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Suizid vor Gericht Es war Gift – aber welches?

Mann macht Trinkbewegung.
Legende: Slobodoan Praljak trinkt kurz nach der Urteilsverkündung aus einem braunen Flakon und stirbt später. Keystone

Nach dem Tod des bosnisch-kroatischen Kriegsverbrechers Slobodan Praljak vor dem UNO-Tribunal bleibt vor allem eines, Fragen:

  • Welches ist der «chemische Stoff, der für Menschen tödlich sein kann»?
  • Wie gelangte das Gift in seinen Besitz und in den Gerichtssaal?
  • Wer waren die möglichen Helfer des Verstorbenen?

Um die Frage nach der Art des Giftes zu beantworten, wird der Leichnam des 72-jährigen obduziert und toxikologisch untersucht werden, wie ein Sprecher der niederländischen Staatsanwaltschaft sagte: «Die Autopsie ist die höchste Priorität der Ermittler und wird in Kürze durchgeführt werden.»

Die Behörden leiteten Ermittlungen wegen Beihilfe zum Suizid und Verstosses gegen das Arzneimittelgesetz ein, wie ein Sprecher der niederländischen Staatsanwaltschaft in Den Haag sagte.

Strenge Kontrollen

Besucher des UN-Kriegsverbrechertribunals in Den Haag werden zweimal kontrolliert, bevor sie die Tribüne des Gerichtssaals betreten dürfen. Wie an Flughäfen werden Taschen und Jacken in einem Röntgen-Scanner kontrolliert. Und die Besucher müssen durch eine Sicherheitsschleuse mit Metalldetektoren gehen.

Auch die Angeklagten werden eingehend kontrolliert, sagen Anwälte. Allerdings ist es denkbar, dass jemand Medikamente mit in den Sitzungssaal nehmen kann. Viele Angeklagte sind schliesslich über 60 Jahre alt – Praljak war 72 – und nehmen regelmässig Medikamente.

Praljak war seit 2004 im Zellenkomplex des Tribunals im Gefängnis im Nordseebad Scheveningen inhaftiert. Dort gilt eine grosszügige Besuchsregelung, aber mit strengen Kontrollen. Besucher müssen durch Sicherheitsschleusen gehen, werden auch abgetastet und Taschen werden gescannt.

Praljak war mit fünf anderen ehemals hochrangigen bosnischen Kroaten wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit gegen Muslime im Bosnienkrieg (1992-1995) schuldig gesprochen worden. Kurz nach seiner endgültigen Verurteilung zu 20 Jahren Gefängnis hatte er eine Flüssigkeit aus einer Art Flakon eingenommen und war Stunden später in einem Krankenhaus in Den Haag gestorben.

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4 Kommentare

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  • Kommentar von Stanic Drago (Putinversteher)
    Ich finde viel wichtiger, wie Kroatien reagiert, an Urteil und tot von diesem Kriegsverbrecher. Das Parlaments Sitzungen mit schweige Minute beginnen ist für mich in einen EU Land ein Skandal, aber in unseren Medien keine Zeile wert. Das kroatische Presidäntin ihre Dienstreise unterbricht und zusammen mit Premierminister über Unfaire Urteil sprechen wird Befriedung von Balkan nicht helfen.
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  • Kommentar von Rolf Bolliger (rolf.bolliger@quickline.ch)
    Diese Gifteinnahme des verurteilten Kriegsverbrechers, war für alle "Seiten" die beste (billigste) Lösung! Punkt!
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  • Kommentar von Philipp Etter (Philipp Etter)
    Auch in Nürndberg unter Kriegsrecht gelang es nicht, alle Hauptangeklagten von einem Suizid durch vergiften abzuhalten. Problematischer finde ich, das Desaster in Ex-Jugoslawien an einzelnen Personen festzumachen. 1992 wurde der Maastricher Vertrag abgeschlossen, für mich DER entscheidende Schritt zur EU und diese EU versagte auch gleich bei der ersten Feuerprobe, nämlich der proaktiven Eindämmung der Katastrophe in Ex-Jugoslawien, einem Nachbar dieses Staatenbundes...
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