Tiefe Trauer in Thailand

Ganz Thailand gedenkt seinem beliebten König Bhumibol Adulyadej. Während die Nation trauert, zögert der Kronprinz mit der Besteigung des Throns.

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Thailand trauert um seinen Landesvater

1:32 min, aus Tagesschau vom 13.10.2016

Nach dem Tod des tief verehrten Königs Bhumibol Adulyadej herrscht grosse Trauer in Thailand. «Die blühende Regentschaft des Königs ist zuende», verkündete Regierungschef Prayut Chan-o-cha . «Er hat das Leben aller auf das Tiefste berührt, wir schulden ihm grosse Dankbarkeit.» Prayut ordnete Staatstrauer für ein Jahr an.

Screenshot «Bangkok Post».

Bildlegende: Ganz im Zeichen des Königs: Die «Bangkok Post». www.bangkokpost.com

Im ganzen Land zeigte sich sofort beispiellose Trauer. Vor dem Sirijaj-Krankenhaus knieten tausende Menschen in den Strassen und beteten, viele von ihnen in Tränen aufgelöst. Auf Facebook wurden zahlreiche Profilbilder mit Herzen und der Aufschrift «Ich liebe den König» ergänzt. Die «Bangkok Post» änderte ihr Online-Layout auf schwarz-weiss.

Im gleichen Krankenhaus wie der König wird auch Bhumibols Frau Sirikit (84) behandelt. Sie ist seit einem Schlaganfall 2012 schwer krank. Im Land sollen alle Flaggen 30 Tage auf halbmast wehen. Prayut empfahl Mitarbeitern des öffentlichen Dienstes, ein Jahr schwarz zu tragen.

Thronfolger braucht Zeit

Die Militärregierung räumte nach dem Tod Bhumipols sofort jede Spekulation über seine Thronfolge aus. Der 64-jährige Kronprinz Vajiralongkorn folge seinem Vater auf den Thron, gab Regierungschef Prayut in einer Fernsehansprache bekannt.

Der Kronprinz habe allerdings um einen Aufschub bei der Thronbesteigung gebeten, erklärte Prayut. Während einer Audienz habe Vajiralongkorn «um Zeit zur Vorbereitung gebeten, bevor er zum neuen König ausgerufen wird».

Zunächst war erwartet worden, dass Vajiralongkorn noch bei der Dringlichkeitssitzung des Parlaments als neuer König ausgerufen wird. Bhumibol selbst war 1946 noch am Tag des Todes seines Bruders zu dessen Nachfolger ernannt worden.

Kronprinz Vajiralongkorn.

Bildlegende: Kronprinz Vajiralongkorn. Keystone

Nicht so beliebt wie der Vater

Während Bhumibol als Garant der Einheit in dem politisch tief gespaltenen Land galt, ist sein Sohn bei weitem nicht so beliebt wie sein Vater. Der 64-Jährige verbringt viel Zeit in München, weil sein jüngster Sohn Dipangkorn Rasmijoti in Bayern zur Schule geht. Von der Mutter hat sich der Kronprinz 2014 scheiden lassen. Er hat sieben ältere Kinder mit zwei weiteren Ex-Frauen.

König Bhumibol war 70 Jahre lang König und damit der am längsten regierende Monarch der Welt. Das buddhistische Königreich mit fast 70 Millionen Einwohnern könnte vor grossen politischen Umwälzungen stehen. Die rund 30 Millionen Touristen, die jedes Jahr kommen, sollen davon aber unberührt bleiben, wie die Behörden versichern.