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International Tote bei Kämpfen um Flughafen von Donezk

In der Ostukraine sind bei neuen Kämpfen innerhalb von 24 Stunden mindestens 23 Menschen getötet und mehr als 150 verletzt worden. Die Behörden in der Separatistenhochburg Donezk sprachen von den heftigsten Gefechten seit Wochen.

Legende: Video Neue Gewaltexzesse in der Ostukraine abspielen. Laufzeit 01:26 Minuten.
Aus Tagesschau vom 19.01.2015.

Die Separatistenhochburg Donezk wird von den schwersten Kämpfen seit Monaten heimgesucht. Bei heftigen Gefechten um den Flughafen in der ostukrainischen Stadt starben mehrere Menschen. Auch Wohnquartiere unweit des Flughafens wurden von Granaten getroffen. Am Abend liessen die Kämpfe indes nach. Nach heftigen Gefechten in den vergangenen Tagen war es vergleichsweise ruhig um die stark zerstörte Anlage.

Legende: Video SRF-Korrespondent Franzen berichtet aus Donezk abspielen. Laufzeit 01:34 Minuten.
Aus Tagesschau vom 19.01.2015.

Angst und Nervosität

«In der vergangenen Nacht und am Morgen war Artilleriefeuer in der Stadt zu hören», sagte SRF-Korrespondent Christof Franzen, der sich vor Ort befindet. «In den Wohngebieten in der Nähe des Flughafens harren vor allem ältere Menschen aus, aber auch ärmere Familien mit Kindern. Wir haben diese Familien sehr verängstigt, nervös und unsicher erlebt.»

Dies sei nicht verwunderlich. Seit langer Zeit lebten diese in ihren Kellern oder versteckten sich in ihren Wohnungen. «Dort hören sie Artilleriegeschosse und wissen nie, ob nicht doch eine Granate auf ihr Haus fallen wird.»

Es sei im Einzelfall schwierig zu sagen, wer für den Beschuss der Wohngebiete verantwortlich sei. Die beiden Parteien beschuldigten sich gegenseitig. «Tatsache ist, dass die prorussischen Separatisten aus der Stadt hinausschiessen, zum Teil auch neben Wohnhäusern. Die ukrainische Armee erwidert dieses Feuer. Es ist ein Artilleriegefecht über den Köpfen der Menschen hinweg. Immer wieder kommt es dabei zu Fehlschüssen.»

Offensive gestartet

Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko verteidigte unterdessen die neue Militäroffensive. Die Armee habe im Krisengebiet Donbass auf Angriffe der moskautreuen Aufständischen reagieren müssen, sagte Poroschenko.

Kiew warf Russland vor, unterdessen etwa 700 Soldaten zur Unterstützung der Separatisten über die Grenze geschickt zu haben. Die Streitkräfte seien in zwei Gruppen in die Ukraine gekommen, sagte ein Armeesprecher. Am kommenden Dienstag sollen zusätzliche 50'000 Ukrainer im Rahmen einer Teilmobilmachung bewaffnet werden.

Karte der Ukraine
Legende: Besonders erbittert wird um die Kontrolle über den strategisch wichtigen Flughafen von Donezk gekämpft. SRF

Das ukrainische Militär hatte am Samstag trotz der Anfang Dezember mit den Rebellen vereinbarten Waffenruhe eine massive Gegenoffensive gestartet – unter anderem mit Artillerie und Panzern. Am Sonntag gab die Armee an, sie habe den Grossteil des strategisch wichtigen Flughafens gesichert.

Bei diesen Kämpfen seien innerhalb von 24 Stunden mehr als 23 Menschen getötet und mindestens 150 verletzt worden, hiess es. Die Behörden in Donezk sprachen von den heftigsten Gefechten in der Unruheregion seit Wochen. Die Aufständischen im benachbarten Lugansk warfen der Regierung vor, die Stadt noch weiter von Versorgungswegen abgeschnitten zu haben. So sei der Bus- und Lkw-Verkehr in der Region eingestellt worden.

Legende: Video Ukraine-Frust in Brüssel abspielen. Laufzeit 02:28 Minuten.
Aus Tagesschau vom 19.01.2015.

Bekenntnis zu Abkommen gefordert

Beim EU-Aussenministertreffen in Brüssel forderte der deutsche Aussenminister Frank-Walter Steinmeier ein klares Bekenntnis zur Umsetzung des Minsker Abkommens. Auch sei unklar, ob das schon in der vergangenen Woche geplante Gipfeltreffen in der kasachischen Hauptstadt Astana zustande komme.

Einer der Streitpunkte bei der Umsetzung des Waffenstillstandsabkommens von Minsk ist die Festlegung einer Demarkationslinie zwischen prorussischen Separatisten und ukrainischem Militär. Über eine Lockerung der Sanktionen gegen Moskau nach der Verschärfung der Lage in der Ostukraine rede derzeit niemand, sagte Steinmeier.

Steinmeier sei sehr frustriert gewesen und pessimistisch in seinen Einschätzungen, sagte SRF-Korrespondent Sebastian Ramspeck in Brüssel. Alle Konfliktparteien würden ständig von der Einhaltung des Minsker Abkommens sprechen, doch tastsächlich passiere wenig bis überhaupt nichts. «Deshalb sei heute nicht der richtige Zeitpunkt gewesen um über Grundsätzliches nachzudenken.»

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38 Kommentare

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  • Kommentar von Stanic Drago, Delemont
    Wie weit geht Wahrheit Ministerium in Kiew. Heute würden 2 Panzer mit Soldaten geschickt um Verletzten aus Flughaffen zu evakuieren. Ihnen würde gesagt, dass Weg ist sicher. ANR war sehr überrascht aber trotzdem hat beide Panzer zestört und 8 Soldaten gefangen genommen. Arme Jungs hatten wirklich geglaubt, dass ihre Kollege noch am Flughaffen sind. Leider 6 Soldaten haben das mit Leben bezahlt. Geschichte ist in Netz mit Videos.
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  • Kommentar von Stanic Drago, Delemont
    Was unsere Medien nicht schreiben. Befreiung von Flughaffen ist gescheitert. UA hat versucht 6 mal Flughaffen zu stürmen und Größe Verluste erlitten. Am Schluss hat sich Dnjepr 1 geweigert an weiteren Versuchen Teil zu nehmen. ANR ist zu Gegenangriff gegangen und Ein größer Teil von Pesky erobert und sind auch in Avdeevka eingedrungen. Gleichzeitig wird Druck auf Mariupol und Granitnoe verstärkt. Das ist aktuelle Situation vor Ort.
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  • Kommentar von Christa wüstner, Reinach
    Zur gleichen Zeit ruft Poroschenko in Zürich : ich bin ein Präsident des Friedens. Und man bietet an der Uni ihm noch eine Plattform für seine provozierenden Reden. Zum Schluss bittet er noch die Welt, ihm gegen Russland zu helfen. Kommen diese Gedanken aus nur einem kranken Kopf??? Und wieder wird auf westlicher Seite geschwiegen . Eigentlich ist das die Antwort.....
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