Taucher bergen weitere Leichen vor Lampedusa

Vor der italienischen Mittelmeerinsel Lampedusa werden immer mehr ertrunkene Bootsflüchtlinge geborgen. Die Opferzahl ist auf über 280 angestiegen – weitere Tote werden befürchtet. Angesichts des Dramas wollen die EU-Innenminister sich nun mit ihrer gemeinsamen Flüchtlingspolitik auseinandersetzen.

Italienische Soldaten tragen einen Leichensack

Bildlegende: Während in Italien weiter Tote geborgen werden, kommt eine Debatte über die europäische Einwanderungspolitik in Gang. Keystone

Taucher haben weitere Leichen aus dem gesunkenen Flüchtlingsschiff geborgen, wie die Nachrichtenagentur Ansa vermeldete. Die Opferzahl beträgt nach den neusten Angaben mindestens 280. Die Rettungskräfte befürchten weitere Tote.

Nach Angaben von Überlebenden befanden sich 518 Personen an
Bord. Doch nur 155 konnten lebend aus dem gesunkenen Schiff gerettet werden. Bis auf einen Tunesier sollen sie aus Eritrea stammen. Das Schiff mit den Migranten war am Donnerstag vor der Insel in Flammen aufgegangen und gekentert.

Inzwischen wurde auch der Kapitän festgenommen. Gegen den 35-jährigen Tunesier wird unter anderem wegen mehrfachen vorsätzlichen Totschlags und Havarie ermittelt.

«  Es ist eine Schande, dass die EU Italien mit dem Flüchtlingsstrom aus Afrika so lange allein gelassen hat. »

Martin Schulz
EU-Parlamentspräsident

Die EU-Innenminister haben nun die Flüchtlingspolitik ganz oben auf die Agenda ihres Treffens in Luxemburg gesetzt – auf Antrag von Italien. Angesichts des Ausmasses der Katastrophe sind Forderungen nach einem grundlegenden Umbau der europäischen Flüchtlingspolitik laut geworden.

«Es ist eine Schande, dass die EU Italien mit dem Flüchtlingsstrom aus Afrika so lange allein gelassen hat», sagte EU-Parlamentspräsident Martin Schulz der Zeitung «Bild». Die Flüchtlinge müssten in Zukunft gerechter auf die EU-Mitgliedsstaaten verteilt werden.

Beschlüsse über eine Neuausrichtung der europäischen Flüchtlingspolitik werden an dem Treffen nicht erwartet.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Eine Gruppe Flüchtlinge wartet in Lampedusa auf den Weitertransport in ein Flüchtlingscamp auf dem italienischen Festland.

    Europas Flüchtlingspolitik im Fokus

    Aus Echo der Zeit vom 7.10.2013

    Noch immer sind viele Fragen rund um die Flüchtlingstragödie vor der Mittelmeerinsel Lampedusa ungeklärt.

    Gespräch mit Christopher Hein, der vor 25 Jahren beim Uno-Flüchtlingswerk Unhcr ausgestiegen ist; seither ist er Direktor der Nichtregierungsorganisation «Italienischer Flüchtlingsrat» (CIR).

    Roman Fillinger