Terrormiliz jagt US-Soldaten

Namen, Fotos und angebliche Adressen von US-Soldaten hat eine Hackergruppe ins Internet gestellt, die der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) nahestehen soll. Das Pentagon untersucht den Vorfall. Derweil wurde in Marokko eine Zelle der Islamisten ausgehoben.

F-16-Kampfjet

Bildlegende: Auch Piloten, die Einsätze gegen den IS geflogen haben, sollen auf der IS-Jagdliste stehen. Keystone

Die islamistische Hackergruppe hat im Internet 100 US-Soldaten mit Namen, Fotos und angeblichen Adressen angeprangert und zu deren Tötung aufgerufen. «Tötet sie in ihren eigenen Ländern, köpft sie in ihrem eigenen Zuhause», schrieb die «Islamic State Hacking Division» auf einer Website.

An Bombardements beteiligt

Die 100 Soldaten von Luftwaffe, Marine und Marineinfanterie sollen an Bombardements in Syrien, Somalia, Afghanistan sowie im Irak und im Jemen beteiligt gewesen sein. Die Informationen wollen die Hacker aus einer Datenbank des US-Militärs gestohlen haben.

Vertreter des Pentagons (US-Verteidigungsministerium) und des FBI erklärten gegenüber der «New York Times» vom Sonntag, den Vorfall zu untersuchen.

Daten aus öffentlichen Registern

Nach Informationen der Zeitung wurden die Daten allerdings nicht von Servern der US-Regierung gestohlen. Die meisten der Informationen könnten in öffentlich einsehbaren Registern, Websites für Adressen-Suchen sowie in sozialen Netzwerken gefunden werden, sagte ein Pentagon-Mitarbeiter der Zeitung zufolge.

Erst im Januar hatten sich Unbekannte Zugang zu den beiden Konten des US-Zentralkommandos Centcom mit Sitz in Tampa, Florida, verschafft. Hinter der Attacke steckte möglicherweise der IS oder eine den Extremisten nahe stehende Gruppe. Centcom koordiniert unter anderem die Luftschläge gegen IS-Extremisten im Irak und in Syrien.

Razzien in Marokko

Wenige Tage nach dem blutigen Attentat auf das Nationalmuseum in Tunis haben die Behörden in Marokko eine Zelle der IS-Terrormiliz ausgehoben. Bei Durchsuchungen in der Nähe der Stadt Agadir wurden Waffen und grosse Mengen Munition gefunden.

Video «FOKUS: Dschihadismus-Problem in Tunesien» abspielen

FOKUS: Dschihadismus-Problem in Tunesien

2:31 min, aus 10vor10 vom 18.3.2015

Mit diesen Angaben zitierte die staatliche Nachrichtenagentur MAP am Sonntag das Innenministerium in Rabat. Die Waffen seien für Anschläge auf «Politiker, Militärs oder Zivilisten» bestimmt gewesen.
Die neu gebildete Gruppe von Spezialermittlern machte den Angaben zufolge Razzien in mehreren Städten, darunter Agadir, Tanger und Marrakesch sowie Ain Harouda in der Nähe von Casablanca. Über die Zahl der Festnahmen gab es zunächst keine genaueren Angaben.

Hunderte Marokkanier kämpfen für IS

Mitglieder der enttarnten Terrorzelle hätten dem IS ihre Treue geschworen und marokkanische Sicherheitskräfte zum Ziel von Anschlägen machen wollen. Nach offiziellen Angaben sind zwischen 1500 und 2000 Marokkaner nach Syrien oder in den Irak gezogen, um dort für den IS zu kämpfen.

Im Maghreb wächst die Furcht vor schweren islamistischen Anschlägen, seit am vergangenen Mittwoch bewaffnete Dschihadisten am Bardo-Museum inmitten des Regierungsviertels von Tunis 21 Menschen töteten, darunter 20 ausländische Touristen. Die zwei Attentäter wurden von der Polizei erschossen, nach einem möglichen dritten Tatbeteiligten wird gefahndet.