Tauziehen um Waffenruhe – trotzdem weniger Kämpfe

Nach der Verkündung einer 24-stündigen Waffenruhe durch die radikal-islamische Hamas sind die Kämpfe im Gazastreifen am Nachmittag abgeflaut. Allerdings flogen auch nach dem angekündigten Beginn der Feuerpause noch Raketen in Richtung Israel.

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Feuerpause in Gaza gebrochen

1:21 min, aus Tagesschau vom 27.7.2014

Ministerpräsident Benjamin Netanjahu stellte die Waffenruhe der Hamas nach weiteren Raketenangriffen infrage und liess es offen, ob sich Israel anschliesst. Dem Sender CNN sagte er: «Die Hamas hält sich noch nicht einmal an ihre eigene Feuerpause. Sie beschiessen uns sogar, während wir hier miteinander sprechen.»

Am Samstag hatten nach fast drei Wochen ununterbrochener Kämpfe erstmals die Waffen für längere Zeit geschwiegen. Die Bewohner des abgeriegelten Gazastreifens nutzten die Atempause, um Tote zu bergen und sich mit Lebensmitteln einzudecken.

Zwei Drittel der Opfer Zivilisten

Israel hatte am Samstag die unter internationaler Vermittlung zustande gekommene und von beiden Seiten eingehaltene zwölfstündige Feuerpause einseitig bis Sonntag Mitternacht Ortszeit verlängert. Am Morgen wurde Israel aber wieder mit Raketen beschossen. Im Süden und in der Mitte des Landes wurde Luftalarm ausgelöst.

Nach Militärangaben gingen mindestens fünf Raketen in Israel nieder, zwei weitere wurden vom Abwehrsystem Iron Dome abgefangen. Daraufhin nahm Israel seine Offensive im Gazastreifen wieder auf.

Bei diesen Angriffen starben nach Angaben palästinensischer Ärzte mindestens zehn Menschen. Damit sind nach palästinensischen Angaben im Gazastreifen seit dem 8. Juli 1060 Menschen getötet worden, mehr als zwei Drittel der Opfer sind demnach Zivilisten. Mehr als 6000 Menschen wurden verletzt. Auf der israelischen Seite kamen 43 Soldaten und drei Zivilisten ums Leben.

Einwöchige Feuerpause gefordert

Das erklärte Ziel der israelischen Streitkräfte ist die Zerstörung des Tunnelsystems der Hamas. Aus israelischer Sicht dienen die Stollen als Waffenlager und Bunker. Die Hamas fordert die Aufhebung der Blockade gegen den Gazastreifen.

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Die Hamas erhält Unterstützung von Katar

1:55 min, aus Tagesschau vom 26.7.2014

Im Gazastreifen haben der Artilleriebeschuss und die Luftangriffe grossflächige Zerstörungen hinterlassen. Viele Einwohner brachen in Tränen aus, als sie am Samstag erstmals sichere Unterstände verlassen konnten und ihre häufig schwer beschädigten oder zerstörten Häuser aufsuchten.

Angesichts des Ausmasses des Krieges forderten die Aussenminister der USA, Frankreichs, Deutschlands, Grossbritanniens, Italiens, Katars und der Türkei auf einer Konferenz in Paris ein Ende des Blutvergiessens. Ein greifbares Ergebnis wurde nicht bekannt. UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon appellierte an beide Seiten, eine einwöchige Feuerpause zu vereinbaren.

Obama fordert Feuerpause

US-Präsident Barack Obama hat von den Konfliktparteien im Nahen Osten eine bedingungslose Feuerpause verlangt. Es müsse eine Waffenruhe aus humanitären Gründen geben. Langfristig sollen demnach extremistische Gruppen im Gazastreifen entwaffnet und das Küstengebiet zu einer entmilitarisierten Zone werden.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Waffenruhe in Gaza

    Aus Tagesschau vom 26.7.2014

    Nach tagelangen Kämpfen in Gaza konnten sich die Parteien auf eine zwölfstündige Feuerpause einigen. In Paris versuchen unterdessen, die versammelten Aussenminister zwischen den Konfliktparteien zu vermitteln.

  • Der UNRWA-Chef in einer zerstörten Schule in Gaza

    "Die Zivilbevölkerung muss besser geschützt werden"

    Aus Echo der Zeit vom 26.7.2014

    Zwölf Stunden lang ruhen im Gazastreifen die Waffen. Zeit für die Palästinenser, Tote zu bergen und Lebensmittel zu besorgen. Ein Gespräch mit Pierre Krähenbühl, dem Chef des Uno-Hilfswerks für Palästinaflüchtlinge, über den Beschuss von Uno-Schulen und das Gefängnis Gaza.

    Roman Fillinger