Täter oder Opfer: Gupta-Clan in Südafrika scheidet die Geister

Drei indische Brüder bestimmten die südafrikanischen Geschicke mit – haben sie im Land doch ein Handelsimperium erbaut. Doch wie weit ist ihre Beeinflussung der Politik unvermeidbar? Und wo geschieht diese gezielt? Südafrika muss nun beweisen, ob es Korruption erkennen und differenzieren kann.

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Gupta-Skandal in Südafrika

1:59 min, aus Tagesschau am Mittag vom 1.8.2016

Jacob Zuma dürften zurzeit Sorgen plagen. Beobachter sagen der Partei des Präsidenten ANC bei der Gemeindewahl vom kommenden Mittwoch happige Verluste voraus. Der Grund: In den Augen vieler Südafrikaner steht Zuma für das politische Übel: für Misswirtschaft und für Korruption.

Und nun kommt auch noch der Gupta-Clan in Spiel: eine reiche, indische Familien-Dynastie, die eng verbandelt ist mit dem Präsidenten. Kürzlich wurden alle Bankkonten der Familie gesperrt. Das sehen die einen als echte Korruptions-Bekämpfung, die anderen als ungerechtfertigte Hatz.

Den Posten des Finanzministers angeboten

Die Guptas sind drei Brüder, die 1993 von Indien nach Südafrika emigrierten und in der Folge ein Imperium aufbauten. Eine Zeitung, eine Fernsehstation, Minen und Computer – die Guptas beschäftigen heute über 7500 Mitarbeiter.

Ihre Freundschaft mit Präsident Jacob Zuma ist kein Geheimnis. Doch im Frühjahr ist ein Parlamentarier mit einer schockierenden Behauptung an die Öffentlichkeit gelangt. Mcebisi Jonas: «Mitglieder der Gupta-Familie boten mir die Position des Finanzministers an, der damalige Minister sollte ersetzt werden.»

«Das kann nicht sein», hielt Nazeem Howa, Chef der südafrikanischen Gupta-Familienholding entgegen: «Als ich das hörte, habe ich sofort die beiden beschuldigten Familienmitglieder getroffen und sie gefragt, was hier los sei. Der eine sagte, er sei zu der Zeit gar nicht im Land gewesen, und zeigte mir seinen Pass. Die Stempel darin bestätigten seine Aussage.»

Sämtliche Konten der Familie gesperrt

Nichtsdestotrotz haben in der Folge die vier grössten Banken Südafrikas sämtliche Konten der Guptas gesperrt.

Das kritisiert Robert Vivian, Professor für Ökonomie an der Wits Universität in Johannesburg und sein Kollege in einem wissenschaftlichen Papier. «Es ist möglich, ein Unternehmen zu zerstören, indem man seine Bankkonten sperrt. Hier geschah dies allerdings nicht nach Prinzipien des Rechtsstaats. Bevor Bankkonten eines Unternehmens geschlossen werden, das illegal gehandelt hat, braucht es eine Untersuchung und eine formelle Anklage.»

Schreibt der Mob das Recht?

Öffentlichkeit und Presse sehen das indes anders. Die vorherrschende Meinung ist, dass die Guptas den Staat quasi übernehmen wollten, korrupt seien und die Sperrung der Konten zurecht erfolgt sei.

Dazu Professor Vivian: «Sind Medien und Öffentlichkeit zufriedengestellt, ändert sich nichts am Vorgehen. Aber dann wurde das Recht sozusagen von einem institutionalisierten Mob geschrieben.»

Sind die Guptas Opfer oder Täter? Die Affäre stellt den Umgang Südafrikas mit der Korruptionsbekämpfung vor eine Bewährungsprobe.