauptquartier dienten. Die Zeitung Al-Mada meldete auf ihrer Website, die Truppen seien nach heftigen Gefechten auch von Süden her in die Stadt vorgestossen und hätten auf mehreren Gebäuden die irakische Flagge gehisst.

Heckenschützen stoppen Vormarsch

Die seit neun Tagen laufende Offensive habe sich verlangsamt, weil die vorrückenden Soldaten unter Beschuss von Heckenschützen geraten seien. Auch Sprengsätze in den Strassen und Gebäuden müssten geräumt werden.

Westlich der Stadt seien die Regierungssoldaten durch ein Minenfeld aufgehalten worden, hiess es aus Sicherheitskreisen. Südlich von Tikrit hätten Armee und Militärhubschrauber IS-Stellungen angegriffen, einen Einsatz von Bodentruppen gebe es aber derzeit nicht.

Zehntausende flohen aus Tikrit

In der Geburtsstadt des einstigen Machthabers Saddam Hussein hatten die IS-Extremisten Mitte vergangenen Jahres die Herrschaft übernommen. Rund 30'000 Soldaten und ihre Verbündeten sollen Tikrit mit Unterstützung der Luftwaffe nach neun Monaten vom IS zurückerobern.

Es ist der grösste Militäreinsatz, seit die Terrormiliz im vergangenen Sommer weite Gebiete im Norden und Westen des Landes überrannte. Sollte der Islamische Staat die Stadt verlieren, wäre es die schwerste Niederlage für die sunnitischen Extremisten seit Beginn ihres Vormarsches im Irak. Nach UNO-Angaben flohen 28'000 Menschen vor den Kämpfen um die Stadt.

Kämpfe auch in Nordsyrien

Im Nordosten Syriens griffen rund 1000 IS-Kämpfer zwei Orte südlich der Grenzstadt Ras al-Ain an. Die Ortschaft liegt 180 Kilometer von Kobane entfernt. Das US-Verteidigungsministerium teilte derweil mit, Gegner der Extremisten hätten eine wichtige IS-Verbindungsroute zwischen Syrien und dem Nordirak abgeschnitten.