Ted Cruz: Mit Gottes Hilfe für ein besseres Amerika

Sein Ziel: US-Präsident. Seine Mittel: die verbale Brechstange, Kompromisslosigkeit und eine gehörige Prise Gottesgläubigkeit. Die Person: ein Erzkonservativer, der manch konservativem Republikaner sogar zu radikal ist. Die Rede ist von Rafael Edward «Ted» Cruz – ein Porträt.

Ted Cruz, Hand ausgestreckt.

Bildlegende: Ted Cruz hat im US-Senat und bei den Republikanern nur wenige Freunde. Reuters

Zerstörer, Polarisierer, Bombenleger, Unruhestifter, durchgeknallter Vogel, politisch Radikaler und Shooting Star der Tea-Party. Das sind nur einige Attribute, mit denen internationale Medien den knallharten Senator aus Texas betiteln. Als solch «durchgeknallter Vogel» hätte Ted Cruz in normalen Zeiten keine Chance, Kandidat der Republikaner im Rennen um das Weisse Haus zu werden. Aber beim 45-jährigen Ted Cruz ist wenig normal. Wer ist dieser Mann?

Der Papa und Kuba

Bereits die Familiengeschichte des rechten Senkrechtstarters ist interessant: Sein Vater floh 1957 aus Kuba, nachdem er sich mit den Gegnern des Diktators Fulgencio Batista verbündet hatte. Nach dem Sieg der Rebellen um Fidel Castro 1959 kehrte er zurück – aber nur für kurze Zeit. Später ging er endgültig ins Exil.

Cruz senior zog in die kanadische Provinz Alberta und stieg ins Ölgeschäft ein. Dort wurde auch sein Sohn Ted geboren. Das war 1970. Drei Jahre später trennten sich seine Eltern. Bald darauf zogen sie in die USA und liessen sich getrennt in Houston, Texas nieder. Geboren in Kanada und ein kubanischer Vater, kann man mit diesem Hintergrund für das Präsidentenamt antreten? Ja, Ted Cruz kann: Seine Mutter Eleanor ist US-Amerikanerin.

«  Der tiefste Graben liegt nicht zwischen Republikanern und Demokraten, sondern zwischen Washington und dem Volk. »

Ted Cruz
US-Senator

Redegewandt und blitzgescheit

Schon im Alter von 13 Jahren ist der strenggläubige Jugendliche durch Texas gereist und hat die Verfassung auswendig rezitiert. Es folgte das Studium an den Eliteuniversitäten Harvard und Princeton bis 1995. Im Debattierclub von Princeton schliff er seine rhetorischen Fähigkeiten und wurde einer der Besten seines Jahrgangs.

Mit einem glänzenden Abschluss in der Tasche wurde Cruz im Jahr 2000 Berater des Präsidentschaftskandidaten George W. Bush. In dieser Zeit lernte er auch seine Frau Heidi kennen, die jetzt mit den vier und sieben Jahre alten Töchtern des Paares durch Amerika reist und für ihren Mann wirbt.

Später machte sich Cruz einen Namen, indem er den Staat Texas als Generalstaatsanwalt nicht weniger als neunmal vor dem Obersten Gerichtshof vertrat, oft brillant, wie Insider vermerkten. 2012 wählten ihn die Texaner in den US-Senat. Dort profilierte er sich rasch als wortgewaltiger Redner der reinen Tea-Party-Lehre.

«  Vergewaltigung ist ein schreckliches Verbrechen. Doch auch da darf man keine Ausnahme machen, denn es ist ja nicht der Fehler des Babys. »

Ted Cruz
US-Senator

Ted Cruz mit Mikrofon

Bildlegende: «Wenn man Ted Cruz beobachtet, fällt auf, wie oft er die Bibel zitiert», sagt USA-Korrespondent Beat Soltermann. Reuters

Ted Cruz macht immer die gleichen Sprüche, aber die macht er offenbar ziemlich gut. «Ich war vergangene Woche in Washington», sagt er bei Auftritten in der Provinz. Er hält inne, bis erste Buh-Rufe ertönen. Dann sagt er: «Der tiefste Graben liegt nicht zwischen Republikanern und Demokraten», sagt er, «sondern zwischen Washington und dem Volk.» Ted Cruz sieht sich denn auch als Volksvertreter.

Für Cruz ist Washington das Sinnbild des Schlechten. Von dort gehe zu viel Macht aus. Und dies möchte er ändern – ohne seinen evangelikalen Hintergrund zu vernachlässigen. Ein Mann, der sein Tagwerk nicht auf den Knien beginne, sei des Oval Office nicht würdig, sagt Cruz. Die religiöse Rechte im Land steht bei so lauter Frömmigkeit ganz stramm vor Seligkeit. Und beim rechten Tea-Party-Flügel seiner Partei ist er ein Star.

Doch was sind seine Positionen in der Innenpolitik?

  • Homo-Ehe: Abgelehnt.
  • Abtreibungen: Abgelehnt. Und bei einer Vergewaltigung? «Vergewaltigung ist ein schreckliches Verbrechen», sagt Cruz. «Doch auch da darf man keine Ausnahme machen, denn es ist ja nicht der Fehler des Babys.»
  • Cruz will grenzenlose Religionsfreiheit für die USA.
  • Todesstrafe? Nicht abschaffen.
  • Er ist gegen Wirtschaftssubventionen, denn seiner Meinung nach brauchen Unternehmen keine staatlichen Hilfen.
  • Bildungsministerium und Steuerbehörde: gehören abgeschafft. Die Steuerbeamten will Cruz gar an die US-Südgrenze schicken.
  • Die Grenze zu Mexiko will der Erzkonservative zur Festung ausbauen und dafür sorgen, dass mehr Amerikaner bewaffnet sind.
  • Obamas vieldiskutierte Gesundheitsreform? «Bis aufs letzte Wort ausradieren.»
  • Klimawandel? Gibt es nicht.

Und seine Positionen in der Aussenpolitik?

  • Wie soll der IS bekämpft werden? «Komplett zerstören». Warum? Man wolle doch mal sehen, wie man im Kampf gegen den Islamischen Staat den Wüstensand im Dunkeln zum Glühen bringe – ein Bombenteppich soll dabei helfen.
  • Und das Atomabkommen mit dem Iran? «In Stücke reissen». Cruz unterschrieb gar einen Brief an die iranische Führung, wonach bereits der nächste US-Präsident das Atomabkommen annullieren könnte. Auf den gezielten Affront angesprochen – der sich während den delikaten Verhandlungen ereignete – meint Cruz: Beim nächsten Mal unterschreibe er in Grossbuchstaben, «damit der Ayatollah nicht mal zur Lesebrille greifen muss, um meine Unterschrift zu erkennen».
Donald Trump (linke Seite) schüttelt die Hand von Ted Cruz

Bildlegende: Trump oder Cruz? Diese Frage spaltet die Parteispitze der Republikaner. Reuters

Keine Kompromisse

Seit 2013 sitzt Ted Cruz im Senat. Seither hat er sich pausenlos um Aufmerksamkeit, aber nie um Freunde bemüht. Unvergessen bleibt der September 2013. Damals setzte er im Senat zu einer Dauerrede von 21 Stunden und 19 Minuten an – dem sogenannten Filibuster. Damit wollte er die Verabschiedung von Obamacare torpedieren. Gemässigte Republikaner nahmen Cruz dies übel.

Im Haushaltsstreit zettelte Cruz noch im selben Jahr einen Aufstand der Rechten an, der die USA an den Rand der Pleite führte. Während fast zwei Wochen stand die Verwaltung im gesamten Land still, Zweifel an der Kreditwürdigkeit der USA wurden geweckt. Sein Parteifreund John McCain nannte Cruz in der Folge einen «schrägen Vogel», gar «verrückt». Ob er dereinst im Weissen Haus einziehen wird, ist immer noch offen.

Cruz oder Trump?

Die Republikaner fürchten, dass Cruz für den Mainstream zu stark polarisieren könnte. Lindsey Graham, die Anfang Februar aus dem Rennen ums Weisse Haus ausgestiegen ist, brachte die Sorgen vieler Republikaner so auf den Punkt: Die Wahl zwischen Trump oder Cruz sei wie die Wahl zwischen Vergiften oder Erschiessen.

Dies macht auch deutlich: Die Republikaner sind sich alles andere als einig. «Selbst Trump-Anhänger gehen teilweise davon aus, dass ihr Kandidat als Präsident weniger radikal agieren würde, als seine Rhetorik derzeit vermuten lässt», sagt Beat Soltermann. Bei Ted Cruz sei dies anders, sagt der SRF-Korrespondent. Er vertrete im US-Senat konsequent – manche würden sagen stur – seine Ansichten. «Auch wenn er mit seinen Positionen alleine ist oder seine Vorschläge in eine Sackgasse führen.»

«Wenn nun Leute wie Senator Graham ausgerechnet mit Ted Cruz den Neo-Politiker Donald Trump verhindern wollen, zeigt das nur eines – wie gross die Verzweiflung an der Parteispitze ist», sagt Soltermann. Eine weitere Möglichkeit gibt es allerdings: Trump und Cruz zerfleischen sich gegenseitig.

Für dieses Porträt wurden neben Agenturmeldungen Zeitungsartikel der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, der Süddeutschen Zeitung, der Basler Zeitung, Tages-Anzeiger, New York Times sowie Washington Post verwendet.

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