Tod von israelischen Teenagern: Verdächtiger seit Wochen in Haft

Israel hat knapp zwei Monate nach der Entführung und Tötung von drei jüdischen Schülern im Westjordanland die Festnahme eines Verdächtigen bekanntgegeben. Der 40-jährige Palästinenser sei vor einem Monat gefasst worden.

Premierminister Nethanjahu spricht an einem Rednerpult neben drei Särgen, die mit Israelfahnen bedeckt sind.

Bildlegende: Premierminister Nethanjahu, hier bei der Beerdigung der drei Opfer im Juli, macht die Hamas für die Tat verantwortlich. Reuters

Die israelische Polizei hat am Dienstag die Festnahme des mutmasslichen Hintermannes der Entführung und Ermordung von drei jungen Israelis Mitte Juni bekanntgegeben. Der Mann sei bereits vor einem Monat festgenommen worden.

Er stehe unter dem Verdacht, das Verbrechen geplant und organisiert zu haben, hiess es in einer Erklärung. Der Palästinenser sei im Flüchtlingslager Schuafat im Westjordanland nördlich von Jerusalem aufgegriffen worden. Israelischen Medienberichten zufolge gab er in Haft zu, Geld von der radikal-islamischen Hamas erhalten zu haben, um die Entführer zu rekrutieren und zu bewaffnen.

Die eigentlichen Entführer der drei jungen Israelis sind noch nicht gefasst. Die Polizei nannte am Dienstag allerdings die Namen von zwei Hauptverdächtigen.

Auslöser für Offensive im Gazastreifen

Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hatte der Hamas schon kurz nach dem Verschwinden der drei Israelis vorgeworfen, für deren Entführung verantwortlich zu sein. Die drei Jugendlichen waren Mitte Juni beim Autostopp im Süden des Westjordanlandes gekidnappt und getötet worden. Die Leichen der drei Schüler im Alter zwischen 16 und 19 Jahren waren Anfang Juli entdeckt worden.

Daraufhin startete Israel eine gross angelegte Militäroffensive gegen die Hamas, worauf die Hamas wiederum mit einem verstärkten Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen reagierte. Unter anderem führte dies zu israelischen Luftangriffen und einer Bodenoffensive auf das Küstengebiet mit insgesamt über 1800 Todesopfern.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Ein palästinensischer Mann kehrt mit seinen Söhnen nach Hause zurück.

    Waren die israelischen Angriffe in Gaza verhältnismässig?

    Aus Echo der Zeit vom 5.8.2014

    Seit fast vier Wochen herrscht im Gazastreifen Krieg. Die vereinbarte 72-stündige Waffenruhe wird bis jetzt eingehalten. Die Verwüstungen in Gaza sind verheerend. Die Palästinenser beklagen fast 1900 Tote, Israel 67.

    Eine zentrale Frage bei diesem Krieg war: Wer hat wie verhältnismässig gehandelt? Der Bericht aus der Region und das Gespräch mit dem Völkerrechtler Robert Kolb.

    Torsten Teichmann und Peter Voegeli