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Südkoreaner gegen Donald Trump In Südkorea ist man wenig erfreut über Donald Trumps Besuch

Mit seinen Tweets zu Nordkorea verunsichert Trump die Südkoreaner. Die Mehrheit misstraut dem US-Präsidenten.

Moon Jonghyun ist katholischer Priester und 80 Jahre alt. Er versteht sich als Aktivist und setzt sich ein gegen eine Militarisierung der koreanischen Halbinsel und für eine friedliche Vereinigung mit Nordkorea. Er hat sich zusammen mit vorwiegend jungen Demostranten auf dem Gwanghwamun-Platz eingerichtet. Das ist jener Platz im Stadtzentrum von Seoul, auf dem bereits Hunderttausende gegen die frühere Präsidentin Park Geun-hye demonstriert hatten.

Jetzt hängen hier Transparente gegen den Besuch des US-Präsidenten Donald Trump. «No Trump Zone» steht auf einem, auf einem anderen formt sich Trumps orange Frisur zu einem Atompilz.

Man sei richtig wütend auf Trump, sagt Priester Moon: «Es ist sehr einfach, ständig von Krieg zu reden.». Die Koreaner wollten keinen Krieg, die Leidtragenden wären die Koreaner, und nicht die Amerikaner.

Grausame Bilder noch immer präsent

Für ihn ist Krieg keine abstrakte Bedrohung, denn als Jugendlicher hat er den Koreakrieg hautnah miterlebt. Auch Jahrzehnte danach sind ihm die grausamen Bilder noch immer präsent. «Ich sah viele tote Soldaten, sie waren den Nordkoreanern zum Opfer gefallen. Auch mein Onkel kam im Krieg um.»

Der eigenen Regierung wirft Priester Moon Abhängigkeit von den USA vor. Die koreanische Regierung würde einfach die Wünsche der Amerikaner ausführen. Das gelte auch für das umstrittene Raketenabwehrsystem THAAD, das die US-Armee dieses Jahr in Südkorea aufgestellt hat.

Nur eine Minderheit vertraut Trump

Südkorea sei schliesslich keine Kolonie der Amerikaner, findet Student Jang Gyujin – er erhofft sich, dass Koreas Präsident Moon Jae-in Trump davon überzeugt, auf Aussagen zu verzichten, die einen Krieg provozieren könnten. Vor allem Trumps Twitter-Nachrichten stossen Student Jang sauer auf – jene Botschaften, in denen Trump Nordkorea etwa mit «Feuer und Zorn» droht.

Trump ist in Südkorea so unbeliebt wie in fast keinem anderen asiatischen Land: Laut einer Umfrage des US-Meinungsforschungsinstitut Pew Research Center , Link öffnet in einem neuen Fenstermisstrauen vier Fünftel der Koreaner dem US-Präsidenten. Nur 17 Prozent der Befragten haben angegeben, Trump zu vertrauen.

«Trump wird uns vor den Kommunisten retten»

Zu dieser Minderheit gehört auch Frau Yeon. Die Mittsechzigerin protestiert südlich des Gwanghwamun-Platzes – fast zeitgleich wie die Gegner von Trump. Hier finden sich keine durchgestrichenen Trump-Bilder, sondern ein Meer von koreanischen und US-Flaggen.

Auch Frau Yeon hat sich eine amerikanische und eine koreanische Flagge an den Rucksack geheftet. Sie freue sich auf Donald Trumps Besuch, sagt sie. Er werde Südkorea vor den Kommunisten retten. «Trump ist deshalb absolut willkommen hier, wir lieben ihn.»

Aus lauter Angst vor Nordkorea, könne sie nachts kaum schlafen, sagt Frau Yeon. Sie gehört zu jenen Hardcore-Unterstützern der früheren Präsidentin Park Geun-hye – die einen harten Kurs gegen Nordkorea verfolgte. Trumps Drohungen sei die einzige Sprache, die Nordkorea verstehe, meint Frau Yeon.

Es ist eine ganz andere Sprache als jene von Südkoreas Präsidenten Moon Jae-in und dessen Mitte-links-Regierung. Nach dem Wahlsieg im Mai bestand die Hoffnung auf eine Entspannungspolitik. Davon ist man inzwischen weit entfernt, dies wird auch das Treffen von Moon und Trump am Dienstag nicht ändern.

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13 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Haller (panasawan)
    Das Problem Trump, sollte man nicht mit dem Problem Kim und Nordkorea bzw. der A-Waffenproblematik und der Prolieferation von A-Waffen durch und von Kim verwechseln. Weder Obama, noch Clinton usw. konnten Kim daran hindern eine A-Waffenproduktion aufzubauen und Trump wird dies ebensowenig gelingen auf dem Verhandlungsweg....!!!
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  • Kommentar von Harald Buchmann (Harald_Buchmann)
    Wenn es offenbar pro und kontra Demonstrationen gab, dann frage ich mich schon etwas, welche Demo denn grösser war? Vom "Meer der US Fahnen" sehe ich hier leider keine Bilder.
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  • Kommentar von Christian Szabo (C. Szabo)
    Ein Gutteil der US-Wirtschaft (und nicht nur diese) inklusive diverser Rohstoffkonzerne leben davon, dass sie Krieg in lukrative Länder der Erde tragen. Auf eigenem Boden haben sie seit Jahrzehnten keinen Krieg. So können sie ihre Strategien und Technologien optimal entwickeln. Dass das kriegsgebeutelten Staaten und Völkern stinkt, ist klar. Gewisse Völker, die durch Kriege unnatürlich getrennt wurden, wollen sich endlich annähern. Schlecht für das Kriegsbusiness der grossen Akteure.
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