«Syrische Opposition könnte sich weiter zerstreiten»

Der Chef der wichtigsten syrischen Oppositionsgruppe ist zurückgetreten. Für die Regime-Gegner ein Schlag ins Gesicht. Denn Muas al-Chatib hätte die zerstrittenen Parteien einen sollen. Syrien-Experten vermuten hinter dem plötzlichen Abgang eine grosse Enttäuschung über das Verhalten des Westens.

Muas al-Chatib hatte am Sonntag nach nur vier Monaten im Amt überraschend seinen Rücktritt erklärt. Seine Weggefährten wollten ihn allerdings nicht ziehen lassen: Sie lehnten den Rücktritt ab und forderten al-Chatib auf, seine Arbeit als Präsident der syrischen Koalition wieder aufzunehmen.

Muas al-Chatib mit einem Kopfhörer.

Bildlegende: Er will nicht mehr: Muas al-Chatib tritt ab. Verantwortlich ist laut Experten mangelnde Unterstützung aus dem Westen. Keystone

Für die Journalistin und Syrien-Kennerin Kristin Helberg liegen die Gründe für den überraschenden Rücktritt al-Chatibs an der mangelnden Unterstützung des Westens, vor allem aus der EU und den USA. Dies sagt sie im Interview mit Radio SRF.

Es gebe zwei Konflikte, welche die nationale Koalition – welche tief zerstritten ist – beschäftigten. Al-Chatib hatte Verhandlungen mit dem Assad-Regime angeboten, obwohl dieser keinen Rücktritt versprochen hatte. Zudem habe al-Chatib laut Kristin Helberg auch Regimevertreter ohne Blut an den Händen an einer neuen Regierung beteiligen wollen.

Kann Verantwortung nicht wahrnehmen

Die Koalitonsgegner unter den Muslimbrüdern hatten dagegen eine Übergangsregierung gebildet und einen Ministerpräsidenten ernannt: in den Augen al-Chatibs ein Fehler. Die Übergangsregierung sei ohne westliche Unterstützung zum Scheitern verurteilt, so al-Chatibs Meinung.

Er fordere eine viel konkretere und massivere finanzielle Unterstützung aus dem Westen sowie Waffenlieferungen an die freie syrische Armee. Al-Chatib habe das Gefühl, er könne den Aufständischen nicht genügend bieten, glaubt Kristin Helberg. Er trage aber die Verantwortung. Und dazu sei er nicht mehr bereit.


Einschätzungen zum Abgang al-Chatibs

4:33 min, aus SRF 4 News aktuell vom 25.03.2013

Die Konsequenzen könnten laut der Syrien-Expertin jedoch verheerend sein: Es bestehe die Gefahr, dass die nationale Koalition sich auflöse, sich zersplittere. Al-Chatib sei eine sehr glaubwürdige Person. Der neu gewählte Ministerpräsident Ghassan Hitto dagegen lebe in den USA, sei praktisch unbekannt in Syrien.

Wenn die Koalition sich noch weiter zerstreite, könne sie sich ins eigene Fleisch schneiden: Denn gerade jetzt würden die EU und die USA sich überlegen, wen sie unterstützen. Das Bild einer Opposition, die sich nicht einigen kann, sei dem nicht gerade förderlich.