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International Terror im Nordirak: Jesiden lebendig begraben

Die Terrorgruppe Islamischer Staat hat im Irak erneut Hunderte Jesiden getötet. Die irakische Regierung spricht von Massenmord. Auch sollen zahlreiche Frauen versklavt worden sein. Hunderttausende der religiösen Minderheit warten noch immer in der Region Sindschar auf Hilfe.

Legende: Video Hilfe für Jesiden im Irak abspielen. Laufzeit 1:26 Minuten.
Aus Tagesschau vom 10.08.2014.

Die irakische Regierung wirft den IS-Milizen Massenmord an den Jesiden im Norden des Landes vor.

Der Minister für Menschenrechte, Mohammed Schia Al-Sudani, erklärte, die Extremisten hätten Angehörige der religiösen Minderheit lebendig in Massengräbern begraben, darunter auch Kinder. Mindestens 500 Jesiden seien zudem getötet sowie etwa 300 Frauen versklavt worden, sagte Sudani.

Ohne Wasser bei 40 Grad

Die Jesiden sind eine alte monotheistische Glaubensgemeinschaft, der vor allem Kurden angehören. Tausende Familien waren vor einer Woche aus der Stadt Sindschar vor den Milizen geflüchtet und harrten seitdem praktisch ohne Versorgungsgüter in den Bergen aus. Am Sonntag herrschten dort Temperaturen von mehr als 40 Grad Celsius.

Kurdische Medien berichteten, dass IS-Extremisten auf Flüchtlinge schossen, die versuchten, das Gebirgsmassiv in Richtung Syrien oder Kurdistan zu verlassen.

Die UNO-Mission im Irak schätzte deren Zahl am Samstag auf 15'000 bis 55'000. Seit Freitag gibt es nach kurdischen Angaben aber auch Rettungseinsätze.

Hilfsgüter werden abgeworfen

Die USA und Grossbritannien werfen Wasser und Lebensmittel aus der Luft ab, um die Menschen vor dem Verhungern zu retten. Frankreich kündigte an, in den kommenden Stunden ebenfalls Hilfsgüter zu den Flüchtlingen im Nordirak zu schicken. Auch Australien erwägt eine Beteiligung an den Hilfsflügen.

Nach Informationen des kurdischen Nachrichtenportals Rudaw gelangten Tausende am Wochenende über einen zehn Kilometer langen Schutzkorridor über Syrien in die kurdische Autonomieregion Aktivisten gingen von etwa 10'000 aus. Am Freitag konnten Peschmerga-Soldaten ebenfalls 10'000 Angehörige der Jesiden durch einen solchen Korridor retten.

200'000 warten auf Hilfe

Bereits am Samstag berichteten Augenzeugen, dass jesidische Familien in mehreren Dörfern von den Extremisten umzingelt seien. Die Extremisten drohten mit der Tötung der Familien, falls diese nicht zum Islam konvertierten.

Darüber hinaus warten nach Angaben des Zentralrats der Jesiden in Deutschland aber noch 200'000 Angehörige der Religionsgemeinschaft in ihren Dörfern in der Region Sindschar auf Hilfe.

Jesiden

Jesiden

Die Jesiden sind eine nicht-muslimische Minderheit im Irak, die vor allem im Gebiet um die Stadt Mossul ansässig war. Im Nordirak lebten bis zu 400'000 Jesiden, bis ein grosser Teil davon im August 2014 von der Terrormiliz IS vertrieben, umgebracht, versklavt oder zwangsverheiratet wurde. Der IS bezeichnet die Jesiden als Teufelsanbeter.

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45 Kommentare

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  • Kommentar von Frédéric Weil, Adliswil
    Der franz. Aussenminister Fabius ruft die demokratischen Nationen auf entschieden gegen sich für die Kurden und den Irak einzusetzen und gegen den Terror vorzugehen. Frankreich selbst (auch demokratisch) leht aber einen Einsatz (ausser humanitäre Einsätze) für sich ab. Etwa so nach dem Motto: "Macht ihr mal die Drecksarbeit ... finden wir toll". UND WOFÜR HAT FRANKREICH EINE FREMDENLEGION?
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  • Kommentar von kari huber, surin
    Die Moslems der Welt sind mit schuld an den Gräueltaten ihrer Glaubensbrüder, solange sie sich nicht aktiv von ihnen distanzieren und alles in ihrer Macht stehende tun, damit nicht weitere Moslems sich dem Terror anschliessen. Und solange sie dies nicht tun, sollten sie in ihrer Religionsfreiheit immer weiter eingeschränkt und intensiv überwacht werden. Denn wenn sie Freunde des Feindes sind, sind sie Feinde unserer Gesellschaft. Dann haben sie hier keinen Platz.
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    1. Antwort von Björn Christen, Bern
      Die viele Moslems haben Angst vor ihren eigenen Glaubensbrüdern - das fängt schon bei vielen weniger heftigen Dingen als dem ISIS-Terror an. Der Druck der Ummah (die islamische Gemeinde) als Moslems komme was wolle zusammenzuhalten und nicht auszuscheren, ist sehr gross. Das kann man in etwa mit einem totalitären Gesellschaftssystem wie dem Nationalsozialismus vergleichen, das auch nach dem Prinzip "das Volk ist alles, das Individuum ist nichts" funktionierte und Nestbeschmutzer nicht duldete.
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    2. Antwort von Dieter Lohmann, Bern
      Dann waren die Schweizer Katholiken also auch mitschuldig an den Terroranschlägen der IRA?! Denn sie haben sich auch nie distanziert. Oder alle Schweizer Christen sind mitschuldig an der Verfolgung der Muslime in der Zentralafrikanischen Republik. Denn die Schweizer Landeskirchen haben sich nie distanziert.
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  • Kommentar von Franz NANNI, Nelspruit SA
    Das Schweigen der Moslems WELTWEIT ist das Schweigen der Einverstaendnis.. zu den Greueltaten und zum Terrorismus, im Namen Allahs.. Anders laesst sich das nicht erklaeren!
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    1. Antwort von Lars Kroll, Schwyz
      Was für eine unglaubliche Verallgemeinerung. Wenn Sie der weltweit einseitigen Berichterstattung immer blind folgen, ist es alles andere als erstaunlich, dass sie das Gefühl haben, die Moslems weltweit würden keine Stellung zur aktuellen Lage beziehen.
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    2. Antwort von Rolf Bolliger, Orpund
      Lieber wird stündlich über den "bösen Putin" berichtet, Wirtschaftssanktionen gegen Russland detailliert aufgezeigt, statt endlich energisch gegen die Islamextremisten, die Menschen lebendig begraben (!), weltweit "andere Saiten aufzuziehen"! Vorallem die gemässigten (normalen) Muslimen müssten sich endlich klar und deutlich von diesen brutalen Terroristen, Selbstmord-Blutbadanrichter und Völkermörder abgrenzen und dagegen intervenieren!
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    3. Antwort von Harald Girschweiler, 9500 Wil SG
      @L. Kroll: Ihr Kommentar lässt erkennen, dass Sie die Glaubensrichtung der Jesidis nicht kennen und somit ist auch zu erklären, dass Sie sich wohl äussern aber die Abneigung bis zum Hass der dieser Bevölkerungsgruppe von den Sunniten und Schiiten entgegenschlägt, nicht erkennen können, noch wollen. Es wäre besser man würde dann gar nichts sagen, resp. schreiben.
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    4. Antwort von Dieter Lohmann, Bern
      Erstens: Die Behauptung alle Muslime weltweit würden schweigen ist komplett falsch und zeugt von Unwissen. Zweitens: Dann ist also das Schweigen der Christen zur Verfolgung der Muslime in der Zentralafrikanischen Republik auch ein Einverständnis?!?
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