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Virtueller Nahost-Friedenspakt Symbolischer Nahost-Vertrag: Schüler schliessen Frieden

Legende: Audio Israel – jüdisch und demokratisch? abspielen. Laufzeit 28:21 Minuten.
28:21 min, aus International vom 25.02.2017.

Das Wichtigste in Kürze

  • Rund 50 Schüler aus Israel, den Palästinensergebieten und aller Welt haben am Donnerstag einen symbolischen Nahost-Friedensvertrag unterzeichnet.
  • Die Elftklässler eines internationalen Internats nördlich von Tel Aviv hatten das Abkommen vorher binnen 24 Stunden in simulierten Friedensgesprächen ausgehandelt.
  • Ihre symbolische Friedensvereinbarung ist der Abschluss eines besonderen Seminars über Konfliktlösung, an dem die Schüler in den vergangenen Monaten teilgenommen haben.
  • Unterstützt wurde das Projekt von dem Charney Resolution Center, das 2015 auf dem Schulgelände eröffnet wurde. Das Zentrum widmet sich der Geschichte und Förderung von Friedensgesprächen.

«Wir sind die Saat des Friedens», sagt ein 16-jähriger Palästinenser aus dem Gazastreifen und lächelt. Mit gleichaltrigen israelischen Mitschülern hat der Jugendliche in intensiven Friedensgesprächen ein symbolisches Abkommen im Nahost-Konflikt ausgehandelt, das den Weg in eine bessere Zukunft weisen soll.

Am Donnerstagabend unterzeichnen beide Seiten in einem Jugenddorf nördlich von Tel Aviv in einer feierlichen Zeremonie einen virtuellen Friedensvertrag. Er gibt Lösungen für die schwierigsten Knackpunkte des Konflikts vor – wie den künftigen Grenzverlauf, die Zukunft der Siedlungen, Flüchtlinge und den Status von Jerusalem.

«Es gab schon Spannungen»

Vorher haben sich beide Seiten in verschiedenen Teams am Verhandlungstisch über Landkarten die Köpfe heiss geredet. «Es gab schon Spannungen», sagt der Schüler aus Gaza und grinst.

Mit den Israelis und anderen Palästinensern sowie Schülern aus aller Welt lernt er an dem internationalen Internat Emis, Link öffnet in einem neuen Fenster in dem Jugenddorf Kfar Jarok nördlich von Tel Aviv, das sich für Völkerverständigung und Friedenserziehung einsetzt. Für einen Palästinenser aus Gaza ist das absolut ungewöhnlich. Er nennt sich Mohammed Samer – seinen wirklichen Namen will er aus Sicherheitsgründen nicht preisgeben.

«Es ist ein bisschen lauter geworden»

Eine seiner Mitschülerinnen ist die 18-jährige Annemarie Raab aus Cham bei Regensburg (Bayern). Die 24-stündigen Friedensverhandlungen haben der Deutschen die Komplexität des Konflikts deutlich gemacht. «Von aussen denkt man immer, warum können Israelis und Palästinenser sich nicht einfach einigen», sagt die junge Frau. Bei den Verhandlungen sei es dann aber sogar innerhalb der Teams zu Auseinandersetzungen über die Themen gekommen. «Es ist auch ein bisschen lauter geworden.»

Während des Seminars mussten die Schüler als Gedankenspiel auch den Standpunkt der jeweils anderen Seite vertreten. Einem palästinensischen Jugendlichen sei es erst schwer gefallen, Israels Seite zu präsentieren. «Er war erst nicht begeistert, aber so wird man offener», sagt Raab, die in der internationalen Schule Abitur macht.

«Hoffnungen sind nicht praktisch»

Das Projekt ist eine Initiative des Charney Resolution Center, Link öffnet in einem neuen Fenster, dessen Büro 2015 auf dem Campus der internationalen Schule eingerichtet wurde. Die Gründerin Tzili Charney wirkt sehr resolut und realistisch. Das Wort Hoffnung gefällt ihr nicht. «Hoffnungen sind nicht praktisch, ich habe klare Ziele, ich habe eine Vision», sagt die energische Frau mit den blonden Stoppelhaaren.

Sie hat das Zentrum für ihren inzwischen verstorbenen Ehemann Leon Charney gegründet, der als Berater an den Friedensgesprächen zwischen Israel und Ägypten beteiligt war. Die «echten» Friedensgespräche zwischen Israelis und Palästinensern liegen schon seit fast drei Jahren brach. Doch die Jugendlichen in Kfar Jarok wollen sich ihren Traum von einer besseren Zukunft nicht zerstören lassen.

«Ein kleiner Schritt. Aber irgendwo muss man anfangen.»

Umgeben von grünen Feldern wirkt das Jugenddorf tatsächlich wie eine kleine Oase, in der die Saat der Versöhnung gut geschützt aufgehen kann. Die deutsche Annemarie Raab und ihr palästinensischer Mitschüler glauben, dass einer der Seminarteilnehmer später als Politiker wirklich eine Veränderung in der Region bewirken könnte.

«Wir werden erwachsen und unsere Mentalität ist anders als die der Leute, die heute regieren», sagt Samer. «Frieden ist ein grosses Wort», sagt er nachdenklich. «Aber ich glaube an Veränderung.» Die deutsche Schülerin stimmt ihm zu. «Es ist ein kleiner Schritt», sagt sie zu dem symbolischen Friedensvertrag. «Aber irgendwo muss man anfangen.»

Israelische Häuser geräumt

Israels Sicherheitskräfte haben kürzlich acht Häuser in der israelischen Siedlung Ofra im Westjordanland geräumt. Die Häuser waren auf palästinensischem Privatland errichtet worden. Hunderte Polizisten und Grenzsoldaten standen im Einsatz, wie eine Sprecherin mitteilte. Elf Polizisten seien verletzt worden.

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14 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Fürer (Hans F.)
    Wenn nur diese junge Generation das Sagen hätte! Die Verantwortlichen, welche eine für beide Seiten akzeptable Lösung durch dick und dünn verhindern, sollte man am besten auf eine Robinson-Insel in die Verbannung schicken.
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  • Kommentar von Achim Frill (Afri)
    Das erinnert mich an Herbie Grönemeyers Lied: "Kinder an die Macht".
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  • Kommentar von Christian Szabo (C. Szabo)
    Es ist der jungen Generation überlassen, das Gute zu sehen und das Schlechte zu verbessern. Die "Alten" verklären die gute Alte Zeit und sehen im Neuen oft eine Bedrohung. Das ist bei vielen Aspekten des täglichen Lebens so und setzt sich bis in die grosse Politik fort. Leider werden die Jungen nicht selten von den Alten aufeinander gehetzt. Sei es psychisch als auch physisch bis zum Krieg.
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    1. Antwort von Christa Wüstner (Saleve2)
      Das glaube ich nicht so, Herr Szabo, dass die "Alten" die gute alte Zeit verklären.Es ist einfach unsere Gesellschaft,die durch die äusseren Bedingungen,keine Zeit mehr für die Jungen hat,sie sind sich selbst überlassen ihren Weg zu finden. Es wird höchste Zeit, die Erziehung nicht nur der Schule und der Umgebung ,zu überlassen. Sie wissen genau was sie wollen, wenn der Weg den sie gehen möchten oder sollen, Grenzen beinhaltet.Sie setzen sie sich nicht selbst, wie sollen sie sie erkennen.
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