Südostasien leidet unter schwerster Dürre seit Jahrzehnten

Kein Regen seit Monaten, ausgetrocknete Reisfelder und riesige Ertragseinbussen für die Bauern: Ganz Südostasien kämpft zurzeit mit der Trockenheit. Auch in Thailand wird über das zweite El-Niño-Jahr in Folge gerätselt, wie SRF-Mitarbeiter Urs Morf berichtet. Eine Hungersnot drohe aber nicht.

Wasserknappheit in der Provinz Lampang in Nordthailand.

Bildlegende: Hitzemonate März und April und dazu El-Niño: Wasserknappheit in der Provinz Lampang in Nordthailand. Keystone/Archiv

In der thailändischen Hauptstadt Bangkok hat es seit fünf Monaten nicht mehr geregnet. Hängen in den heissesten Monaten März und April für gewöhnlich von frühmorgens bis spätabends drückend schwarz-graue Wolken tief über der Stadt, so ist der Himmel diesmal knallblau.

Auch in normalen Jahren kommt zwar nach diesen schwülheissen Monaten der Regen meist erst im Mai, wie Südostasien-Mitarbeiter Urs Morf erklärt. Doch jetzt ziehen nur ganz selten kleine Wölkchen vom Golf von Siam her über die Stadt und verschwinden dann im Landesinnern.

Keine Aussaaten möglich

Auf dem Land im Nordosten Thailands sind die Folgen der Trockenheit drastisch sichtbar. In den Reisanbaugebieten vor allem in der zentralthailändischen Tiefebene, wo jährlich drei Aussaaten und drei Ernten möglich sind, sind die Böden ausgetrocknet und rissig geworden.

Im dürregeplagten Mekong-Delta.

Bildlegende: Provinz Soc Trang im Mekong-Delta: Ein vietnamesischer Bauer brennt sein verdorrtes Reisfeld ab. Reuters/Archiv

Schon die erste Aussaat war laut Morf unter diesem Umständen gar nicht möglich. Wie es weitergehe, sei ungewiss. Ein ähnliches Bild zeigt sich im Mekong-Delta im südlichen Vietnam. Dort kann dieses Jahr auf 400‘000 Hektaren dieses mit Sicherheit gar kein Reis angebaut werden – auf einem Zehntel der Fläche der Schweiz.

Bauern vor dem Nichts

Die Reisbauern sind mit einem gewaltigen Ertragseinbruch konfrontiert. Der Verdienstausfall ist umso schlimmer, als dass sie in der ganzen Gegend und vor allem auch in Thailand ohnehin bis über bis über die Ohren verschuldet sind. Die Zinsen laufen weiter, auch ohne Reisverkäufe.

Ein Auslöser der Dürre ist laut Forschern das Wetterphänomen El-Niño. In Thailand werde auch darüber spekuliert, ob sich hier nicht einfach der globale Klimawandel bemerkbar mache, so Morf. Auch wundere man sich über das zweite El-Niño-Jahr in Folge.

Dämme schaden dem Mekong-Delta

In anderen Gebieten kommen weitere Ursache dazu: In Laos, Kambodscha und vor allem Vietnam machen sich jetzt die vielen Staudämme der Chinesen am Oberlauf des Mekong bemerkbar.

Angesichts der Notlage wurde Peking dazu gebracht, einen Teil der Dämme zu öffnen. Laut Morf kam diese Massnahme aber gerade etwa für das Mekong-Delta zu spät, denn es lief bereits Meerwasser ein und versalzte die Böden.


Südasien von Dürre heimgesucht

5:22 min, aus HeuteMorgen vom 19.04.2016

Reisreserven sollten reichen

Eine Lebensmittelknappheit in der Region sei momentan nicht zu befürchten, sagt Morf. Nach den jährlichen Überproduktionen sollte genügend Reis zur Eigenversorgung an Lager sein.

Vor allem Thailand habe von Sozialprogrammen unter der vorletzten Regierung noch riesige Volumen an Reis in Reserve. «Dieses Reis ist möglicherweise nicht von besonders guter Qualität, aber zu einer Hungersnot wird es nicht kommen», sagt Morf.

Urs Morf

Porträt Urs Morf

Urs Morf war von 2008 bis 2015 vollamtlicher SRF-Korrespondent für Ostasien. Davor war er lange Jahre für die «Neue Zürcher Zeitung» tätig und berichtete anfangs aus China und später aus der gesamten Region Ostasien. Morf lebt in Bangkok.