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Tiefere Steuern in den USA «Diese Reform wäre revolutionär»

In der Nacht hat Donald Trump angekündigt, wie er die Steuern senken will. Martin Naville erklärt, wer davon profitieren wird.

Martin Naville spricht an einer Veranstaltung
Legende: Der Jurist und frühere Unternehmensberater Martin Naville ist Direktor der Amerikanisch-Schweizerischen Handelskammer. Keystone

SRF News: Wem bringt Trumps Steuerreform vor allem etwas?

Martin Naville: Die Frage ist eigentlich mehr, wer denn dafür zahlt. Denn diese Steuerreform, wie sie US-Präsident Donald Trump skizziert hat, bringt allen etwas. Sie ist so etwas wie eine Wundertüte, die vielen Menschen – grösseren und kleineren Firmen, den Familien und auch den Vermögenden in Amerika – etwas bringt. Aber das ist erst der Wunschzettel an das Parlament. Der Kongress geht jetzt an die Arbeit. Und Details sind, wie man weiss, das schwierigste. Wenn die Reform so herauskäme, wie jetzt angekündigt, wäre für alle etwas drin.

Kritiker sagen, es profitierten vor allem die Reichen. Stimmt das?

Das ist bei jeder Reform so, bei der die Steuern gesenkt werden. Die reichsten 20 Prozent bezahlen 85 Prozent der Steuern in den USA. Wenn also die Steuern sinken, liegt für jene, die sowieso keine zahlen, nichts drin. Die anderen profitieren dagegen überproportional. Aber auch mit Trumps Programm wird eigentlich erstaunlich wenig für die Reichen gemacht. Es wird sogar angedeutet, dass für die Superreichen vielleicht eine Steuererhöhung möglich sei. Aber das ist alles noch relativ unbestimmt. Dass die Demokraten nun sagen, das sei nur für die Reichen, ist klar. Ich glaube, die grössten Profiteure werden die KMU sein.

Die Steuerreform ist so etwas wie eine Wundertüte. (...) Aber das ist erst der Wunschzettel ans Parlament.

Sind es tatsächlich Impulse, die die US-Wirtschaft jetzt nötig hat?

Wenn die Reform so durchkäme, wie angekündigt, wäre das natürlich revolutionär. Dazu muss man kein Trump-Freund sein. Die Steuern würden von 35 bis 39 Prozent auf etwa 20 Prozent hinuntergehen. Das wäre fast eine Halbierung der Unternehmenssteuer, also eine starke Senkung für die KMU. Es würde vor allem ein völlig antiquiertes und komplett absurdes Steuersystem reformieren. Und den Steuersatz, der derzeit der höchste in der OECD ist für Firmen, würde es unter den OECD-Durchschnitt drücken. Aber wir wissen nicht, was passiert, wenn es durch die Mangel des parlamentarischen Prozesses geht. Die Reformpläne werden sich also noch sehr stark verändern über die Zeit.

So eine Steuersenkung kostet. Woher soll das Geld kommen?

Das ist die grosse Frage. Dieser Plan ist sehr wenig quantitativ: Man weiss also noch gar nicht, was das alles kosten wird. Und er ist voller Andeutungen, dass man andere Privilegien streichen werde. Auch das ist sehr unbestimmt. Es wird wahrscheinlich relativ teuer werden. Und es wird eine grosse Diskussion darüber geben, ob diese Impulse zu mehr Steuereinnahmen führen werden, so dass die Massnahme neutral ist. Das Risiko ist sehr gross, dass am Ende die Schulden der Vereinigten Staaten anwachsen, dass man das Problem vor sich herschiebt und die Reform auf dem Buckel der nächsten Generation passiert.

Das Risiko ist sehr gross, dass die Reform auf dem Buckel der nächsten Generation passiert.

Das Gespräch führte Rino Curti.

Legende: Video Trump konkretisiert Wahlkampfversprechen abspielen. Laufzeit 1:39 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 28.09.2017.

6 Kommentare

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  • Kommentar von M. Roe (M. Roe)
    An alle die jetzt wieder gegen Trump schiessen. Sie sollten entweder bald gut Englisch lernen oder einen guten Übersetzer anstellen +sich dann die Originalreden von Trump anhören.Er ist ja für alle Trump-Gegner ein "Reicher" und er hat in seiner Rede gesagt, dass die Reform nicht gut für ihn persönlich (d.h. für einen Reichen) ist. Journalisten +linke Politiker wollen einfach nicht zugeben, dass Präsident Trump ein guter Präsident ist +seine Vorschläge gesunden Menschenverstand bedeuten.
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  • Kommentar von Arnold Weiss (A.Weiss)
    Ich bin auch kein Fan von Trumps Plänen. Aber an alle, die jetzt wieder Staatsverschuldung schreien: Sie wissen schon, dass die USA und die Schweiz eine nicht komplett verschiedene Staatsverschuldung haben, wenn man das ganze pro Kopf berechnet? Denn es wird immer so getan, als ob die Verschuldung der USA pro Kopf 10x höher wäre als diejenige der Schweiz. (Schweiz: 38’000$ pro Kopf, USA 58‘000$ pro Kopf). Stand 2014
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    1. Antwort von Nick Kobi (Nick Kobi)
      Die Staatsverschuldung der USA beträgt 107% des BIP; vgl Schweiz: 45%. das ist ein gewaltiger Unterschied, der umso eklatanter wird, wenn man sich die Entwicklung ansieht: vor gerademal 12 Jahren stand die USA besser da als die Schweiz (65% vs 67%). Wenn man sich diese Tendenz anschaut, versteht man schon, warum "alle jetzt wieder Staatsverschuldung schreien", wie sie es sagen. Wie man diesem Problem in den USA begegnen muss, ist natürlich höchstkomplex, es aber klein zu reden, wäre gefährlich
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    2. Antwort von remo strotamp (remostr)
      Schweizer Verschuldung: 104Mrd laut NZZ Artikel 2016 Anzahl Einwohner: 8Mio -> 13000 pro Kopf US Verschuldung: 20Billionen, 323Mio Einwohner -> 62000 pro Kopf Zwar nicht 10x aber doch 5x. Und weit von den 1.5x wie sie angegeben haben....
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  • Kommentar von Stefan Huwiler (huwist)
    Klar, Steuersenkungen ankünden kann jeder. Zuerst muss man aber doch erst mal festlegen wo das dann fehlenden Geld herkommt bzw. wo es eingespart wird! Ist komplett dilletantisch die Steuern fast halbieren zu wollen ohne zu sagen wer das finanziert. Oder einfach nur populistisch? Traurig, dass sich inzwischen so viele Länder in einer derartigen Misere befinden weil sie aus diffusen Unzufriedenheiten unmögliche Populisten gewählt haben.
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