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Djokovic verliert vor Gericht und hat Australien verlassen
Aus Tagesschau vom 16.01.2022.
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Tennisstar ausgewiesen Djokovic hat Australien verlassen – Serbien spricht von Hexenjagd

Ein Gericht stützt den Entscheid der Regierung zur Annullierung von Djokovics Visum. Australien ist erleichtert, Serbien erzürnt – ein Überblick über die Einreiseposse des serbischen Tennisstars.

Das hat das Gericht entschieden: Novak Djokovic hat das juristische Tauziehen gegen die australische Regierung um seine Aufenthaltsgenehmigung verloren. Er darf nicht an den Australian Open in Melbourne teilnehmen und hat das Land bereits verlassen. Das Bundesgericht in Australien hat die Beschwerde des serbischen Tennisprofis gegen die erneute Annullierung seines Visums abgelehnt. Der Entscheid sei einstimmig gefallen, hiess es in der Bekanntgabe der drei Bundesrichter. Die Begründung soll frühestens am Montag erfolgen.

So reagiert Djokovic: Der 34-jährige Serbe liess in einem Statement verlauten, er sei sehr enttäuscht, akzeptiere aber das Urteil: «Ich respektiere die Entscheidung des Gerichts und werde mit den zuständigen Behörden in Bezug auf meine Ausreise kooperieren.» Der Fokus auf seiner Person in den letzten Wochen sei ihm unangenehm gewesen. Doch «ich hoffe, dass wir uns jetzt alle auf das Spiel und das Turnier konzentrieren können, das ich liebe». Djokovic hob um 22:52 Uhr Ortszeit (12:52 MEZ) in Richtung Dubai ab.

So reagiert Serbien: Präsident Aleksandar Vucic kritisiert den Umgang der australischen Behörden mit Djokovic scharf. Seit seiner Ankunft in Australien sei der ungeimpfte Spitzensportler «schikaniert und gequält» worden, sagte Vucic zur britischen BBC. Gegenüber serbischen Medien betont Vucic, gegen Djokovic sei eine «Hexenjagd» entfacht worden. Ähnlich äusserte sich auch die serbische Ministerpräsidentin Ana Brnabic. Djokovics Familie ist enttäuscht. «Wir hatten geglaubt, dass Gerechtigkeit walten würde. Dass nicht das 'öffentliche Interesse' als Vorwand dienen würde für eine Entscheidung», schreibt die Familie in einer Erklärung, die serbische Medien veröffentlichten. Die Politik und ihre Interessen hätten über den Sport gesiegt.

So reagiert Australien: Premierminister Scott Morrison begrüsst den Entscheid der Richter. Dieser sei aus Gründen der «Gesundheit, Sicherheit und der Ordnung» gefallen und «im öffentlichen Interesse» geschehen. «Starke Grenzen sind für die australische Lebensweise von grundlegender Bedeutung – genauso wie die Rechtsstaatlichkeit», schreibt der australische Regierungschef auf Facebook. Jetzt sei es aber an der Zeit, mit den Australian Open weiterzumachen und den Tennis-Sommer wieder zu geniessen.

Der Fall Djokovic – was wann passierte

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Einen Tag vor Start der Australian Open ist Novak Djokovic mit seiner Beschwerde gegen die Annullierung des Visums gescheitert. Ein Rückblick über die juristische Hängepartie:

10. Dezember: Die Frist für den Antrag auf eine Ausnahmegenehmigung zur Teilnahme an den Australian Open endet – für Spieler, die nicht gegen das Coronavirus geimpft wurden. Nur vollständig Geimpfte dürfen an den Start gehen.

16. Dezember: Der nicht geimpfte Djokovic nimmt an einer Veranstaltung der serbischen Post in seinem Heimatland teil. Am Abend erfährt er von seiner Infektion. Das positive PCR-Ergebnis steht in Unterlagen, die seine Anwälte später den australischen Behörden vorlegen. Nach den Regeln in Serbien müssen Covid-Positive, die keine schweren Symptome haben, für 14 Tage in häusliche Isolation.

17. Dezember: Djokovic, der eigentlich in Monaco lebt, ist ohne Maske und Abstand Gast auf einer Preisverleihung für junge Tennisspieler in Serbiens Hauptstadt Belgrad.

18. Dezember: Er hat ein Interview mit Fotoshooting für die französische Sportzeitung «L'Équipe».

22. Dezember: Djokovic hat einen weiteren Test gemacht. Ergebnis nach eigenen Angaben: negativ.

30. Dezember: Djokovic erhält seinen Anwälten zufolge eine Ausnahmegenehmigung für die Australian Open vom Medizin-Chef des australischen Tennisverbands.

Jahreswechsel 2021/2022: Aufnahmen in sozialen Medien zeigen Djokovic in einem Tennisclub im spanischen Marbella.

5. Januar: Djokovic reist nach Australien. Weil er aus Sicht der Behörden nicht die nötigen Dokumente für eine Ausnahmegenehmigung vorlegt, wird ihm die Einreise verweigert. Er kommt in ein Abschiebehotel.

6. Januar: Auf einer bemerkenswerten Pressekonferenz in Belgrad vergleicht Djokovics Vater seinen Sohn mit Jesus Christus. «Jesus wurde gekreuzigt, ihm wurde alles angetan, und er ertrug es und lebt immer noch unter uns», so Srdjan Djokovic. «Jetzt versuchen sie Novak auf die gleiche Weise zu kreuzigen und ihm alles anzutun.»

10. Januar: Ein Gericht in Melbourne gibt Djokovics Einspruch statt und lässt ihn einreisen. Er darf sich frei bewegen. Wenige Stunden später steht er auf dem Trainingsplatz.

11. Januar: Es wird bekannt, dass Djokovic in seinem Einreiseformular angegeben hat, er sei in den 14 Tagen vor dem Flug nach Australien nicht gereist.

12. Januar: Djokovic räumt öffentlich ein Fehlverhalten im Anschluss an seinen positiven Coronatest im Dezember ein. Er bestreitet aber, absichtlich Menschen gefährdet oder falsche Angaben gemacht zu haben.

13. Januar: Bei der Auslosung für die Australian Open ist Djokovic an Nummer eins gesetzt. In Runde eins soll er auf seinen Landsmann Miomir Kecmanovic treffen.

14. Januar: Der australische Einwanderungsminister Alex Hawke nutzt sein persönliches Recht und erklärt das Visum für Djokovic erneut für ungültig. Die Anwälte des Serben legen Beschwerde ein. Ein Bundesgericht soll am Sonntag, 16. Januar, darüber entscheiden.

16. Januar: Das Bundesgericht in Australien lehnt die Beschwerde von Djokovic gegen seine verweigerte Einreise und die Annullierung des Visums ab. Der Tennisstar fliegt am Abend (Ortszeit) aus Australien in Richtung Dubai ab.

Das sagt die Spielervereinigung ATP: Die ATP bedauert die Ausweisung des Weltranglisten-Ersten. Zwar sei der Entscheid des Gerichts letzten Endes zu akzeptieren. «Unabhängig davon, wie dieser Punkt erreicht worden ist, ist Novak einer der grössten Champions unseres Sports und sein Fehlen beim Australian Open ist ein Verlust für das Spiel», schreibt die Vereinigung in einer Mitteilung.

Das sind die Konsequenzen für Djokovic: Der serbische Tennisstar kann nun seinen Titel beim ersten Grand-Slam-Turnier des Jahres in Melbourne nicht verteidigen. Sein Ziel war, mit dem 21. Titel bei einem Grand-Slam-Turnier alleiniger Rekordhalter vor Roger Federer und Rafael Nadal zu werden. Zudem beinhaltet eine Abschiebungsanordnung in der Regel auch ein dreijähriges Verbot der Rückkehr nach Australien. Dieses Verbot kann aber widerrufen werden.

So geht es mit den Australian Open weiter: Das Turnier findet ohne die Weltnummer 1 statt. Djokovics Erstrundenspiel war in der «Nightsession» vom Montag angesetzt. Er wird nun im Tableau durch den «Lucky Loser» Salvatore Caruso (ATP 150) ersetzt werden. Der Italiener rangiert in der Weltrangliste als Nummer 150 und wird in der ersten Turnierrunde anstelle von Djokovic auf dessen Landsmann Miomir Kecmanovic treffen. Ein «Lucky Loser» ist ein Spieler oder eine Spielerin, der oder die in der Qualifikation verloren hat, sich aber trotzdem für das Hauptfeld qualifiziert.

SRF 4 News, 16.01.2022, 4:00 Uhr;

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131 Kommentare

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  • Kommentar von SRF News (SRF)
    Guten Abend liebe Community. Wir schliessen nun die Kommentarspalten, bedanken uns für Ihre Kommentare und wünschen Ihnen einen angenehmen Sonntagabend. Liebe Grüsse, SRF News
  • Kommentar von Remo Tschanz  (remotschanz)
    Wer sagt eigentlich, dass die Chronologie stimmt? Ich meine, der Spiegel hat doch einige Widersprüchlichkeiten zur angeblich positiven Testung vom 16.12.21 aufgedeckt (falscher Zeitstempel, höhere Testseriennummer für den 16.12.21 als den 22.12.21). Wenn stimmt, was dort geschrieben ist, hat Djokovic am 16.12.21 weder einen positiven Test gehabt noch davon erfahren können. Ich meine diese berechtigte Kritik an den Abläufen müsste auch irgendwo erwähnt sein. Am ganzen 17.12.21 war er maskenfrei.
  • Kommentar von Daniela Langenauer  (Daniela L.)
    Schockierend sind die Äusserungen der serbischen Politiker. Ich kann ja verstehen, dass man sich während des Verfahrens für seinen Staatsbürger einsetzt. Aber danach noch solche Statments ? Höchst fragwürdig.