Timoschenko tritt in den Hungerstreik

Vor wenigen Tagen hatte die Ukraine eine aussenpolitische Kehrtwende vollzogen – weg vom EU-Kurs, hin zu einer Wiederannäherung an Russland. Seither gehen Tausende Menschen auf die Strassen. Die inhaftierte Julia Timoschenko treibt ihren Protest noch weiter.

Julia Timoschenko – Von der «Gasprinzessin» zum Freiheitssymbol

Die inhaftierte ukrainische Oppositionspolitikerin Julia Timoschenko ist in einen Hungerstreik getreten – aus Protest gegen die Aussenpolitik ihres Landes.

Sie nehme bis auf weiteres keine Nahrung mehr zu sich, liess Timoschenko über ihren Anwalt mitteilen. Damit wolle sie den ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowitsch dazu bewegen, das Assoziierungsabkommen mit der EU doch noch zu unterzeichnen.

Demonstrant in Kiew mit einem Porträt Timoschenkos

Bildlegende: Julia Timoschenko tritt in den Hungerstreik – auch aus Verbundenheit mit den protestierenden Landsleuten. Keystone

Kehrtwende in Kiew

Das Assoziierungsabkommen zwischen der Ukraine und der EU sollte ursprünglich Ende dieser Woche unterzeichnet werden. Die Regierung in Kiew hatte die Vorbereitungen dafür jedoch in der vergangenen Woche überraschend abgebrochen und gleichzeitig eine Kehrtwende in der Aussenpolitik verkündet. Statt der geplanten Annäherung an den Westen soll nun wieder ein «aktiver Dialog» mit Russland aufgenommen werden.

Die ukrainische Opposition reagierte entsetzt. Seit Tagen protestieren in der Hauptstadt Kiew Tausende Menschen gegen den Entscheid der Regierung. Auch am Montag setzten sie ihre Proteste fort. Timoschenkos Anwalt liess mitteilen, seine Mandantin verstehe ihren Hungerstreik auch als Zeichen der Verbundenheit mit den Demonstranten.

Timoschenkos Zukunft ungewiss

Die 52-jährige Timoschenko war 2011 wegen Amtsmissbrauchs im Zusammenhang mit Verträgen mit Russland über Erdgaslieferungen zu sieben Jahren Haft verurteilt. Im Westen sind viele überzeugt, dass es sich dabei um einen politischen Prozess handelt. In der Haft ist Timoschenko erkrankt, sie liegt seit längerem auf einer Krankenstation in Charkow.

Ihre Behandlung in einem deutschen Spital hatte die EU zu einer Grundvoraussetzung für den Abschluss des Assoziierungsabkommens gemacht. Im Parlament in Kiew scheiterte das Gesetz über einen Hafturlaub für Timoschenko im Ausland jedoch. Nun ist Timoschenkos Zukunft ungewiss, möglicherweise muss sie länger in Haft bleiben.