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Terrorismus in Ägypten «Es ist der pure Horror»

Bei einem Anschlag in Ägypten wurden mindestens 305 Menschen getötet. SRF-Korrespondent Pascal Weber zur aktuellen Lage.

Moschee
Legende: Der Angriff war offenbar auf eine Moschee, die einem Sufi-Orden angehört. Keystone

SRF News: Was können sie zu den Hintergründen der Anschläge im Sinai sagen?

Pascal Weber: Bis jetzt weiss man nicht viel. Es war offenbar eine Moschee, die einem Sufi-Orden angehört. Es gab schon früher Angriffe der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) gegen einen hohen Sufi-Kleriker.

Bis jetzt ist allerdings noch nicht bekannt, ob der IS hinter dem Anschlag steckt.

Diese Moschee gehörte offenbar einer Familie, die dem Stamm Sawarka angehört. Dieser Stamm ist dafür bekannt, dass er die Regierung unterstützt. Das alles spricht dafür, dass tatsächlich der IS für den Anschlag verantwortlich ist. Es kann auch sein, dass er in Zusammenarbeit mit anderen dschihadistischen Gruppierungen verübt worden ist.

Der Grenzübergang zwischen dem Gazastreifen und Ägypten war vor kurzem für drei Tage geöffnet. Sehen sie da einen Zusammenhang mit dem Anschlag?

Ich sehe da kaum einen Zusammenhang, aber natürlich kann man das nicht ganz ausschliessen. Viele dieser dschihadistischen Gruppierungen rivalisieren auch innerhalb des Gazastreifens, oder versuchen sich dort festzusetzen, wie etwa der IS. Ein offener Grenzübergang bedeutet in diesem Fall auch nicht wirklich offen. Die Ägypter lassen nur eine kleine Anzahl Leute, die bestimmte Vorgaben erfüllen, über die Grenze. Es können verwundete Personen sein oder Menschen, die Verwandte in Ägypten haben. Ich sehe diesen Anschlag aber eher im ägyptischen Kontext.

Legende: Video Terror im Gotteshaus abspielen. Laufzeit 1:08 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 25.11.2017.

Was können sie zur allgemeinen Lage in Ägypten sagen?

Es ist der pure Horror. Es ist schrecklich. Aber es ist nicht überraschend. Verschiedene dschihadistische Gruppen, darunter auch der IS, führen auf dem Sinai seit mehr als vier Jahren einen blutigen Terrorkrieg gegen die ägyptische Staatsmacht.

Dieser Anschlag zeigt, dass Ägyptens Präsident Abdelfattah al-Sisi und die ägyptische Militärregierung die Situation nicht in den Griff bekommen. Für den Präsidenten al-Sisi ist dies ein enormer Rückschlag. Schliesslich ist er vor bald vier Jahren mit dem Versprechen angetreten, Sicherheit und Stabilität zurückzubringen. Was ihm offensichtlich nicht gelingt.

Das Gespräch führte Manuela Kosch.

Pascal Weber

Pascal Weber in Kairo

Seit 1999 arbeitet Weber für SRF. Als Redaktor und Produzent war er zunächst in der Sportredaktion tätig, danach bei «10vor10». Seit September 2010 ist er Korrespondent im Nahen Osten. Folgen Sie ihm auf Twitter.

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2 Kommentare

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  • Kommentar von Tom Duran (Tom Duran)
    Nicht mal in der selben Religion kommen die untereinander aus. Und wir holen Millionen solcher "Gläubiger" nach Europa. Na dann gute Nacht und eine frohe Zukunft...
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  • Kommentar von Christian Szabo (C. Szabo)
    Ägypten hatte lange vor dem Entstehen der IS Probleme mit religiösen Gruppen und Extremisten. Der "Wind" wehte meist aus Saudi Arabien. Die Muslimbrüder sprangen in Bereiche ein (Soziales und Bildung für Arme), die vom Staat vernachlässigt wurden. Nach dem Wahlerfolg der Muslimbrüder wurden sie kriminalisiert. Die Schuld liegt aber auf beiden Seiten. Die IS-Gruppen sind nur noch radikaler als die Muslimbrüder. Die Probleme in Ägypten liegen sehr tief, u. a. die rasche Bevölkerungszunahme.
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