«Super Tuesday»: Im Turbogang auf Stimmenfang

Sieben mal hat der «Super Tuesdays» seit 1988 stattgefunden. Wer an diesem Tag die meisten Delegiertenstimmen gewann, wurde letztlich jedes Mal auch zum Präsidentschaftskandidaten gekürt. Ein Instrument, das offensichtlich hält, wofür es erfunden wurde.

Schild mit Wahl-Aufruf an einer Strasse

Bildlegende: Wer an diesem Dienstag am meisten Delegiertenstimmen sammelt, ist schon fast drin, im Oval Office. Keystone

Die Idee des «Super Tuesday» stammt von den Demokraten. Statt dass die Kandidaten in unzähligen Einzelvorwahlen den Bürgern händeschüttelnd ihre Politik wie Speck durch den Mund ziehen, sollen sie sich ab einem gewissen Punkt überstaatlich orientieren.

Das Kalkül liegt auf der Hand: kommen die Entscheide vieler Staaten mit unterschiedlichen Zivilgesellschaften in einer Vorwahl zusammen, steigt die Chance, dass ein Kandidat mehrheitsfähig wird.

1988 – George Bush Seniors Rekordergebnis bei der Premiere

Dass sich die Idee bewähren kann, hat sich gleich bei der Premiere der Prozedur im Jahr 1988 erwiesen. Das bis heute unübertroffene «Super Tuesday»-Ergebnis des Republikaners George H. W. Bush ebnete den Weg zu dessen Nominierung als Präsidentschaftskandidat.

Und auch bei den Demokraten brachte der erste «Super Tuesday» mit Michael Dukakis jenen zunächst abgeschlagenen Kandidaten auf die Erfolgsspur, der letztlich für den Einzug ins Weisse Haus kandidieren sollte. Am Wahltag unterlag er dann aber George Bush Senior.

1992 – Bill Clinton wendet das Blatt zu seinen Gunsten

Vier Jahre später ging in der parteiinternen Ausmarchung der Demokraten ein gewisser Bill Clinton nach Niederlagen in mehreren Staaten in arger Rücklage in den «Super Tuesday». An diesem gewann er dann jedoch in einer ganzen Reihe von Südstaaten. Der Weg zur Präsidentschaftskandidatur und dem darauffolgenden Einzug ins Weisse Haus war geebnet.

Abermals hatte sich das Instrument «Super Tuesday» zur Kür eines mehrheitsfähigen Kandidaten als verlässlich erwiesen.

1996 – Auch Bob Dole ebnet der «Super Tuesday» den Weg

Immerhin parteiintern erwies sich vier Jahre später auch der republikanische Triumphator des «Super Tuesday» als mehrheitsfähig: Bob Dole holte sich gleich in allen sieben «Super Tuesday»-Staaten den Sieg und wurde in der Folge von den Republikanern auch als Präsidentschaftskandidat nominiert. Bei der Wahl unterlag er dann jedoch Amstsinhaber Bill Clinton.

2000 – Al Gore und George Bush Junior zementieren ihre Position

Vier Jahre später konnte Amtsinhaber Bill Clinton nicht mehr zur Wahl antreten, auch die Demokraten mussten wieder durch die Primaries. Clintons Vize Al Gore festigte mit einem Triumph seine Position im parteiinternen Kampf um eine Kandidatur ebenso, wie der republikanische Kandidat George W. Bush.

Dem «Gesetz» des «Super Tuesdays» folgend setzten sich beide letztlich durch. Bei der Präsidentschaftswahl gewann dann Bush Junior gegen Clintons Vizepräsidenten Gore.

2004 - John Kerry gewinnt alle zehn Staaten des «Mini Super Tuesday»

Auch Jahr 2000, als die Demokraten den Herausforderer von Amtsinhaber Bush zu küren hatten, sollte sich der «Super Tuesday»-Sieger letztlich parteiintern durchsetzen. John Kerry gewann am so genannten «Mini Super Tuesday» alle zehn Staaten für sich und holte 57 Prozent der Delegiertenstimmen. In der Präsidentschaftswahl sollte Kerry dann an Amtsinhaber Bush scheitern.

2008 - «Super Duper Tuesday» ebnet Obama und McCain den Weg

Vier Jahre später hatten auch die Republikaner wider einen neuen Kandidaten zu küren. Am so genannten «Super Duper Tuesday» – es liessen sich bei den Republikanern 41 Prozent und bei den Demokraten 52 Prozent der Delegierten-Stimmen holen – gewann John McCain neun von 21 Staaten. Sein Rivale Mitt Romney gewann lediglich sieben Staaten, Mike Huckabee schied mit 5 Gewinn-Staaten aus. Folgerichtig sollte «Super Tuesday»-Sieger McCain in der Folge dann auch für die Republikaner in die Wahl fürs Weisse Haus gehen.

Dort sollte er auf den Demokraten Barack Obama treffen. Auch dieser hatte am «Super Duper Tuesday» das Rennen gemacht, wenn auch ganz knapp. Obama sicherte sich 847, seine parteiinterne Rivalin Hillary Clinton 834 Delegiertenstimmen. Letztere war sich ihrer Sache dennoch sicher und ruhte sich auf ihren Lorbeeren aus, für die sie praktisch ihr gesamtes Budget verpulvert hatte. Eine fatale Fehlkalkulation: Obama liess sie dank der Zugewinne in den Post-«Super Tuesday»-Staaten schliesslich im Regen stehen.

2012 - Republikanische Entscheidung bereits am «Super Tuesday»

Das Wiederwahljahr für Obama 2012 ist das jüngste Beispiel für die funktionale Kontinuität des Super Tuesday. Der spätere republikanische Präsidentschaftskandidat Mitt Romney hatte das parteiinterne Rennen bereits am «Super Tuesday» für sich entschieden.

Er gewann dabei 6 von 10 Staaten. Seine an diesem Tag gewonnenen 404 Delegiertenstimmen waren mehr, als die drei anderen republikanischen Kandidaten zusammen entfielen. Romney war in der Folge durch Rick Santorum, Ron Paul und Newt Gingrich nicht mehr einzuholen und unterlag erst in der Präsidentschaftswahl Amtsinhaber Obama.

Tag X im US-Vorwahlkampf

Super-Tuesday-Veranstaltung.

keystone

Heute ist «Super Tuesday» – an keinem anderen Tag werden gleichzeitig so viele Delegiertenstimmen vergeben. Die wichtigsten Infos rund um den «Super Tuesday».

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • «Super-Tuesday» in den USA

    Aus Tagesschau vom 29.2.2016

    Der morgige Super-Dienstag könnte bei der Auswahl der Kandidaten im Rennen ums Weisse Haus vorentscheidend sein. In mehr als zehn Staaten wird gewählt.