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Südafrikas Präsident verspricht Ende der Wirtschaftskrise
Aus Rendez-vous vom 14.02.2020.
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Südafrika in der Krise «Die Staatskonzerne sind in einem fürchterlichen Zustand»

Südafrika befindet sich in einer tiefen Wirtschaftskrise. Nach dem jahrelangen ökonomischen Niedergang unter Jacob Zuma leidet das Land unter einer Arbeitslosenrate von fast 30 Prozent und wachsender Kriminalität. Der amtierende Präsident Cyril Ramaposa scheint den Ernst der Lage jetzt erkannt zu haben. Er kündigte am Donnerstag in einer Rede eine Wende an. Journalist Johannes Dieterich lebt in Südafrika. Er sagt, es werde lange dauern, bis sich die Lage bessere.

Johannes Dieterich

Johannes Dieterich

Journalist

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Johannes Dieterich lebt seit Jahren in Südafrika. Er ist freier Journalist und berichtet seit bald 30 Jahren für diverse Zeitungen – unter anderem auch für den «Tagesanzeiger» und den «Bund» – aus Südafrika.

SRF News: Wie spüren Sie die Wirtschaftskrise im Alltag?

Johannes Dieterich: Ich kriege das nicht so sehr mit, weil ich aus Europa bezahlt werde. Aber meine Frau hat eine kleine Internetfirma und arbeitet vor allem mit kleinen Familienbetrieben mit ein, zwei Beschäftigten. Sie sagt, diese würden links und rechts wegsterben wie die Fliegen. Das ist für ein Land wie Südafrika besonders schlimm, denn ein Entwicklungsland lebt von kleinen Unternehmen. Wenn diese verschwinden, sieht es wirklich sehr schlecht aus.

Ramaphosa verspricht nun eine Wende. Wie will er diese erreichen?

Das Wichtigste sind die Staatskonzerne. Dazu gehören zum Beispiel der Stromkonzern Eskom, die Fluggesellschaft SAA oder auch Transnet, die Eisenbahngesellschaft. Die sind in einem ganz fürchterlichen Zustand.

Die SAA muss entweder profitabel oder verkauft und privatisiert werden.

Eskom hat 600 Milliarden Rand Schulden, das sind umgerechnet etwa 40 Milliarden Franken. Jetzt soll zum Beispiel die Fluggesellschaft SAA umstrukturiert werden. Dabei werden sicher Leute entlassen. Das stösst in Südafrika auf grosse Kritik. Aber die SAA hat Milliardenschulden. Sie muss entweder profitabel oder verkauft und privatisiert werden. Das kann dauern.

Es gibt Stromengpässe. Zurzeit setzt Südafrika stark auf Kohle. Wie kann sich das Land aus der Abhängigkeit vom Monopolisten Eskom lösen?

Gestern hat Ramaphosa in seiner Regierungserklärung, die er jeweils Anfang des Jahres abgibt, sehr interessante Vorschläge gemacht, die bisher so nicht auf dem Papier standen. Zum Beispiel, dass das Monopol von Eskom wegfallen soll. Das heisst, dass andere Firmen selber Strom herstellen können. Das kann Solarstrom sein, aber auch Kohlestrom oder was auch immer.

Städte müssten dann nicht mehr Strom von Eskom kaufen, sondern könnten sich in Zukunft auch von anderen Firmen beliefern lassen. Das wird dem Solarstrom, den Eskom bisher stets vernachlässigt hat, sicherlich grossen Auftrieb geben. Über 90 Prozent des Stroms wird hier aus Kohle hergestellt. Das wird sich jetzt ändern. Wie schnell, ist eine andere Frage.

Die Regierung hat beunruhigende Zahlen präsentiert. Die Verschuldung ist hoch und das Wirtschaftswachstum bei nur 0.5 Prozent. Die Weltbank sagt, 6 Prozent wären nötig. Muss Südafrika bald beim IWF anklopfen?

Ja, das könnte durchaus sein. Das will die Regierung natürlich unter allen Umständen vermeiden, weil sie die Souveränität verlieren würde. Nächsten Monat wird die Rating-Agentur Moody's entscheiden, ob sie Südafrika weiter in der Investitionskategorie lassen wird, oder ob sie das Land abwertet.

Südafrika kann nur beten, dass Moody's die Abwertung herauszögert.

Das würde bedeuten, dass alle drei grossen Rating-Institute Südafrika nicht mehr in der Kategorie hätten, in der das Investieren empfohlen wird. Kommt es dazu, wäre das ein schwerer Schlag und es würde sehr viel Geld aus dem Land fliessen. Südafrika kann nur beten, dass Moody's das herauszögert. Moody's war Südafrika bisher immer sehr wohlgesonnenen. Jetzt wird es eng.

Das Gespräch führte Ivana Pribakovic.

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4 Kommentare

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  • Kommentar von Heidi Müller Mermer  (Gelincik)
    Wirklich traurig was die Menschen in Südafrika alles mitmachen müssen. Nach den Schrecken der Apartheid einen korrupten, unfähigen Jacob Zuma. Wir sollten dieses Land jetzt nicht im Stich lassen, wir könnten etwas wiedergutmachen, schliesslich haben wir dazumal auch Geschäfte mit der Apartheid Regierung gemacht.
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    1. Antwort von Margot Helmers  (Margot Helmers)
      SA hat 57 Millionen Einwohner, nicht gerade wenig aus CH-Sicht. Was meinen Sie mit Wiedergutmachen?
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  • Kommentar von Franz NANNI  (igwena ndlovu)
    Nach 1994 sind viele ANC Anhaenger in Positionen gehoben worden, die sie aufGrund ihrer Ausbildung niemals "erfuellen" konnten und das passiert noch heute. dann spielen andere Parteien eine boese Rolle wie EFF unter Malema, der auch schon seine Urteile bekommen hat. Schade, der Durchschnitt der Bevoelkerung bildet sich gibt sich Muehe.. aber treten finanziell auf der Stelle..Und viele Weissen... ich schaeme mich, haben nichts dazu gelernt.
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  • Kommentar von Franz NANNI  (igwena ndlovu)
    Moody's wird scrap verteilen... ohne Zweifel... Und Eskom ... hat man Solarstrom muss man bezahlen an den Staat.. / Escom.. es ist halt so, und das weis nicht nur der Bauer, will man eine Kuh melken muss sie gefuettert werden... Aber die neuen Herren... sie denken, Nehmen ist seliger denn Geben...
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