«The Boss» protestiert gegen Diskriminierung

US-Rockstar Bruce Springsteen und auch sein kanadischer Musikerkollege Bryan Adams haben jeweils ein Konzert in den USA abgesagt. Beide protestieren damit gegen neue Gesetze in einigen US-Bundesstaaten, welche die Diskriminierung von Homosexuellen aus religiösen Gründen ermöglichen.

Springsteen mit Gitarre auf der Bühne

Bildlegende: Für Bruce Springsteen ist «der Kampf gegen Vorurteile und Engstirnigkeit wichtiger als ein Rockkonzert». Keystone

Im Sommer soll im US-Bundesstaat Mississippi ein umstrittenes neues Gesetz in Kraft treten. Es sieht vor, dass Personen und Unternehmen mit gleichgeschlechtlichen Paaren keine Geschäfte abwickeln müssen, wenn dies gegen ihre religiösen Gefühle verstösst.

Dass das Gesetz zu Aufregung geführt hat, versteht Phil Bryant, der Gouverneur des US-Bundesstaates Mississippi, nicht. Mit dem Gesetz solle niemand diskriminiert werden, betont er. «Wer sich Sorgen macht um die Rechte der Menschen, muss auch verstehen, dass auch gläubige Menschen Rechte haben.»

Springsteen und Adams sagen Konzerte ab

Mississippi ist nicht der einzige Bundesstaat, der ein solches Gesetz kennt. Aber nur wenige andere haben einen so grundsätzlichen und umfassenden Gesetzestext dazu formuliert. Die Bundesstaaten reagieren mit den Gesetzen auf den Entscheid des obersten Verfassungsgerichtes, das letztes Jahr die gleichgeschlechtliche Ehe für rechtmässig erklärt hat.

Aus Protest sagte die Rockgrösse Bruce Springsteen (66) am Freitag ein Konzert im US-Bundesstaat North Carolina kurzfristig ab. In einer Mitteilung auf seiner Webseite erklärte der Rockmusiker, er und seine Band wollten sich mit jenen solidarisch zeigen, die für Freiheit kämpfen.

Der Kampf gegen Vorurteile und Engstirnigkeit sei wichtiger als ein Rockkonzert, schreibt Springsteen, auch genannt «The Boss». «Das hier ist das stärkste Mittel, das ich habe, um meine Stimme in Protest gegen diejenigen zu erheben, die uns rückwärts anstelle von vorwärts treiben.»

Bryan Adams mit Gitarre bei einem Konzert

Bildlegende: «Menschen werden wegen ihrer sexuellen Orientierung die Grundrechte verweigert»: Adams will nicht nach Mississippi. Reuters

Der kanadische Rockmusiker Bryan Adams reagierte am Montag ebenfalls: Er könne nicht in einem Bundesstaat auftreten, der einer Gruppe Menschen wegen ihrer sexuellen Orientierung die Grundrechte verweigere, schrieb er – und sagte sein für nächsten Donnerstag geplantes Konzert in Mississippi ab.

Reisen nach Mississippi verboten

Verschiedene Unternehmen drohen, ihre Niederlassungen in Mississippi zu schliessen. Und der Gouverneur des Staates New York, Andrew Cuomo, hat seinen Beamten ein Mississippi-Reiseverbot verordnet: «Unsere Botschaft ist laut und deutlich: Wir halten es für falsch, und wir wollen damit nichts zu tun haben.»

Ob Mississippi wegen der Proteste nochmals über die Bücher geht, ist derzeit offen. Der Bundesstaat würde dem Beispiel Georgias folgen: Dort wurde ein ähnliches Gesetz vor ein paar Tagen schliesslich doch nicht in Kraft gesetzt.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Papst über „Liebe in der Familie“

    Aus Tagesschau vom 8.4.2016

    Der Vatikan veröffentlicht das päpstliche Schreiben zum Thema Ehe und Familie. Auch heikle Themen wie der Umgang mit Geschiedenen und Homosexualität werden diskutiert. Einschätzungen von SRF-Korrespondent Philipp Zahn in Rom.

  • Abschlussmesse der Synode in Rom

    Respekt, aber keine Rechte für Homosexuelle

    Aus Echo der Zeit vom 25.10.2015

    In Rom ist die Synode, die Versammlung der Bischöfe, zu Ende. Vor allem zwei Fragen haben zu reden gegeben: Gibt es ein Bekenntnis zu gleichgeschlechtlichen Paaren? Und dürfen wiederverheiratete Geschiedene zur Kommunion gehen? Beides Mal ist die Antwort Nein.

    Trotzdem: ein paar Punkte im Abschlussbericht sind neu.

    Franco Battel