Sudan: Ein Krieg ohne Ende droht sich weiter auszubreiten

Seit zwölf Jahren herrscht faktisch Krieg in Darfur, in der Region im Westen des Sudans. Bereits gibt es hunderttausend Tote und Millionen Vertriebenen. Was als Aufstand von Rebellengruppen gegen die Zentralregierung in Khartum begann, ist zu einem Flächenbrand geworden.

Afrikanische Frauen bauen ein Zelt auf

Bildlegende: Eine Gruppe von Frauen, die vertrieben wurden, baut ein Zelt auf für Flüchtlinge. Keystone/Archiv

Nach hunderttausenden Toten und Millionen vertriebenen Menschen sei eines wohl offensichtlich, glaubt Ashraf Eissa von der UNO-Friedenstruppe für Darfur: «Eine Lösung mit Waffen ist nicht möglich.»

Doch auch eine Friedenslösung am Verhandlungstisch ist nicht in Sicht. Zu zersplittert sind die Konfliktparteien, zu widersprüchlich ihre Machtansprüche. Zu gross ist ihr Hunger auf die enormen Ressourcen, auf Land, Wasser, Öl oder Gold.

Der Konflikt in Darfur begann mit der Rebellion von militanten Gruppierungen, die sich von der Zentralregierung in Khartum vernachlässigt fühlten. Die Regierung von Omar al-Bashir schlug zurück. Sie liess Dörfer bombardieren und setzte die berüchtigten Reitermilizen, die Janjaweed, auf die Bevölkerung an. Deren Massaker, Massenvergewaltigungen und Massenvertreibungen waren so barbarisch, dass die UNO von Völkermord sprach.

UNO konnte nichts ausrichten

Die UNO schickte 2007 die weltweit grösste Friedenstruppe, die 30‘000 Mann starke Unamid los. Doch das Morden ging weiter, die Vertreibungen erreichten im letzten Jahr ihren traurigen Höhepunkt. 450'000 wurden neu zu Flüchtlingen, allein im Jahr 2014.

«Es fehlt einfach am Willen aller Beteiligten, Frieden zu schliessen», sagt Eissa, der Sprecher der Unamid. Die Organisation hat sich, neben dem Schutz der Bevölkerung, auch die Förderung von Versöhnungsprozessen zur Aufgabe gemacht. Gemeint ist die Vermittlung zwischen den lokalen Behörden, Kämpfern, Regierungsvertretern und Flüchtlingen.

Doch zahlreiche Versöhnungskonferenzen von Unamid und der afrikanischen Union sind ergebnislos versandet. Auch der jüngste Anlauf stockt, weil sich die Rebellengruppen uneinig seien, weiss Mahjoub Mohamed Salih. Er ist wohl der geachtetste Journalist im Sudan.

Mit seinen weit über 80 Jahren kennt er all die freien und unfreien Phasen im Land, auch die des Bürgerkriegs in Darfur und das jüngste Versöhnungsangebot: «Manche Rebellen haben das Friedensangebot akzeptiert, manche kämpfen weiter gegen die Regierung. Die Aufständischen sind in viele kleine Milizen zersplittert, die aus Eigennutz Krieg führen.» Dabei wäre eine Lösung dringendst nötig, nicht nur für die Menschen in Darfur.

Der Konflikt sei längst ein panafrikanisches Problem, warnt Unamid-Sprecher Eissa: «Die vielen Waffen auf dem afrikanischen Kontinent verlängern den Konflikt. Waffenhandel ist ein Multimilliarden-Geschäft. Das muss regional und kollektiv angegangen werden. Sonst könnte der Konflikt von Darfur leicht in eine andere Region von Afrika übergreifen.»

Gutes Klima für Extremisten

Ein von der UNO eingesetztes Expertengremium warnte dieser Tage noch von einer weiteren Gefahr: «Darfur könnte potentiell fruchtbarer Boden für den Einfall von Islamisten sein», so die Experten wörtlich. Es wäre ein Einfall mit länderübergreifenden Aktivitäten, nach Libyen, Mali, Niger und der Zentralafrikanischen Republik.