Thailand verbietet bezahlte Leihmutterschaft

Nach der Kontroverse um Baby Gammy plant Thailand ein Gesetz gegen kommerzielle Leihmuttergeschäfte. Leihmütter dürfen dann nur noch Kinder für Verwandte austragen – ohne Bezahlung. SRF-Korrespondent Urs Morf vermutet ein Ablenkungsmanöver der Militärjunta.

Thailand will die kommerzielle Leihmutterschaft stoppen. «Das Gesetz wird vor Ende des Jahres in Kraft treten», sagte der Chef der Rechtsabteilung im Ministerium für öffentliche Gesundheit, Chatree Pinyai. Eine schnellere Umsetzung sei nicht möglich.

Der Gesetzentwurf sieht vor, dass Leihmütter nur noch Kinder für Verwandte austragen dürfen. Sie dürfen auch nicht bezahlt werden. Bislang sind Leihmüttergeschäfte in Thailand nicht verboten. Dutzende Agenturen bieten solche Dienste an. Nach Schätzungen erfüllten sich 2000 Paare im Jahr den Kinderwunsch mit einer Leihmutter in Thailand.

Kriminelle Machenschaften mit gezeugten Kindern

SRF-Korrespondent Urs Morf glaubt nicht, dass ein Verbot in einem Land wie Thailand durchgesetzt werden kann. Auch die Prostitution sei seit Jahrzehnten offiziell verboten – durchgesetzt werde die Bestimmung jedoch nicht. Die Militärjunta wolle mit der neuen Gesetzgebung wohl nur von den anderen politischen Anliegen ablenken – was sehr gut funktioniere, in inländischen und ausländischen Medien werde über nichts mehr anderes berichtet.

Dennoch: Auch Urs Morf glaubt, dass das Thema Leihmutterschaft viele Gefahren berge. Seit dem Aufdecken des Falls Gammy gebe es jeden Tag neue Fälle. So etwa den eines Japaners, der 13 Kinder gezeugt haben soll. Dieser sei samt der Kinder verschwunden. Es gebe den Verdacht, dass mit den Kindern kriminelle Machenschaften betrieben würden – etwa Organhandel oder der Verkauf der Kinder an Pädophile.

Eltern weisen Vorwürfe zurück

Der Fall Gammy hatte weltweit Empörung und eine Debatte über Leihmuttergeschäfte ausgelöst. Die biologischen Eltern aus Australien hatten ihren Sohn mit Down Syndrom und einem Herzfehler Anfang des Jahres bei der thailändischen Leihmutter zurückgelassen. David und Wendy Farnell nahmen nur dessen gesunde Zwillingsschwester Pipah mit zurück nach Australien.

Die Eltern wehrten sich gegen den Vorwurf, den Jungen absichtlich zurückgelassen zu haben. Die Leihmutter habe nach der Geburt im Dezember damit gedroht, die Polizei einzuschalten und beide Zwillinge bei sich zu behalten, sagte David Farnell. Das Paar habe Thailand deshalb zunächst ohne den Knaben und nur mit dessen Schwester verlassen, «weil wir Angst bekamen, dass wir auch sie verlieren würden». Allerdings räumte Farnell auch ein, dass er und seine Frau nach der Ausreise keinen Kontakt mehr zu Gammy gesucht hätten, um herauszufinden, wie es ihm geht.

Die Leihmutter wandte sich Ende Juli an die Presse, weil sie kein Geld für Gammys Behandlung hatte. Nach einem Spendenaufruf in Australien kam das Geld für seine Versorgung schnell zusammen.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Mein Bauch – Dein Baby

    Aus 10vor10 vom 5.8.2014

    Etwa 11'000 Franken erhalten thailändische Leihmütter für ihre Babys. Das ist viel Geld. Damit könnte man in Thailand locker eine Ausbildung finanzieren. Nicht nur in Thailand, auch in Indien oder in den USA floriert das Geschäft mit der Leihmutterschaft. Der Kontrast zwischen Indien und den USA könnte allerdings nicht grösser sein.