Tanti Problemi an der Expo 2015

Die geplante Weltausstellung in Mailand gleicht noch einer Grossbaustelle. Die Zeit wird knapp, in zwei Wochen sollen die Tore geöffnet werden. Gastgeberland Italien kämpft gegen die Mafia und den Schlendrian.

Das Gute vornweg: Im Wallis sind vier Personen ausgewählt worden, die an der Weltausstellung in Milano während sechs Monaten zwischen 10 Uhr und 22 Uhr hinter dem Raclette-Ofen stehen werden. Obwohl die Anforderungen hoch waren, hatten sich mehr als hundert Personen um den Job beworben.

Der fertig gestellte Pavillon mit dem Richtfest-Baum.

Bildlegende: Der Schweizer Pavillon an der Weltausstellung 2015 in Mailand. Das Richtfest fand bereits im Januar statt. Keystone

Weinkarte schon fertiggestellt

Auch sonst ist die Schweiz im Fahrplan. Die Arbeiten am Schweizer Pavillon sind praktisch abgeschlossen. Die Gotthardkantone präsentierten heute ihre Arbeiten. Und: Die Weinkarte für das Schweizer Restaurant – seit dieser Woche auch schon fertig zusammengestellt.

Die Schweiz ist aber nur eins von 141 Ländern, die in Mailand auftreten. Die Zahl 141 ist allerdings keine feste Grösse. Gemäss SRF-Korrespondent Alexander Grass ist diese Zahl schwankend. Länder wie Indien, Ukraine, Mali, Syrien und die zentralafrikanische Republik sind schon abgesprungen. Von vornherein fehlen alle Länder Nordeuropas. Dafür verantwortlich: Italien. Das Bild, das Grass vom Gastgeberland zeichnet, ist erschütternd. Ein Gespräch über Pleiten, Pech und Pannen im bel paese.

SRF: Herr Grass, erste Frage: Werden am 1. Mai die Tore für die Expo geöffnet?

Alexander Grass: Ja. Der Besucher wird aber viele Pavillons noch nicht in fertiggestelltem Zustand erleben. 65% der Arbeiten sind noch nicht abgeschlossen. Auch Grossstaaten wie China und Russland werden das Stichdatum überschreiten. Selbst Italien wird vermutlich erst im Juni fertig.

Das Gastgeberland baut noch einen Monat länger an seiner Präsentation?

Leider. Am 13. März wurde ein Auftrag ausgeschrieben zum Bau eines speziellen Plastikvorhangs. Dieser wird die Baustellen blickdicht abdecken, so dass der Besucher wenig von der Verzögerung erfährt. Aber das ist noch nicht alles. Autobahnen, U-Bahnverbindungen, neue Zuggeleise wurden versprochen. Die Realität zwei Wochen vor der Eröffnung sieht trist aus. Die Versprechungen wurden nur teilweise eingehalten.

Wie konnte es zu diesem Chaos kommen?

Bild von Alexander Grass

Bildlegende: SRF-Korrespondent Alexander Grass SRF

Zum einen liegt das sicher am lokalen Baugewerbe, das total überfordert ist. Dann kommt an nächster Stelle aber auch die Mafia, die sich bis nach Norditalien ausgedehnt hat.

Wie reagiert die italienische Bevölkerung auf diese Zustände?

Bei den Menschen in Norditalien spüre ich ein grosses Bedauern. Man fühlte sich jahrzehntelang immun gegenüber den Einflüssen der Mafia. Nun kämpft auch der stolze Norden Italiens gegen Bestechungsgelder und Korruptionsversuche. Von linksautonomer Seite war von Protestaktionen während der Expo-Eröffnung zu hören.

Haben Sie Angst, an die Expo zu gehen?

Nein. Die Sicherheitsvorkehrungen an dieser Grossveranstaltung sind immens. Sogar Bauarbeiter müssen sich hier täglich einer minutiösen Inspektion stellen.

Das ist doch mal etwas Positives!

Das stimmt. Wichtig wäre aber auch mal zu erfahren, wo, wann und mit wem die Podienveranstaltungen stattfinden. Denn das Thema «Den Planeten ernähren, Energie für das Leben» ist hochbrisant. Man hofft Antworten auf Ernährungsfragen von grossen Nahrungsproduzenten zu erfahren.


Ein Stück Gotthard in Mailand

2:11 min, aus Rendez-vous vom 15.04.2015

Was wird von der Expo 2015 bleiben?

Das kommt auf die Veranstalter an. Die grosse Herausforderung wird sein, möglichst wenig Werbung für Produkte zu machen und möglichst viel Spannendes zum Thema zu vermitteln. Weltausstellungen in früheren Zeiten setzten immer wieder Fussabdrücke in die Landschaft. Beispiele sind der Eiffelturm an der Weltausstellung 1889 in Paris oder das Atomium in Brüssel von 1958. Später verknüpfte man einzelne Weltausstellungen mit brisanten Zukunftspostulaten. 1964 verhiess IBM in New York Computer mit künstlicher Intelligenz.

Herr Grass, Sie bereisten als Korrespondent schon andere Grossveranstaltungen. Werden Sie Ihren Enkelkindern von der Expo 2015 erzählen?

Wohl kaum.