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Totalitäre Auswüchse Soros prangert Macht der Internet-Giganten an

George Soros spricht Klartext. Der Milliardär ist nie um eine Meinung verlegen und tut sie auch gerne kund. Am diesjährigen Weltwirtschaftsforum hat der 87-Jährige denn auch einen schonungslosen Blick auf den Zustand der Welt geworfen. Der US-Investor malt ein düsteres Bild der Zukunft. Ein besonderes Augenmerk richtet Soros dabei auf die stetig wachsende Machtfülle der Internetkonzerne.

Ein Bild von George Soros von 2016.
Legende: Der Milliardär George Soros ist ein scharfzüngiger Kritiker des Zeitgeschehens. Reuters

Die heutigen Internet-Giganten wie Facebook und Google hätten in der Vergangenheit zwar oft eine befreiende und innovative Rolle gespielt, sagt Soros. Aber als Quasi-Monopolisten seien sie mittlerweile eher zu Innovationshemmern geworden und hätten darüber hinaus eine Vielzahl von Problemen verursacht.

Es gibt eine Ähnlichkeit zwischen Internetplattformen und Glücksspielunternehmen.

Social-Media-Unternehmen täuschten ihre Nutzer, indem sie ihre Aufmerksamkeit manipulierten und auf ihre eigenen kommerziellen Zwecke ausrichteten. «Sie entwickeln bewusst die Sucht nach den Dienstleistungen, die sie erbringen. Dies kann besonders für Jugendliche sehr schädlich sein. Es gibt eine Ähnlichkeit zwischen Internetplattformen und Glücksspielunternehmen», stellt der Investor fest.

Besonders skrupellos sei, dass Social-Media-Unternehmen direkt auf das Denken und Verhalten der Menschen Einfluss nähmen, ohne dass sich diese dessen überhaupt bewusst seien. «Etwas sehr Schädliches und vielleicht Unumkehrbares geschieht mit der menschlichen Aufmerksamkeit in unserem digitalen Zeitalter. Die Macht, die Aufmerksamkeit der Menschen zu formen, wird zunehmend in den Händen einiger weniger Unternehmen konzentriert.»

Soros warnt in diesem Zusammenhang vor dem Verlust des freien Geistes. Menschen ohne Freiheit des Geistes könnten leicht manipuliert werden. Dies habe weitreichende negative Auswirkungen auf das Funktionieren der Demokratie, insbesondere auf die Integrität der Wahlen, wie bereits die US-Präsidentschaftswahlen 2016 gezeigt hätten.

Zu wenige Regulierungen

In den Augen des US-Milliardärs unternähmen die einzelnen Regierungen viel zu wenig gegen die Machtfülle von Facebook und Google. Die ausserordentliche Rentabilität dieser Unternehmen hänge weitgehend davon ab, dass sie die Verantwortung für die Inhalte auf ihren Plattformen vermieden und nicht für die Inhalte bezahlten.

«Sie behaupten, dass sie lediglich Informationen verbreiten. Aber die Tatsache, dass sie quasi Monopolverteiler sind, macht sie zu öffentlichen Versorgungsunternehmen.» Es liege im Interesse jeder Demokratie die IT-Konzerne strengeren Vorschriften zu unterwerfen, die darauf abzielten, Wettbewerb, Innovation und fairen, offenen sowie universellen Zugang zum Markt zu erhalten.

Orwell und Huxley lassen grüssen

Nach Ansicht von George Soros zeichnet sich eine noch alarmierendere Perspektive ab. Es könnte eine Allianz zwischen autoritären Staaten und den datenreichen IT-Monopolen entstehen, die aufkeimende Systeme der Unternehmensüberwachung mit etablierten Systemen der staatlichen Überwachung zusammenbrächten. «Dies kann durchaus zu einem Netz totalitärer Kontrolle führen, wie es sich nicht einmal Aldous Huxley oder George Orwell hätte vorstellen können.» Für den US-Milliardär ist klar: Die Länder, in denen solche unheiligen Ehen wahrscheinlich zuerst stattfinden werden, sind Russland und China.

Eine etwas optimistischere Tür öffnet der 87-Jährige dann aber zum Schluss. Er ist überzeugt, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis die globale Dominanz der US-amerikanischen IT-Monopole gebrochen ist.

«Regulierung und Besteuerung werden ihr Verderben sein. Es hat sieben Jahre gedauert, bis die EU ein Verfahren gegen Google eingeleitet hat, aber aufgrund ihres Erfolges wurde der Prozess erheblich beschleunigt. Der europäische Ansatz hat begonnen, auch in den Vereinigten Staaten zu keimen.»

US-Investor und Orakel

Der Milliardär George Soros ist ein Holocaust-Überlebender. Soros' Heimat ist Ungarn, sein Vermögen machte der heute 87-Jährige aber in den USA. Der Investor ist ein scharfzüngiger Kritiker vieler Regierungen - allen voran der US-Führung von Donald Trump und des ungarischen Premierministers Viktor Orban. Er gilt auch als genauer Beobachter des Zeitgeschehens. Am WEF in Davos haben sich seine jährlichen Einschätzungen zum Zustand der Welt bereits zu einer Tradition entwickelt.

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