Syrienkonflikt: Blauhelme blasen zum Rückzug

Dramatische Entwicklung im syrischen Bürgerkrieg. Nach heftigen Gefechten zwischen Rebellen und Regierungstruppen im Grenzland zu Israel zieht Österreich seine Blauhelm-Soldaten vom Golan ab.

UNO-Transporter am Grenzübergang.

Bildlegende: Die Rebellen haben die UNO-Truppen überwältigt. Keystone

Seit bald 40 Jahren sichern UNO-Soldaten auf den Golanhöhen den Grenzstreifen zwischen Israel und Syrien. Immer wieder kam es in der Pufferzone zu einzelnen Scharmützeln. Doch nun spitzt sich die Lage zu.

Die syrische Stadt Kunaitra ist offenbar schwer umkämpft. Rebellen brachten den einzigen Grenzübergang zu Israel vorübergehend unter ihre Kontrolle. In der Zwischenzeit sollen syrische Regierungstruppen die Aufständischen zurückgedrängt haben.

Als Reaktion auf die Kampfhandlungen zieht nun Österreich seine UNO-Soldaten der UNDOF-Mission zurück. Das kündigte Österreichs Bundeskanzler Werner Faymann an.

Friedensmission gefährdet

Österreich stellt mit 380 Soldaten etwa ein Drittel der UNO-Truppe, die auf dem Golan die Einhaltung der Waffenstillstandsvereinbarung Israels mit Syrien überwacht. Das Verteidigungsministerium habe in den vergangenen Wochen eine nachhaltige Verschlechterung der Lage festgestellt, heisst es in der Erklärung Faymanns: «Die Freiheit der Bewegung im Raum ist de facto nicht mehr gegeben. Eine unkontrollierte und unmittelbare Gefährdung der österreichischen Soldaten ist auf ein inakzeptables Mass angestiegen.»

Israel erklärte laut Militärangaben die Region rings um den Übergang auf israelischer Seite zum Sperrgebiet. Bauern dürften auf keinen Fall zur Arbeit auf die Felder. Nach Augenzeugenberichten schlug eine Granate in einem UNO-Lager auf der syrischen Seite ein.

Neben den Österreichern sind noch Kontingente aus Indien und den Philippinen auf den Golanhöhen stationiert. Auch Schweizer Soldaten leisten im Grenzgebiet Friedensdienst. Insgesamt sind sieben unbewaffnete Blaumützen als Militärbeobachter am UNSTO-Einsatz beteiligt, sagt Sandra Stewart von Swissint. Akuten Handlungsbedarf sei derzeit nicht gegeben.

Über einen allfälligen Abzug der Schweizer Soldaten müssten das VBS und das EDA entscheiden, so Stewart gegenüber SRF News Online. Die Sicherheitslage werde aber täglich analysiert, schreibt das VBS auf Anfrage.

Vier Jahrzehnte im Dienst des Friedens

Israel hatte die Golanhöhen im Sechstagekrieg 1967 von Syrien erobert und später annektiert. Beide Länder befinden sich offiziell im Kriegszustand. Ein Jahr nach dem Jom-Kippur-Krieg von 1973 wurde die Einrichtung einer Pufferzone unter UNO-Kontrolle vereinbart. Dort dürfen sich eigentlich nur UNO-Beobachtertruppen aufhalten.