Sturm auf Zyperns Banken bleibt weiter aus

Auch am zweiten Tag der Bankenöffnung blieb die Lage vor und in den Finanzinstituten ruhig. Unterdessen dementierte Zyperns Präsident Meldungen, wonach über einen Ausstieg aus der Eurozone nachgedacht worden sei. Man werde nicht mit der Zukunft des Landes experimentieren, hiess es aus Nikosia.

Video «Kein Sturm auf Zyperns Banken» abspielen

Kein Sturm auf Zyperns Banken

1:40 min, aus Tagesschau vom 28.3.2013

Im pleitebedrohten Zypern sind die Banken erstmals wieder zur regulären Zeit geöffnet worden. Einen Ansturm auf die Geldinstitute gab es wie auch schon am Vortag nicht. Die Lage war ruhig.

Die Zentralbank Zyperns entscheidet demnächst, ob die Banken ausnahmsweise auch am Samstag öffnen, berichtete das Staatsradio. Der Polizei lagen am Freitagmorgen keine Informationen über Zwischenfälle oder auch Andrang vor.

«Die meisten Leute haben die erlaubte Summe von 300 Euro abgehoben», sagte der Dimitris Antoniou, Chef einer Filiale der Bank of Cyprus. Er schätzt, dass am ersten Tag der Wiederöffnung etwa 300 Millionen Euro abgehoben worden sein könnten. «Den Umständen entsprechend und wenn man bedenkt, dass die Banken seit fast zwei Wochen zu hatten, ist das nicht schlecht», sagte Antoniou.

«Keine Experimente mit der Zukunft des Landes»

Am Donnerstag waren die Banken erstmals seit fast zwei Wochen wieder geöffnet worden. Die Zyprer hatten sich seit Mitte März nur noch an Automaten in kleinen Summen mit Bargeld versorgen können. Andere Bankgeschäfte ruhten.

Zyperns Präsident Nikos Anastasiades bedankte sich bei seinen Mitbürgern für deren besonnenes Verhalten. Die Zyprer hätten gezeigt, dass sie «es nicht nur wollen, sondern es auch können», ihr Land aus der Krise zu führen.

Er bekräftigte zudem seine Absicht, die Euro-Zone nicht zu verlassen. «Wir werden nicht mit der Zukunft unseres Landes herumexperimentieren», sagte der Präsident auf einer Konferenz in Nikosia.

Zahlreiche Einschränkungen im Bankverkehr

Harte Regeln der zyprischen Notenbank sollen ein schnelles Ausbluten der Banken verhindern. So dürfen pro Person und Bank maximal 300 Euro pro Tag abgehoben werden. Daueraufträge für die Zahlung von Löhnen werden wieder erlaubt.

Strenge Regeln gelten für den Zahlungsverkehr mit dem Ausland. Im Einzelnen sollen Auslandsüberweisungen und Zahlungen mit Kreditkarten im Ausland pro Person und Bank zunächst auf 5000 Euro beschränkt werden.

Für Beträge bis zu 200'000 Euro und darüber sind Sondergenehmigungen der Zentralbank notwendig. Die Einschränkungen sind nach Angaben der EU-Kommission durch den EU-Vertrag gedeckt.

Präsident Nikos Anastasiades kündigte an, die Kapitalverkehrskontrollen würden erst nach undnach gelockert. Wann wieder alles erlaubt sein wird, sagte ernicht.

Hohe Überweisungen im Visier des Parlaments

EU-Staaten dürften den freien Kapitalverkehr beschränken, wenn dies aus Gründen der öffentlichen Ordnung oder Sicherheit notwendig sei, teilte die Brüsseler Behörde mit. Urteilen des Europäischen Gerichtshofs zufolge sei dies auch aus Gründen des öffentlichen Interesses erlaubt.

Allerdings soll es schon vor der Schliessung ungewöhnlich hohe Geldüberweisungen ins Ausland und Bargeld-Abhebungen gegeben haben. Diesen Informationen geht nun Parlamentspräsident Giannakis Omirou nach.