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International Syrien droht ein Stellvertreterkrieg

Am Montag begann die UNO-Generaldebatte, jetzt endet sie: Fünf Tage, in denen in der Syrienfrage leise Hoffnungen zu grossen Frustrationen wurden. Russisches Reden und Handeln klaffen weit auseinander. Moskau betonte, man wolle allein die IS-Terrormiliz bekämpfen. Doch kaum jemand glaubt daran.

Legende: Video FOKUS: Wladimir Putin trifft auf Barack Obama abspielen. Laufzeit 05:23 Minuten.
Aus 10vor10 vom 28.09.2015.

Das Treffen zwischen Barack Obama und Wladimir Putin Anfang Woche verlief zwar mühsam. Am Ende bestand dennoch Hoffnung, es könnte im Syrienkonflikt zum Schulterschluss, zu einem politischen Friedensprozess kommen. Es gab einen gemeinsamen Nenner: Die Abscheu vor den blutrünstigen Dschihadisten.

Jetzt sieht alles anders aus

Fünf Tage Diplomatie und zwei Tage russische Luftangriffe später sieht fast alles anders aus. Zumal die Angriffe nicht nur oder nicht mal primär dem sogenannten «Islamischen Staat» gelten.

Aussenminister Sergej Lawrow beteuert zwar vor UNO-Korrespondenten: Wenn etwas wie ein Terrorist aussehe, wie ein Terrorist handle, wie ein Terrorist gehe, dann sei es ein Terrorist. Diese, nur diese greife Russland an.

Westliche Luftwaffen verdrängen?

Die Amerikaner und längst nicht nur sie, glauben das nicht. Aussenminister John Kerry: Lawrow erwidert auf kritische Fragen bloss, man solle den Amerikanern, vor allem dem Pentagon nichts glauben, was die russischen Luftschläge angehe. Bloss: Zu viele Indizien sprechen gegen die russische Version.

Auch die Tatsache, dass Moskau Abfangjäger und potente Fliegerabwehrsysteme nach Syrien bringt - obschon die Islamisten gar keine Flugzeuge besitzen. Geht es also doch darum, westliche und arabische Luftwaffen aus dem syrischen Luftraum zu verdrängen - statt, wie Moskau weiter behauptet, mit ihnen zu kooperieren?

Gefahr direkter Konfrontation

Skrupellosigkeit, Kaltschnäuzigkeit und ein über lange Zeit aufrechterhaltenes Doppelspiel zwischen Reden und Taten, bewies Putin schon in der Ukraine. Dass sich der Westen militärisch strikte heraushielt und keine Waffen an die Ukraine lieferte, verhinderte da eine Eskalation.

Jetzt, in Syrien, stehen sich aber die US-geführte und die russische Luftwaffe im selben Land gegenüber. Ein Stellvertreterkrieg, nach dem Modell des Kalten Kriegs, beginnt. Die Gefahr direkter Konfrontationen und von Abschüssen ist gross. Die Folgen wären dramatisch.

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24 Kommentare

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  • Kommentar von Werner Christmann (chrischi1)
    Du meine Güte. Geht jetzt das ganze Propagandatheater wie in der Ukrainekrise wieder gegen Russland los? Russland ist und war immer ein verlässlicher Partner. Und wenn Russland sagt wir bekämpfen Terroristen, dann bekämpfen sie alle Terroristen. Da gibt es eine klare Linie, nicht wie bei den USA. Die beliefern mal alle mit Waffen. Dann unterstützen sie sogenannt "gemässigte Terroristen" (wenn ich das nur schon lese wird mir übel), die dann wild die Fronten wechseln.
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  • Kommentar von Kerzenmacher Boris (zombie1969)
    B. al-Assad hat derzeit kein Interesse an einer Schwächung des Daesh (IS), weil die Terroristen seine Chance sind, dass der Westen wieder mit ihm verhandelt,um so den Bürgerkrieg unter Kontrolle zu bekommen. Denn mit dem Daesh will und kann der Westen nicht verhandeln. Es ist für den Westen blamabel genug, dass er mit KSA einen Staat anerkennt, der die Menschenrechte seit langem brutal mit Füssen tritt und obendrein noch seinen extremen Islam mit Moscheebauten und Imamen in alle Welt exportiert.
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    1. Antwort von Kerzenmacher Boris (zombie1969)
      2) Nur mit B. al-Assad zu reden wird aber nicht reichen. Manche Syrer sind derart verzweifelt, dass sie sich den Islamisten anschliessen. Da muss eine andere Lösung gefunden werden. B. al-Assad muss weg und der Daesh! Damit die Syrer und Iraker neu anfangen können. Nur wie?
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  • Kommentar von N. Belg (Sinilga)
    "Die ersten Informationen über zivile Opfer waren erschienen, noch bevor unsere Flugzeuge in den Himmel stiegen. Wir waren auf solche Informationsattacken vorbereitet. Andere Nationen bombardieren seit über einem Jahr und dies ohne UN-Mandat oder Einladung durch Damaskus. Wir verfügen über solche explizite Bitte von Seite der Syrischen Regierung". W.Putin. Wenn alle so an den internationalen Gesetzen angehalten hätten, wäre ein "bisschen" oder mehr Ordnung auf der Welt.
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