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International Syrer benötigen neu ein Visum für Libanon

Schätzungsweise viereinhalb Millionen Menschen leben in Libanon. Hinzu kommen laut Schätzung der UNO mehr als eine Million Flüchtlinge aus Syrien. Und der Zustrom reisst nicht ab. Das überfordert das Land. Es hat Massnahmen beschlossen.

Legende: Video «Libanon macht die Grenzen dicht» abspielen. Laufzeit 1:53 Minuten.
Aus Tagesschau vom 05.01.2015.

Libanon hat entschieden, die Einreise von Syrern zu beschränken und erstmals seit Beginn des syrischen Bürgerkriegs vor bald vier Jahren eine Visumspflicht einzuführen. Es gibt sechs Visa-Kategorien, darunter Touristen- und Arbeitsvisa.

Syrer müssen an der Grenze zu Libanon ab sofort erklären, weshalb sie einreisen, und dies mit Dokumenten belegen, etwa mit der Bürgschaft eines libanesischen Arbeitgebers. Voraussetzung für die Ausstellung eines Touristenvisums ist eine Hotelreservierung sowie der Besitz von 1000 Dollar.

Für syrische Flüchtlinge, die sich ohne Geld und ohne Dokumente ins Nachbarland retten wollen, werde die Einreise somit noch schwieriger, sagt Christian Gemperli. Er kümmert sich mit dem Hilfswerk Solidar Suisse in Libanon um Flüchtlinge. «Man kann damit rechnen, dass weniger Flüchtlinge in das Land einreisen werden.»

Bereits Verletzte an Grenze abgewiesen

Syrer, die sich bereits im Land aufhalten, dürfen zwar bleiben. Doch laut Jürg Bischoff, Nahost-Korrespondent der NZZ, stellt sich die Frage: «Wie verhalten sich die libanesischen Grenzbeamten bei humanitären Notfällen?» Denn es sei schon vorgekommen, dass sie verletzte syrische Flüchtlinge zurückgewiesen haben.

Syrische Flüchtlinge machen inzwischen einen Viertel der libanesischen Bevölkerung aus. Schon im Oktober hatte die Regierung in Beirut ein grundsätzliches Einreiseverbot für Flüchtlinge aus Syrien verhängt. Mit der Visumspflicht soll dieses nun konsequenter durchgesetzt werden.

Aufruf zur Aufnahme von mehr Flüchtlingen

Seit der Unabhängigkeit der beiden Nachbarländer in den 1940er Jahren hatte ein Ausweis ausgereicht, um über die Grenze zu reisen. Es sei «das erste Mal in der Geschichte der zwei Länder, dass der Libanon von den Syrern verlangt, ihre Einreisegründe zu präzisieren», sagte Libanons Sozialminister Raschid Derbas.

Das UNO-Flüchtlingshilfswerk UNHCR zeigte zwar Verständnis für die Massnahmen. Es müsse aber weiterhin sichergestellt werden, dass niemand zurückgeschickt werde, dessen Leben in Gefahr sei.

Deshalb forderte das UNHCR die westlichen Industrienationen auf, mehr syrische Flüchtlinge aufzunehmen. Die Vereinten Nationen gehen davon aus, dass die Flüchtlingszahlen in den kommenden Jahren weiter ansteigen werden.

17 Kommentare

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  • Kommentar von Patrik Schaub, Zunzgen
    Weil sich bereits über eine Million Syrier in Libanon aufhalten, und sich Libanon inzwischen einen S****** um die Meinung fremder Staaten schert?
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    1. Antwort von B.Mathis, Küssnacht
      C.Wüstner,genau Ihrer Meinung,nur so erreicht man am meisten Flüchtlinge,mit Hilfe vor Ort. Warum hat man nicht vorgesorgt und die Zelte besser isoliert z.B. mit dem vielen Geld,welches in die Flüchtlingshilfe fliesst ? Jeder weiss,dass es immer wieder Winter wird. Darum immer zuerst Hilfe vor Ort,das hilft viel mehr Menschen,als nur ein paar privilegierte Flüchtlinge hier auf zu nehmen.Wie müssen sich die Menschen,die zurück bleiben mussten vorkommen !
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  • Kommentar von Marlene Zelger, 6370 Stans
    Ausgerechnet eines der Länder, welche von Westeuropa menschenrechtsskonforme Behandlung von Asylanten und Flüchtlingen fordern, schikanieren die Flüchtlinge aus dem gleichen Kulturkreis mit bürokratischen Hemmschwellen. Und die so genannten Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty international oder Human right watch hüllen sich in Schweigen. Hat da jemand eine Erklärung dafür?
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    1. Antwort von Max H., Zürich
      Dann nehme ich an, dass Sie sich als Schweizerin grosszügig bereit erklären, die Aufnahme einer Million syrischer Flüchtlinge in unser Land zu unterstützen, mit allem, was dazu gehört. Schliesslich wollen wir ja nicht nur mit dem Finger auf andere zeigen.
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    2. Antwort von Christa wüstner, Reinach
      Die Erklärung ist ganz einfach. Der Libanon ist einfach nicht in der Lage, noch mehr Flüchtlinge aufzunehmen. Hier wäre dringend westliche Hilfe nötig. Das wäre ein Anfang für Hilfe vor Ort
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    3. Antwort von M.Kunz, Murten
      @Zelger: Haben sie den Artikel gelesen. Der Lybanon hat über eine Million Flüchtlinge aufgenommen. Auf die Schweiz umgerechnet wären das 2'000'000 Asylanten in 4 Jahren. Das Land ist überfordert das hat nichts mit Menschenrechtsverletzung zu tun. (Die Schweiz hat 500 Syrer aufgenommen)
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  • Kommentar von m.mitulla, wil
    Der Libanon ist mit 3,5 Mio Einwohnern und 1 Mio Flüchtlingen überfordert. Die Einführung der Visumspflicht ist ein Hilfeschrei an die ganze Welt. Die Situation ist aus den Fugen geraten. In der Schweiz scheint es möglich geworden, ein grösseres Kontingen von Flüchtlingen aufzunehmen. Und das können wir uns leisten und müssen wir uns leisten.
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    1. Antwort von Marlene Zelger, 6370 Stans
      Dann nehme ich an, dass Sie sich grosszügig bereit erklären, einige der Flüchtlinge in ihrer Wohnung oder ihrem Haus zu beherbergen, mit allem, was dazu gehört. Die Schweiz ist nicht das einzige Land in Europa, sie ist zudem sehr klein, und übrigens tut die Schweiz schon lange, was in ihrer Möglichkeit steht. Sie lahd sich bigott nid la lumpä - wie es im Volksmund so treffend heisst !!!
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    2. Antwort von m.mitulla, wil
      @M.Zelger. Da haben Sie absolut Recht - das sollte ich tun. Ich wäre damit allerdings persönlich überfordert. Ich meine auch nicht, dass die Schweiz alle Flüchtlinge der Welt aufnehmen soll - aber immerhin einige Tausend. Es handelt sich um eine Ausnahmesituation in Syrien, bei welcher unser Land- und übrigens auch die GANZE Welt helfen soll. Ein Frieden im Nahen Osten ist auch in unserem Interesse. Trotzdem sollen Schlepper konsequent verfolgt werden und hauptsächlich Hilfe vor Ort erfolgen.
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