Taliban sabotieren Präsidentenwahl in Afghanistan

Die Afghanen wählen am Samstag einen neuen Präsidenten. Seit Wochen ist der Wahlkampf von Anschlägen überschattet, vor allem in der Hauptstadt Kabul. Am Mittwoch sprengte sich ein Selbstmordattentäter vor dem Innenministerium in die Luft. Mindestens sechs Polizisten kamen um.

Eine Bäckerei mit Fladenbrot in Kabul. Im Vordergrund ein junger Mann, der Bäcker.

Bildlegende: Der Bäcker will trotz den Anschlägen der Taliban wählen gehen SRF

In diesen Tagen lautet die grosse Frage in Kabul nicht, ob es einen nächsten Anschlag geben wird, sondern wann und wo. Beinahe täglich nehmen die Sicherheitskräfte in Kabul Selbstmordattentäter fest. Andere, wie der Attentäter vom Mittwoch, der sich als Soldat verkleidet hatte, schaffen es bis zu ihrem Ziel.

Sicherheitskräfte alarmiert

Rangin Dadfar Spanta, der nationale Sicherheitsberater, sagt im bunkerähnlichen Präsidentenpalast, dass ab heute alle Sicherheitskräfte in höchste Alarmbereitschaft versetzt worden seien. Denn: «Die Taliban werden mit allen Mitteln versuchen, den Wahlprozess zu stören und Menschen umzubringen. Aber wir haben alle Massnahmen getroffen.»

In Kabul reichten diese Massnahmen in den letzten Wochen nicht aus. Am vergangenen Samstag griffen Taliban-Kämpfer die Wahlkommission an. Tage zuvor hatten Angreifer ein Gästehaus gestürmt, das von Ausländern bewohnt wurde. Die ausländischen Mitarbeiter einer Hilfsorganisation versteckten sich unter Betten und in Schränken, bis sie schliesslich befreit und die Terroristen erschossen wurden.

Und vor zwei Wochen drangen vier junge Taliban-Kämpfer in das schwer gesicherte Luxus-Hotel Serena ein und erschossen neun Personen. Zwei von drei ausländischen Teams von Wahlbeobachtern reisten danach sofort ab.

«Für das Land, gegen die Taliban»

In der Hauptstadt herrscht seither ein Klima der Angst und Verunsicherung – auch in einer lokalen Bäckerei, wo Nawruz und seine Kollegen täglich 2000 Brote backen. Nawruz sagt: «Natürlich habe ich Angst, aber ich werde trotzdem wählen gehen, für mein Land und gegen die Taliban.»

Bei den letzten Wahlen 2009 blieben viele Afghanen zu Hause, weil sie sich vor Anschlägen der Taliban fürchteten. Am kommenden Samstag wird das nicht anders sein. Die Islamisten können die Präsidentenwahl zwar nicht verhindern, aber stören können sie sie sehr wohl.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Wenig Hoffnung im Wahlkampf von Afghanistan

    Aus Tagesschau vom 6.2.2014

    Am 5. April wird in Afghanistan ein Präsident gewählt. Dieser soll das Land rüsten für die Zeit nach dem Abzug der internationalen Truppen. Damit das Land zu Frieden finden kann, muss eine Einigung mit der Taliban gefunden werden.

  • Der Traum vom Leben in Europa

    Aus Tagesschau vom 9.10.2013

    Täglich wagen Menschen die Flucht aus Afrika, Syrien oder Afghanistan nach Europa. Viele von ihnen versuchen auf dem Seeweg in die «Festung Europa» zu gelangen. Welche Strecke wählen sie und warum?

  • Afghanistan – Skirennen im kriegsversehrten Land

    Aus sportlounge vom 18.4.2011

    Zwei Schweizer haben sich aufgemacht, um den Afghanen das Skifahren beizubringen. Denn dieses Land hat auch unberührte Berggipfel, wilde Natur und Schneehänge. Die beiden Schweizer wollten damit einen nachhaltigen Tourismus initiieren – ein ambitioniertes Unterfangen, denn mit Skifahren hatten die Afghanen bisher nichts am Hut. Begeisterung und Lerneifer der Einheimischen liessen denn auch zu wünschen übrig; bis zuletzt stand die Durchführung des ersten Skirennens in Afghanistan auf der Kippe.