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International Terrormiliz erobert syrischen Militärflughafen

Die Gefechte waren heftig. Seit Dienstag rannte die IS-Terrormiliz gegen die letzte Bastion des Assad-Regimes im Osten Syriens an. Nun ist sie gefallen: Die Extremisten haben den strategisch wichtigen Militärflughafen Al-Tabka eingenommen.

Legende: Video Syrischer Flughafen unter Kontrolle des IS abspielen. Laufzeit 01:11 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 25.08.2014.

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat offenbar ihr Einflussgebiet im Osten Syriens ausgeweitet. Nach heftigen Gefechten vertrieben die Extremisten die Regierungstruppen vom strategisch wichtigen Militärflughafen Al-Tabka. Sollte die IS-Miliz den Flughafen unter Kontrolle behalten, beherrscht sie die Provinz Al-Rakka vollständig. Die Extremisten kontrollieren bereits grosse Regionen Syriens und Iraks.

Kartenausschnitt, der die Provinz Al-Rakka zeigt
Legende: Die Provinz Al-Rakka liegt im Osten Syriens. SRF

Die Kämpfe kosteten mindestens 500 Menschen das Leben. Unter den Toten: 346 IS-Kämpfer und mehr als 170 Soldaten der syrischen Armee. Zudem hat die Terrorgruppe mindestens 150 Soldaten eingekesselt. Sie sind offenbar nun in Gefangenschaft. Das berichtet die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte.

«Evakuierung des Flughafens»

Eine Bestätigung durch unabhängige Quellen fehlt – wie so häufig in diesem Konflikt. Die in Grossbritannien ansässige Organisation beruft sich auf Quellen vor Ort. Ihrer Auskunft nach verlagerten sich die Kämpfe am Sonntag auf das Gelände des Militärflughafens.

Ein Augenzeuge sagte, in der IS-Hochburg Al-Rakka sei der Erfolg mit Lautsprecherdurchsagen in Moscheen und Gewehrschüssen gefeiert worden. Das syrische Staatsfernsehen sprach hingegen von einer «erfolgreichen Evakuierung des Flughafens». Nach heftigen Kämpfen gruppiere das Militär seine Streitkräfte neu.

Schweres Gerät in Händen der IS-Miliz

Es handle sich beim Flughafen Al-Tabka um eine sehr grosse Militäranlage mit Panzern, Helikoptern und Jets, erklärt Tomas Avenarius. Er arbeitet als Korrespondent für «Tages-Anzeiger» und «Süddeutsche Zeitung». «Doch dass der IS nun mit diesen Jets etwas anfangen kann, würde ich bezweifeln», sagt er gegenüber SRF. Dafür brauche es schliesslich ausgebildete Piloten.

Das militärische Gleichgewicht verschiebe die Einnahme des Stützpunktes der syrischen Armee aber trotzdem. «Dadurch dass die Armee jetzt diese wichtige Basis verloren hat, ist es schwieriger, den ganzen Nordosten des Landes militärisch zu bestreiten.» Assads Truppen bekämpften ihre Gegner auf dem flachen Land nämlich meist aus der Luft.

US-Bürger nach zwei Jahren frei

Unterdessen ist ein lange Zeit in Syrien verschollener US-Bürger freigelassen worden. Der vor zwei Jahren verschleppte Peter Theo Curtis sei in Sicherheit und werde bald seine Familie wiedersehen, sagte die Nationale Sicherheitsberaterin der USA, Susan Rice.

Curtis befand sich seit zwei Jahren in den Händen des syrischen Al-Kaida-Ablegers, der Al-Nusra-Front. Seine Entführung wurde jedoch geheim gehalten. Nach Angaben der Vereinten Nationen wurde Curtis am späten Sonntagnachmittag den UNO-Blauhelmen auf den Golanhöhen übergeben und nach Überprüfung seines Gesundheitszustands von einem Vertreter der US-Regierung in Empfang genommen.

Katar sass am Verhandlungstisch

Curtis' Mutter erklärte, Vertreter Katars hätten sich um die Freilassung ihres Sohnes bemüht. US-Aussenminister John Kerry erklärte, die USA hätten mehr als zwei Dutzend Staaten gebeten, sich für die Freilassung von Curtis und allen anderen US-Geiseln in Syrien einzusetzen.

Dass der 45-Jährige nun wieder frei sei, sei insbesondere nach der «unsagbaren Tragödie» in dieser Woche – der Ermordung der US-Geisel James Foley – für alle eine grosse Erleichterung. Angaben seiner Familie zufolge arbeitet Curtis als Schriftsteller und freier Journalist.

Auch ein Deutscher freigelassen

Der Zeitung «Welt am Sonntag» zufolge kam auch ein 27-jähriger Deutscher nach rund einjähriger Geiselhaft in Syrien frei. Der Mann, der als humanitärer Helfer nach Syrien kam, wurde demnach im Juni 2013 von Kämpfern der extremistischen IS-Miliz verschleppt. Für seine Freilassung habe es eine «substanzielle Gegenleistung» gegeben, hiess es in dem Bericht unter Berufung auf Angaben aus Ermittlerkreisen.

Mehr IS-Kämpfer

Die Terrorgruppe Islamischer Staat (IS) hat einen massiven Zulauf an Kämpfern. Allein am Wochenende hätten sich mehr als 300 Männer den Extremisten angeschlossen, berichtete die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Demnach habe sie inzwischen rund 50'000 Kämpfer. Etwa 20'000 von ihnen kämen aus dem Ausland.

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8 Kommentare

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  • Kommentar von Bruno Hochuli, Reinach BL
    Die betroffenen Islamischen Staaten haben ihr Schicksal selber gewählt. Die Ungläubigen wurden vertrieben, der Westen als Aggressor angesehen und jetzt haben sie festgestellt, dass es die eigenen Brüder sind, welche morden und plündern. Jetzt sind der Westen, also die Ungläubigen wieder gefragt. Und die leisten tapfer Hilfe.Es ist sehr traurig, dass es soweit kommen musste.
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  • Kommentar von peter müller, zürich
    Dieser Flughafen beherbergte gerade mal 18 Flieger und 8 Helikopter. Der ist weit davon entfernt sterategisch zu sein. In ganz Syrien gibt es über 40 Militärflughäfen. Es gibt mindestens Informationen, dass die Syren die meisten Flieger umdisponiert haben. Die Grenze zum Irak besteht zu mehr als 90% schlicht und einfach als Wüste. Das einzig wichtige der Al-Raqqa Provinz ist der Euphrat welcher über die ganze Länge diese Republik durchfliesst.
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    1. Antwort von Peter Hassler, Riehen
      Das ist korrekt und auch wichtig um die Situation wirklich zu verstehen. Die gezeigten Karten vermitteln nämlich einen völlig falschen Eindruck. Mit einer Armeestärke von rund 50 000 Mann ließen sich sonst nicht so große Gebiete beherrschen. Das Einknicken der Armeen der beiden Staaten Syrien und Irak muss einem aber sehr zu denken geben. Was der Westen nicht schafft, schafft IS aus dem Handgelenk ?!?!
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  • Kommentar von Heinrich Gafner, Beatenberg
    Der Witz ist, dass vor einem Jahr das selbe SRF bei gleicher Faktenlage etwas geschrieben hätte wie: Rebellen befreien Militärflugplatz. Der Diktator verliert an Einfluss. Es besteht Hoffnung auf Frieden. Schon damals massakrierte die IS die Christen in Syrien. Köpften Priester und assen die Herzen der Feinde. Damals war das in Ordnung. Beweise finden sie unter Youtube. Was läuft jetzt?
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