Terror in Tunesien: Was bisher bekannt ist

Am Mittwoch überfallen mehrere Bewaffnete das tunesische Nationalmuseum Bardo in Tunis – ein Ziel vieler Touristen in der tunesischen Hauptstadt. Bei der Geiselnahme sterben insgesamt 25 Menschen. Die allermeisten von ihnen sind ausländische Touristen. Die bisher bekannten Fakten in der Übersicht.

Das Wichtigste in Kürze

  • Bei dem Anschlag auf das tunesische Nationalmuseum starben nach bisherigen Erkenntnissen 25 Menschen. 20 von ihnen waren ausländische Touristen, drei tunesische Staatsbürger. Zwei getötete mutmassliche Attentäter stammen ebenfalls aus Tunesien.
  • Die Tat trägt die Handschrift radikaler Islamisten. Offiziell ist über Attentäter und Hintermänner aber noch praktisch nichts bekannt. Es gab mehrere Festnahmen.
  • Das EDA und weitere westliche Aussenministerien haben nach dem Anschlag ihre Reisehinweise für Tunesien angepasst.

Was ist geschehen?

Am Mittwoch zur Mittagszeit eröffnen mehrere bewaffnete Angreifer das Feuer auf ausländische Besucher des tunesischen Nationalmuseums Bardo in Tunis. Die ersten Schüsse fallen gegen 12.30 Uhr, als die Touristen auf dem Parkplatz gerade aus ihren Bussen steigen. Augenzeugen berichten, die Täter hätten Armeeuniformen getragen – wohl zur Tarnung. Bereits auf dem Parkplatz sterben mehrere Touristen.

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Besucher verlassen das Museum

0:11 min, vom 18.3.2015

Die Überlebenden werden von den Attentätern ins Innere des Museums getrieben, wo sich zu diesem Zeitpunkt zwischen 100 und 200 Besucher aufhalten – darüber gibt es unterschiedliche Angaben.

Einige werden als Geiseln genommen. Den meisten Besuchern im Innern des Museums gelingt es jedoch noch rechtzeitig, sich in Sicherheit zu bringen. Gegen 15.30 Uhr beenden tunesische Sicherheitskräfte die Geiselnahme. Insgesamt sterben bei der Tat 25 Menschen, darunter 20 Touristen, drei Tunesier und zwei mutmassliche Attentäter.

Sicherheitskräfte umstellen das Bardo-Nationalmuseum (18.3.2015)

Bildlegende: Sicherheitskräfte umstellen das Bardo-Nationalmuseum Keystone

Was weiss man über die Täter?

Offiziell noch nichts konkretes. Zwei von ihnen wurden nach Angaben der tunesischen Regierung getötet. Am Tag nach dem Anschlag wurden nach Angaben aus dem Präsidialamt zudem neun Verdächtige festgenommen.

Vier von ihnen sollen «in direkter Verbindung» mit dem Attentag stehen. Fünf werden verdächtigt, mit der verantwortlichen «Zelle» in Verbindung zu stehen. Am Tag nach dem Anschlag bekannte sich die Terrormiliz IS zu der Tat, in einer Mitteilung nennt sie die getöteten Attentäter «Ritter des Islamischen Staates».

Die Tat trägt die bekannte Handschrift radikaler Islamisten, vor denen sich viele Touristen im Land bislang recht sicher wähnten.«Deren Ziel ist weltweit das gleiche: Sie wollen den Aufbau von demokratischen Rechtsstaaten im westlichen Sinne verhindern», so Mahgreb-Spezialist Beat Stauffer in einer ersten Einschätzung nach dem Anschlag. «Da ist Tunesien, dem es als einzigem Land nach dem Arabischen Frühling gelungen ist, die Revolution auf gute Bahnen zu bringen und einen modernen Rechtstaat aufzubauen, ein Feindbild. So gesehen ist es für Islamisten ein ideales Ziel.»

Was weiss man über die Opfer?

Die allermeisten von ihnen waren westliche Touristen. Ihre Herkunft ist aber bislang offenbar noch nicht eindeutig geklärt. Nach bisherigen Erkenntnissen sollen unter den Opfern vier Italiener, drei Japaner, zwei Polen sowie Touristen aus Frankreich, Spanien, Kolumbien und Australien sein. Unter den Toten sind zudem drei Tunesier sowie zwei der mutmasslichen Attentäter, bei denen es sich ebenfalls um Tunesier handelt. Das Schweizer EDA teilte am Donnerstagnachmittag mit, es seien «nach jetzigem Kenntnisstand» keine Schweizer unter den Opfern.

Mindestens neun der ausländischen Todesopfer waren Kreuzfahrttouristen. Sie waren am Mittwoch mit der «MSC Splendia» im Hafen von La Goulette von Tunis angekommen und hatten für den Tag die Tour zum Museum gebucht – einen Ausflug, der «bei jedem Anlauf unserer Schiffe in Tunis» angeboten wird, wie die Kreuzfahrtgesellschaft MSC Cruises mitteilte. In dem Schreiben vom Donnerstagmittag heisst es weiter, sechs Passagiere würden nach den Ereignissen noch immer vermisst: zwei Spanier, ein Belgier, ein Engländer, ein Franzose und ein Japaner.

Was ist über den Anschlagsort bekannt?

Bardo-Museum in Tunis nach dem Anschlag vom Mittwoch

Bildlegende: Bardo-Museum in Tunis nach dem Anschlag vom Mittwoch Keystone

Ziel des Anschlags war das tunesische Nationalmuseum Bardo in Tunis. Es liegt wenige Kilometer vom Zentrum der Hauptstadt entfernt direkt neben dem tunesischen Parlament. Dort findet zu diesem Zeitpunkt gerade eine Anhörung über Tunesiens Antiterror-Gesetz statt.

Das Museum ist eine Touristenattraktion und besitzt eine der wohl umfassendsten archäologischen Sammlung in Nordafrika. Zu den Hauptattraktionen zählt die weltweit bedeutendste Sammlung römischer Mosaiken. Die Exponate sind in den Räumen des ehemaligen Palastes der Beis (Herrscher) von Tunis untergebracht – über drei Stockwerke verteilt. Eröffnet wurde es unter dem Namen Alaoui-Museum im Mai 1888, sieben Jahre nach Beginn des französischen Protektorates. Nach der Unabhängigkeit Tunesiens im Jahr 1956 änderte sich der Name in Bardo-Museum.

Was bedeuten die Anschläge für Tunesien?

Sie sind ein herber Rückschlag für die junge Demokratie. Nach dem Sturz des Langzeit-Diktators Zine El Abidine Ben Ali im Januar 2011 war es Tunesien als einzigem Land nach dem Arabischen Frühling gelungen, demokratische Strukturen aufzubauen – trotz Rückschlägen, die es seither auch immer wieder gab. Erst im Dezember hatte das Land in der ersten freien Präsidentschaftswahl den anti-islamistischen Politikveteranen Béji Caid Essebsi ins Amt befördert.

Der Anschlag könnte vor allem den für das Land so wichtigen Tourismus schwächen. Der war bereits 2002, nach dem blutigen Anschlag auf eine Synagoge auf der Ferieninsel Djerba, eingebrochen, und erneut nach dem Ausbruch des Arabischen Frühlings im Jahr 2010. Inzwischen sind aber gerade die Badeorte wieder zu beliebten Zielen westlicher Touristen geworden. Das EDA hat seine Reisehinweise für das Land angepasst.