«Sultan» Erdogan zieht in den Weissen Palast

Am 29. Oktober, dem Gründungstag der türkischen Republik, wollte Präsident Erdogan seinen neuen Amtssitz einweihen. Das Zeremoniell wurde jedoch von einem erneuten Grubenunglück in der Südtürkei überschattet. Ein Blick in die prunkvollen Räume des «Weissen Palastes», der mehr als blosse Zierde ist.

Der türkische Präsident hat vor allem repräsentative Funktion. Recep Tayyip Erdogan nimmt diesen verfassungsmässigen Auftrag offensichtlich wörtlich. Für geschätzte 300 Millionen Franken liess sich der neue starke Mann der Türkei einen «Weissen Palast» errichten: 1000 Zimmer, Wände aus sündhaft teurem Granit und Verzierungen im «osmanischen Stil» bilden ein monumentales Ensemble – das nicht nur auf Gegenliebe stösst.

Was manch Architekturfreund als «Kitsch» bezeichnet, ist für Umweltschützer ein Affront sondergleichen: Für den Prachtbau in Ankara wurde ein unter Naturschutz stehendes Waldstück gerodet. Am bittersten fällt indes die Kritik der Opposition aus. Diese erblickt im Monumentalbau, der selbst den Buckingham Palace überragt, ein Mahnmal des Machtmissbrauchs.