Tausende gedenken Boris Nemzows

Geschätzte 20'000 Anhänger der russischen Opposition haben in der russischen Metropole einen Gedenkmarsch abgehalten.
Die Hintergründe der Tat sind ein Jahr nach der Ermordung des Kremlkritikers nach wie vor ungeklärt. Nemzows Tochter fordert deshalb eine internationale Kontrolle der Ermittlungen.

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Boris Nemzow – Tod an der Kremlmauer

1:49 min, aus DOK vom 24.2.2016

Demonstranten gedenken Boris Nemzow

Bildlegende: Russische Medien und Augenzeugen zufolge demonstrierten an die 20‘000 Personen in Moskau. Reuters

Ein Jahr nach der Ermordung des Regierungskritikers Boris Nemzow haben Tausende Anhänger der russischen Opposition einen Gedenkmarsch durch Moskau abgehalten. Zugleich forderten sie eine Ablösung von Präsident Wladimir Putin. In über 50 anderen Städten in Russland und im Ausland wurde ebenfalls des Reformpolitikers gedacht.

Die Moskauer Polizei, die mit einem starken Aufgebot im Einsatz war, sprach von 7500 Teilnehmern. Russische Medien und Augenzeugen setzten die Zahl wesentlich höher bei 20‘000 an. Der frühere Ministerpräsident Michail Kasjanow, Spitzenkandidat der Opposition für die kommende Parlamentswahl, marschierte an der Spitze des Zuges mit.

«Wir vergessen und vergeben nicht», riefen die Demonstranten. Einige trugen Plakate mit der Aufschrift: «Ich fürchte mich nicht». Viele führten russische Fahnen mit, an denen ein Trauerflor hing. Sie wollten damit Vorwürfe der Staatsführung entkräften, die Kritiker als Vaterlandsverräter oder «fünfte Kolonne» abtut.

Tat bislang ungeklärt

Für den Marsch in Moskau hatten die Behörden nur eine Route genehmigt, die nicht am Tatort vorbeiführt. Allerdings wollten viele Teilnehmer nach der Kundgebung Blumen auf der Brücke über den Fluss Moskwa niederlegen, auf der Nemzow erschossen worden war. Obwohl mehrere Verdächtige aus der Nordkaukasus Tschetschenien in Untersuchungshaft sitzen, gelten die Hintergründe als ungeklärt.

Nemzows Tochter Schanna sieht im tschetschenischen Machthaber Ramsan Kadyrow einen Drahtzieher. Sie fordert, dass er vor Gericht aussagen muss und dass es eine internationale Kontrolle der Ermittlungen gibt. Schanna Nemzow zufolge habe Kadyrow Oppositionelle wie ihren Vater als Verräter beschimpft.

Kadyrow sagte zum Vorwurf von Nemzows Tochter: «Nemzow bedeutet mir überhaupt nichts, er hat mich nicht gestört. Das war nicht mein Niveau.»

Vizeregierungschef unter Jelzin

Der ehemalige russische Vizeregierungschef Nemzow war am 27. Februar 2015 in Sichtweite des Kremls erschossen worden. Nemzow war unter Präsident Boris Jelzin in den 1990er Jahren einer der jungen, liberalen Reformer und Privatisierer, die in der Bevölkerung aber auch für die massenhafte Verarmung verantwortlich gemacht werden. Als Putin eigene Vertraute in die Regierung brachte, wurde der charismatische Nemzow zur zentralen Figur in der zerstrittenen Opposition.