Thailands König Bhumibol ist tot

70 Jahre lang war Bhumibol Adulyadej der König von Thailand. Jetzt ist der im Land hoch verehrte Monarch, die «Stärke des Landes», verstorben. Die Gesundheit des 88-Jährigen war seit längerer Zeit angeschlagen. Beobachter befürchten nun eine Phase politischer Unsicherheit.

Der König von Thailand, Bhumibol Adulyadej, ist im Alter von 88 Jahren im Siriraj-Spital in Bangkok gestorben. Der im Land äusserst beliebte Monarch war seit 2009 im Spital – mit nur kurzen Unterbrechungen. Die «Stärke des Landes» hat in diesem Jahr schon mehrere Eingriffe überlebt, darunter am Gehirn und am Herzen.

«Die blühende Regentschaft des Königs ist zu Ende», sagte der Putschführer und Regierungschef Prayut Chan-o-cha in einer Fernsehansprache. «Er hat das Leben aller auf das Tiefste berührt, wir schulden ihm grosse Dankbarkeit.» Prayut ordnete eine einjährige Staatstrauer an. Die Flaggen an öffentlichen Gebäuden sollen für 30 Tage auf Halbmast wehen. In dieser Zeit sollen keine Feiern oder Festlichkeiten organisiert werden. Neuer König soll Kronprinz Vajiralongkorn werden.

Im Land zeigte sich sofort beispiellose Trauer. Vor dem Krankenhaus sassen seit dem frühen Morgen schon Tausende Menschen betend auf den Strassen. Viele hielten grosse Porträts des hoch verehrten Königs in den Händen. Die Sorge um ihren Monarchen liess viele hemmungslos weinen. Die «Bangkok Post» legte ihr Online-Layout in schwarz-weiss auf.

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Thailand trauert um seinen Landesvater

1:32 min, aus Tagesschau vom 13.10.2016

«Leuchtturm in einer wenig gefestigten Demokratie»

Bhumibol war seit 1946, nach dem Tod seines Bruders, auf dem Thron. Offiziell zwar ohne politische Macht – doch in den sieben Jahrzehnten seit seiner Thronbesteigung erlebte Bhumibol 20 Putsche, unterschrieb mehr als 20 Verfassungen und ernannte noch mehr neue Regierungschefs.

Sein Thron galt als «Leuchtturm in einer wenig gefestigten Demokratie» – er selbst als Garant für Einheit und Stabilität des Landes. Dabei hatte der König meistens die Rolle des stillen Beobachters inne, über dessen Meinung spekuliert wurde. Nur zweimal, nach Massakern 1973 (Studentenrevolution) und 1992 (Demokratiedemonstrationen), griff der Monarch direkt ins Geschehen ein und setzte die herrschenden Militärregimes ab.

Ab dem Jahr 2000 war Bhumibol nicht nur das am längsten amtierende Staatsoberhaupt der Welt, sondern auch der am längsten lebende König in der Geschichte Thailands.

Politologen befürchten nun eine Phase grosser politischer Unsicherheit. Bhumibols Sohn, Thronfolger Vajiralongkorn (64), hat bei weitem nicht dasselbe Ansehen.

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Ausschnitt «Schweizer Filmwochenschau» (3.3.1950)

0:35 min, vom 13.10.2016

Kindheit und Jugend in der Schweiz

Bhumibol Adulyadej wurde am 5. Dezember 1927 als drittes und jüngstes Kind von Prinz Mahidol und Mom Sangwalya (Prinzessin von Songkhla) in Cambridge im US-Staat Massachusetts geboren. Sein Vater studierte damals in Harvard Medizin.

1928 kehrte die Familie nach Thailand, das «Land der Freiheit», zurück. Ein Jahr später starb Bhumibols Vater.

Die Mutter reiste vier Jahr später mit den drei Kindern nach Lausanne. In der Schweiz ging Bhumibol zur Schule, absolvierte das Gymnasium und studierte an der ETH Lausanne.

Ein Halbgott für die Thais

1950 wurde Bhumibol offiziell gekrönt und zog in den Chitralada-Palast in Bangkok ein. Mit seiner Inthronisierung war Bhumibol zu Rama IX., dem neunten König der Chakri-Dynastie geworden. Diese hatte seit 1782 ohne Unterbrechung die königlichen Oberhäupter gestellt und nach nahezu 700 Jahren absolutistischer Herrschaft in Siam 1932 der Umwandlung in eine konstitutionelle Monarchie zugestimmt.

Bhumibols Grossvater war der für seine Reformen bekannte König Chulalongkorn (Rama V.), der alle Institutionen Thailands nach westlichen Massstäben erneuerte.

Bhumibol entwickelte sich im Laufe der Zeit zur obersten Autorität in Thailand und wurde ausserordentlich populär. Vor allem die ländliche Bevölkerung verehrt ihn als «Por Luang» («königlicher Vater») und erhob ihn in den Rang eines Halbgottes. Mehr als die Hälfte der über 60 Millionen Thais wünschte sich den Titel «Maharaj» («der Grosse») für ihren König.